geb. 05.02.1816, Kleinerdlingen
gest. 07.09.1878, Vicksburg (MS)
Wirkungsort: Baltimore | Philadelphia | Lousville
Baruch Hirsch Gotthelfs Familie hatte bereits seit mehreren Generationen das Amt des Vorsängers und Schochet (Schächter) in Kleinerdlingen inne. Er genoss eine entsprechend sorgfältige Ausbildung und setzte als junger Mann die Tradition fort. Wohl in Binswangen heiratete er 1839 Sophia geb. Landauer (1822-1917). Aus der Ehe gingen im Lauf der Jahre acht Kinder hervor. Um das Jahr 1840 wanderte Familie Gotthelf auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Dort anglisierte er seine Vornamen in "Bernhard Henry", lebte zunächst in Baltimore und wurde 1847 Rabbiner der neu gegründeten jüdischen Reformgemeinde "Keneseth Israel" in Philadelphia. Obwohl er nie an einer Jeschiwa studiert hatte gewann Gotthelf rasch an Ansehen. Bereits ein Jahr später berief man ihn als Kantor / Vorsänger (Chasan) und Schächter (Schochet) in die überwiegend deutschsprechende Gemeinde "Adath Israel" nach Lousville (Kentucky), wo er bald auch als Lehrer an der jüdischen Schule tätig wurde. Die Situation war jedoch schwierig, vor allem weil sich Schule als sehr ungenügend erwies. Am 17. Juli 1851 bat er daher den aus Westfalen gebürtigen Rabbiner in Philadelphia, Isaac Leeser (1806-1868), ihm den Unterrichtsplan und Lehrmaterialien seiner Kultusgemeinde zu schicken. Während des amerikanischen Bürgerkriegs (Sezessionskrieg 1861-1865) machte US-Präsident Abraham Lincoln ihn nach Jacob Fränkel (1808-1882) zum wohl zweiten offiziellen Militärrabbiner für die Armee der Nordstaaten. Dadurch bildete er das Gegenstück zu Maximilian Joseph Michelbacher (1810-1879), der ebenfalls aus Bayern stammte und die jüdischen Soldaten der Konföderierten betreute. Nach Kriegsende wurde Bernhard Henry Gotthelf ab 1866 zum Rabbiner der Gemeinde "Anshe Chesed" in Vicksburg (Missisippi) bestellt. Als im Jahr 1878 das Gelbfieber die Stadt erfasste, raffte sie auch Rabbiner Gotthelf hinweg. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof der Stadt begraben, wo sein Ehrengrabmal sowie die Gräber seiner Familie und Nachkommen bis heute zu finden sind. (nach Rolf Hofmann)