geboren: 05.07.1808,
Grünstadt (Bay. Rheinpfalz)
gestorben: 12.01.1887,
Philadelphia (PA)
Wirkungsort:
Grünstadt | Mainz | