Als Antwort auf die Lehren Luthers und die damit verbundenen religiösen und politischen Umbrüche begann von katholischer Seite aus die Gegenreformation. An deren Anfang standen die Beschlüsse des Konzils von Trient 1545, welche die künftigen dogmatischen Standpunkte der katholischen Kirche festlegten. Nur wenige Jahre später bekam auch die jüdische Bevölkerung die Verschärfungen zu spüren, als talmudische Schriften in Rom öffentlich verbrannt wurden und Papst Paul IV. mit der Bulle "Cum nimis absurdum" 1555 die Rechte der Juden im Kirchenstaat deutlich einschränkte. Der religiös motivierte Antijudaismus und das Ziel einer Bekehrung von Jüdinnen und Juden waren also innerhalb der alten wie auch der neuen christlichen Konfession vorherrschend. Nach der Ausweisung aus den mittelalterlichen Städten und den größeren weltlichen und geistlichen Herrschaftsgebieten musste die jüdische Bevölkerung auf andere Orte ausweichen. Ein Teil wanderte nach Norditalien oder Osteuropa aus. Viele jüdische Familien versuchten zudem, in deutsche Städte zu ziehen, die noch Jüdinnen und Juden aufnahmen.
Vor allem ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war auf dem Gebiet des heutigen Bayern häufig nur noch eine Ansiedlung in den kleineren Adelsbesitzungen, besonders in den Reichsgrafschaften und Reichsritterschaften Schwabens und Frankens, möglich. In kleineren Orten der Hochstifte Bamberg und Würzburg sind erst ab dem Ende des 16. und im 17. Jahrhundert wieder einige jüdische Familien belegt. Durch diese Entwicklung entstand besonders im schwäbischen und fränkischen Raum das sogenannte "Landjudentum". Eine Ansiedlung im Herzogtum Bayern war dagegen nach 1553 für mehr als zwei Jahrhunderte unmöglich.
Die Aufnahme von Jüdinnen und Juden in die Territorien kleinerer Herrschaftsbereiche erfolgte nicht aus Nächstenliebe oder Mitleid, sondern aus finanziellen Gründen. Durch die sogenannte Peuplierung, einer planmäßigen Besiedlung der Territorien, die vor allem im Merkantilismus (bzw. in seiner deutschen Variante, dem Kameralismus) propagiert wurde, versuchte der niedere Adel, neue Einnahmequellen zu generieren. Die jüdische Bevölkerung musste für ihren Schutz durch die Orts- und Landesherren zahlen und stellte damit eine lukrative Einnahmequelle dar. Das zunächst an das Kaisertum gebundene "Judenregal" verlagerte sich ab dem Spätmittelalter zunehmend auf geistliche und weltliche Fürsten sowie auf die Reichsstädte. Die Reichspolizeiordnung von 1548 ermöglichte es auch dem niederen Adel, Jüdinnen und Juden in ihre Territorien aufzunehmen, Steuern und andere Abgaben von ihnen zu verlangen sowie eigene Judenordnungen und Schutzbriefe einzuführen oder Ausweisungen anzuordnen.
