Jüdisches Leben
in Bayern

Passau Synagoge

Einen Hinweise auf eine mittelalterliche Synagoge bietet der 1314 erstmalig erwähnte Straßenname "Judenschulstraße" (heute Zinngießerstraße). Da eine jüdische Gemeinde urkundlich seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts nachgewiesen ist, dürfte hier auch die Bauzeit zu suchen sein. Ob es sich um ein Gotteshaus oder um einen Betraum in einem der jüdischen Häuser handelte, ist unbekannt. Nach der Neugründung einer Gemeinde in der sogenannten Ilzstadt auf der Donauseite, unterhalb der Veste Oberhaus, wurde dort zu Beginn des 15. Jahrhunderts eine neue Synagoge direkt am Flussufer erbaut.

Die Vernichtung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1478 bedeutete auch das Ende der Synagoge. Als "Sühne" für einen erfundenen Hostienfrevel, der den Juden zur Last gelegt wurde, wurde zwischen 1479 und 1485 die Kirche St. Salvator an der Stelle der niedergerissenen Synagoge errichtet, wobei der fast quadratische Grundriss der gotischen Kirche vielleicht vom jüdischen Gotteshaus übernommen wurde. Zumindest haben sich Spuren der originalen Bausubstanz im Erdgeschoss des Kirchenschiffs erhalten. Über mehrere Jahrhunderte hinweg diente St. Salvator als Bühne für den kirchlich geschürten Antijudaismus. Ein Emporenumgang zeigte die "Heiltümer" mit dem angeblichen Hostienfrevel. Dieser wurde bis zum 19. Jahrhundert auch auf Tafelbildreihen dargestellt, die sich heute zum Teil im Passauer Oberhausmuseum befinden. Ein angeblich zum Durchstechen der Hostien verwendetes Messer wurde in eine prunkvolle Monstranz eingearbeitet. Seit März 2005 ist an der Salvatorkirche eine Gedenktafel zur Erinnerung an den Judenpogrom 1478 angebracht. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Passau vom Januar 1946 bis 1949 eine jüdische DP-Gemeinde, deren kulturelles Zentrum im requirierten Hotel Deutscher Kaiser (Bahnhofstraße 30) untergebracht war. Hier lag auch ein Betraum, über dessen Ausstattung leider nichts bekannt ist. Nach Auflösung der Gemeinde nutzten die in Passau verbliebenen DPs die Einrichtungen der IKG Straubing, und das Hotel wurde wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt.

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Ferdinand-Wagner-Straße 3 (St. Salvator) / Bahnhofstraße 30, 94034/-32 Passau

Literatur

  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 657.

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