Jüdisches Leben
in Bayern

Horb am Main Synagoge

Seit 1707 stand der jüdischen Gemeinde in Horb ein Betsaal oder eine Synagoge zur Verfügung. Möglicherweise handelte es sich hier schon um das Gebäude Nr. 27 a (Standort heute ungefähr Burgstallerstraße 8), dessen Obergeschoß von 1733 bis 1735 von Eliezer Sussmann kunstvoll ausgemalt wurde (Horber Synagoge, heute im Israel Museum Jerusalem). Sussmann war ein zwischen 1730 und 1740 im fränkischen Raum tätiger Synagogenmaler. Er stammte ursprünglich aus Brody (heute Ukraine). Sowohl in Horb als auch in der Scheunensynagoge Bechhofen hat er seinen Namen in der Holzvertäfelung hinterlassen.

Da in beiden Synagogen das Fertigstellungsjahr 1735 genannt wird, hat Sussmann wahrscheinlich mit Gehilfen gearbeitet. Es werden ihm auch die Malereien in den fränkischen Synagogen Steinbach, Georgensgmünd, Kirchheim bei Würzburg und Colmberg bei Ansbach zugeschrieben sowie Unterlimpurg bei Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg). Die Synagoge in Horb war fast vollständig mit Sussmanns Malereien bedeckt. Die Maße des Raums im ersten Stock blieben allerdings mit einer Länge von 6,5 Metern, einer Breite von 5,25 Meter und einer Höhe von 5,15 Metern überschaubar. Die Malereien begannen mit einer Unterkante von einem Meter vom Boden und erstreckten sich auch über das gesamte Tonnengewölbe, das auf einem Sims in drei Meter Höhe auflag. Die erhaltene Decke ist mit Blumen- und Fruchtarabesken ausgemalt in Verbindung mit Tierabbildungen, die auf den Schöpfungsbericht Bezug nehmen. An der Westwand schließt eine blumengeschmückte Krone einen Baldachin ab und wird von zwei schofarblasenden Löwen gehalten. Links ist das mit Türmen und Mauern umgebene Jerusalem in einer mittelalterlichen Anmutung zu sehen. Auf der Ostseite über dem Toraschrein wölbte sich ein Baldachin, der von zwei Löwen gehalten wurde. Bemerkenswert ist die Abbildung des Reichsadlers über der Eingangstür und die wiederkehrende Darstellung eines Einhorns, die Helmzier des Wappens der Freiherren von Redwitz. Inmitten der religiösen Symbolik der Malerei werden auch die weltlichen Schutzherren eingebunden.

Im Zusammenhang mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde wurde das Synagogengebäude 1864 verkauft und zunächst als Heulager verwendet. Durch die Bemühungen des Küpser Pfarrers Heinrich Pohlmann, dieses einzigartige Kunstwerk zu retten und mit Hilfe der Rabbiner Eckstein aus Bamberg und Gotein aus Burgkunstadt konnte ein Abbruch verhindert werden. 1913 kaufte Max Gutmann die Betstube und übergab sie der Gemäldesammlung der Stadt Bamberg. Die noch erhaltenen Teile befinden sich heute als Dauerleihgabe im The Israel Museum, Jerusalem.

Bilder

Literatur

  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 85-90.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 225.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 207-216.