Das unfreiwillig gewählte Leben der Jüdinnen und Juden mehr oder weniger abseits der urbanen Zentren bot aber auch die Chance, dass sich in den Dorf-, Markt- und Kleinstadtgemeinden mit nur wenigen jüdischen Familien (Jischuwim) bis hin zu größeren Gemeinschaften (Kehillot) über Generationen hinweg, weitgehend unbehelligt von Ausschreitungen, jüdisches Leben entwickeln konnte. Teilweise entstanden "Doppelgemeinden" mit einer christlichen und einer größeren jüdischen Bevölkerung unter der jeweiligen Orts- oder Landesherrschaft. Das alltägliche Zusammenleben der religiösen Gruppen war häufig relativ eng, aber nicht immer frei von Konflikten, etwa wenn es um die Wahrung der verschiedenen Interessen und Rechte ging. Die auf einzelne Orte verstreute jüdische Bevölkerung schloss sich zu selbstverwalteten Gebietskörperschaften zusammen, sogenannten "Landjudenschaften" (Medinot). In der Regel verfügten nur einzelne Zentralorte – meistens die Rabbinatssitze – über grundlegende Institutionen wie Synagoge, Mikwe, Friedhof, Rabbinatsgericht und Jeschiwa. Nur mit einem Minjan, einer Gruppe von mindestens zehn religiös mündigen männlichen Juden, ist es dem religiösen Gesetz zufolge erlaubt, alle Gebete zu sprechen und alle rituellen Handlungen zu vollziehen. Die Leiter der Gemeinden (Parnassim) wurden durch die Vertreter der Ortsgemeinden gewählt.
Die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts war geprägt durch die Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs. Obwohl Krieg und Seuchen die jüdische Bevölkerung genauso betrafen wie die christliche Mehrheitsgesellschaft, wurde sie von allen Kriegsparteien zumeist schonender behandelt: Denn einerseits stand sie weder auf katholischer noch protestantischer Seite, andererseits versorgte sie beide Seiten mit Kriegsmaterial, Versorgungsgütern und Krediten. Nach dem Krieg standen die jüdischen Gemeinden vor neuen Herausforderungen, da zehntausende jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa nach den Pogromen während des Kosakenaufstands unter Bohdan Chmelnyzkj ab 1648 eine neue Heimat suchten. Unter ihnen befanden sich einige bedeutende Rabbiner, die Schwaben und Franken in den folgenden Jahrzehnten durch ihre Gelehrsamkeit und Bildung bereicherten.
Da der jüdischen Bevölkerung nach wie vor viele Gewerbezweige wie etwa das Handwerk versperrt waren, blieb ihnen vor allem der Handel mit Vieh und Waren oder die Vermittlung von Kleinkrediten. Sogenannte "Schmuser" vermittelten Geschäfte und Verträge aller Art, bei "Stoffjuden" konnte man Kleidung und Stoffe erwerben. Der Betrieb eines Ladens war Jüdinnen und Juden in der Regel verboten, weshalb viele als Hausierer mit verschiedensten Waren durch die Lande zogen und vor allem Schnitt-, Kurz- und Galanteriewaren sowie Produkte aus Eisen oder Gewürze verkauften. Gezahlt wurde häufig mit Naturalien. "Bettel- und Schnorrjuden" lebten dagegen unterhalb des Existenzminimums und standen wie die "Güterschlächter", die ihr Geld bei Zwangsversteigerungen verdienten, in schlechtem Ruf.
Jüdische Familien in den Vororten größerer Städte hatten meist ein besseres Auskommen. Die Vermittlungsfunktion, die sie durch ihre Kenntnis von Warenangebot und Nachfrage auf dem Land und in den Städten und den Zugang zu den urbanen Märkten einnahmen, ist nicht zu unterschätzen. Die wirtschaftliche Lage der Landjuden in den kleineren Dörfern war hingegen bis auf wenige Ausnahmen elend. Kleine Landgemeinden konnten sich in der Regel weder Schulen noch einen Rabbiner leisten und waren für die Vermittlung religiöser Bildung auf jüdische Wanderlehrer angewiesen, die freilich nicht an das urbane Niveau vergangener Zeiten anknüpfen konnten. Einige Rabbiner beklagten daher eine "geistige Leere" in den ländlichen Gemeinden.
