Die erste Synagoge wurde am 11. November 1631 beim Überfall von Tillys Soldaten zerstört. Über Baudatum und Aussehen ist nichts bekannt. Auch der Standort lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Die Brandstätte soll um 1700 verkauft, und anschließend mit einem christlichen Wohnhaus bebaut worden sein. Der Kastner Matthias Graff aus Roth berichtet dazu im Jahr 1707, "dass vor urdenklichen Zeiten in Georgensgmünd ein Häuslein stand, das Steuer und Handlohn gegeben habe. Vor einigen Jahren hat dasselbe Hans Wirttenberger aus der Ödschaft aufgebaut, ehedem war es die Judenschule". Seit dem Dreißigjährigen Krieg hatte es kein Versammlungshaus mehr gegeben, sondern man behalf sich mit Betstuben in Privathäusern.
Am 10. April 1729 stellte die Gemeinde beim Oberamt Roth den Antrag, eine neue Synagoge mit Lehrerwohnung errichten zu dürfen. Sie hatte dafür ein entsprechendes Grundstück am Talbuck erworben (heute Am Anger 9). Durch die Vermittlung des Schwabacher Vorstehers Mose Benjamin Neuburger genehmigte die Ansbacher Regierung am 23. Februar 1733 das Bauvorhaben; Neuburger half auch bei der Finanzierung und gewann selbst weitere Stifter. Ihm ist daher der erste Eintrag im Georgensgmünder Memorbuch gewidmet. Die markgräfliche Erlaubnis hatte jedoch die Einschränkung, dass besonders in amtlichen Schriftstücken nicht von einer "Synagog" die Rede sein durfte, sondern nur von einer "Judenschul". Entsprechend neutral wurde ein schlichtes Gebäude aus regionalem Sandstein und verputztem Fachwerk errichtet. Mithilfe des hebräischen Psalms 118,19 auf dem Türsturz des Eingangs kann der Rohbau genau datiert werden, denn er enthält als Chronogramm die Jahreszahl (5)494, nach christlicher Zeitrechnung 1733/34. Eingeweiht wurde die Synagoge 1735. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die Synagoge im Inneren zunächst noch mit aufwändigen Wandmalereien ausgestattet wurde, die dem galizischen Synagogenmaler Elieser Sussmann zugerechnet werden. Sussmann arbeitete zu dieser Zeit in der Gegend und in seinem nachprüfbaren Schaffen klafft eine Lücke, die genau zum Entstehungszeitraum der Georgensgmünder Synagoge passt. Außerdem entsprechen die verwendeten Farben und die Motive Sussmanns Stil. In Georgensgmünd bemalte er keinen Untergrund aus Holz, sondern malte direkt auf den Wandputz. Erst bei der großen Sanierung im Jahr 1988 stieß man unter mehreren Schichten Wandfarbe auf diese Schätze. Im Norden des Gebäudes schließen sich zwei kleinere Räume an. Einer davon ist heute Vorraum und Treppenhaus sowohl nach oben zur Frauenempore als auch in den Keller zum ursprünglichen Ritualbad, das 1829 aufgeben wurde. Im zweiten Raum baute man die neue Mikwe ein, die den staatlichen Hygienevorschriften entsprach. Dank einer gelungenen Rekonstruktion sind heute in Georgensgmünd sowohl die alte, als auch die neue Mikwe zu besichtigen. Eine erhaltene quadratische Öffnung zur Synagoge diente als Durchreiche, an der Neugeborene dem Beschneider übergeben wurden. Die Frauenabteilung lag im Obergeschoss auf der Haupt- und Nebenempore, gegenüber lag der Zugang zur Lehrerwohnung. Die Sicht für die Frauen von den Emporen herab war durch die geringe Tiefe des Saals stark eingeschränkt: Der Gottesdienst blieb wohl ein eher akustisches Erlebnis.
Der letzte Vorstand Albert Schloss verkaufte das Synagogengrundstück 1938 an den christlichen Bäckermeister Johann Peter Meier, der sich verpflichten musste, in dem Gebäude keinen Stall, keine Gerberei oder Abort unterzubringen, und der sich auch daran hielt. Die letzten 14 Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinde verpflichteten sich im Gegenzug, die Synagoge bis 10. November zu räumen. Dem rechtzeitigen Verkauf ist zu verdanken, dass die Synagoge die Pogromnacht überstanden hat. Lediglich die Pulte aus dem Inneren wurden entnommen, der Toraschrein herausgerissen, alles auf dem Platz vor der Synagoge zerschlagen, aufgeschichtet und schließlich verbrannt. Auch so manches wertvolle Stück verschwand auf ungeklärte Weise, wie beispielsweise ein mündlich sehr oft überlieferter Kronleuchter. Bis 1946 wurde das Gebäude vom Fränkischen Überlandwerk genutzt. Für die Gottesdienste der DPs fertigte der örtliche Schreinermeister Bruno Freudenberg eine neue Innenausstattung an, die jedoch wieder entfernt wurde, als das Gebäude 1954 zur Sporthalle umfunktioniert wurde. Mit der Nutzung als Lagerhaus verfiel das Gebäude ab 1975 zusehends. Im Jahr 1988 erwarb die Gemeinde Georgensgmünd das Synagogengebäude und ließ es mit Hilfe des Landkreises von 1990 bis 1995 umfassend restaurieren. Bei der Restaurierung fand sich eine Genisa, ein Aufbewahrungsort für nicht mehr brauchbare Schriften und Gegenstände aus der Synagoge, worin sich zahlreiche alte religiöse Bücher, Gebetsriemen (Tefillin), Gebetsmäntelchen (Tallit Katan) und andere Gegenstände aus dem religiösen Leben befanden. Seit 1997 ist das Gebäude für Besucher zugänglich. Im April 2000 wurde neben der ehemaligen Synagoge ein Gedenkstein zur Erinnerung an die Umgekommenen der NS-Zeit im Landkreis Roth und der Stadt Schwabach errichtet. Die vier Seiten des Gedenksteines des Untersteinbacher Künstlers Reinhart Fuchs tragen die Namen der damals bekannten ermordeten Juden aus Schwabach, Thalmässing, Roth und Georgensgmünd. Der Innenraum des Synagogengebäudes ist über eine 3-D Panoramaansicht zu erkunden. Ein Film des Bistums Eichstätt zeigt die Synagoge und den jüdischen Friedhof in Georgensgmünd. Einen kurzen geschichtlichen Abriss zur Synagoge, der Mikwe, dem jüdischen Friedhof und der jüdischen Gemeinde hat die Gemeinde Georgensgmünd in einem Flyer zusammengestellt. Hinzu kommt ein Film auf DVD, die von dem Autor Gerd Berghofer gemeinsam mit dem Schüler Jonas Thurn produziert wurde und die „Die jüdischen Schätze“ Georgensgmünds behandelt.
(Patrick Charell / Gerd Berghofer)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Am Anger 9, 91166 Georgensgmünd
Literatur
- Gerd Berghofer: Das jüdische Georgensgmünd. Häuser, Familien, Kurzbiografien. Georgensgmünd 2020.
- Die jüdischen Schätze Georgensgmünds. Ein Film von Gerd Berghofer und Jonas Thurn. Gesamtspielzeit ca. 40 Minuten. Georgensgmünd 2017. Erhältlich im Literatones Verlag e.K., ISBN 978-3-9816879-7-2.
- Cornelia Berger-Dittscheid: Georgensgmünd. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 334-349.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 168f.