Der wachsenden jüdischen Bevölkerung stand häufig nur eine reglementierte Anzahl von Häusern zur Verfügung. So wohnten beispielsweise im Jahr 1703 im mittelfränkischen Ottensoos 26 Jüdinnen und Juden in einem einzigen Haus. Als besonders belastend empfanden viele die Einführung des Leibzolls, der gezahlt werden musste, sobald sie eine Grenze überquerten. Dies kam aufgrund der territorialen Zersplitterung Frankens und Schwabens sehr häufig vor und benachteiligte vor allem den Teil der jüdischen Bevölkerung, der Handel trieb. Daher bildeten sich sogenannte "Judenwege", die unter Umgehung der üblichen Zollstationen jüdische Gemeinden mit ihren Friedhöfen und wirtschaftlichen Zentren verbanden.
Gleichzeitig zu den in ärmlichen Verhältnissen lebenden "Landjüdinnen und -juden" gab es aber auch eine jüdische Elite mit Sonderprivilegien, die als Hoffaktoren bzw. Hofjuden an den Fürstenhöfen tätig waren und diese aufgrund ihrer internationalen Handelskontakte mit Luxusgütern versorgten, sich um die Ausstattung des Heeres kümmerten oder das Münzwesen betrieben. In München bildete sich ab dem 18. Jahrhundert eine aus wenigen Hoffaktorenfamilien bestehende jüdische Gemeinde, die im Laufe der Zeit durch Zuwanderung aus fränkischen und schwäbischen Landgemeinden wuchs. Während einige Hofjuden sich deutlich von der armen jüdischen Bevölkerung distanzierten, versuchten andere, diese zu unterstützen.
Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert begann sich die wirtschaftliche Situation der jüdischen Bevölkerung allmählich zu verbessern, nachdem der fürstliche Absolutismus das Potential der jüdischen Wirtschafts- und Steuerkraft gewinnbringend zu nutzen suchte. Dies führte andererseits wieder zu Unruhen und Übergriffen im heutigen Bayern, die von Neid und Vorurteilen motiviert waren. 1699 kam es im Hochstift Bamberg zu blutigen Übergriffen gegen Jüdinnen und Juden.
Ab dem 18. Jahrhundert verfügten die meisten Gemeinden über die notwendigen Mittel und die Erlaubnis, Synagogen zu bauen. Diese Landsynagogen, von denen manche sich bis heute erhalten haben, wurden zum Mittelpunkt des jüdischen Lebens in den verschiedenen Ortschaften. Besonders in Schwaben entstanden repräsentative Bauten wie die Synagoge in Ichenhausen. Fränkische Dorfsynagogen sollten bis Anfang des 19. Jahrhunderts den Vorgaben der christlichen Obrigkeit entsprechend das bescheidene Aussehen einfacher Wohnhäuser behalten. Außer für die Gottesdienste wurden Dorfsynagogen auch als Versammlungsort, Schule, Studienort, Bibliothek und Gerichtsgebäude genutzt.
(Karin Eben)
Literatur:
Friedrich Battenberg: Das europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt 1990.
Michael Brenner / Daniela F. Eisenstein (Hg.): Die Juden in Franken. München 2012.
Michael Brenner / Sabine Ullmann (Hg.): Die Juden in Schwaben. München 2013.
Mordechai Breuer: Frühe Neuzeit und Beginn der Moderne. In: Mordechai Breuer / Michael Graetz: Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd. I: Tradition und Aufklärung 1600-1780. München 2000, S. 85-247.
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (Hg.) / Bernward Deneke / Manfred Treml u.a.: AK Siehe der Stein schreit aus der Mauer. Geschichte und Kultur der Juden in Bayern. Nürnberg 1988.
Rolf Kießling: Jüdische Geschichte in Bayern. Von den Anfängen bis zur Gegenwart Berlin u. Boston 2019 (= Studien zur Jüdischen Geschichte und Kultur in Bayern 11).
Uwe von Seltmann: Wir sind da! 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Erlangen 2021.
Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Josef Kirmeier: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern – Aufsätze. München 1988. (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 17).
Haus der Bayerischen Geschichte (Hg.) / Manfred Treml / Wolf Weigand: Geschichte und Kultur der Juden in Bayern, Bd. 2: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 18).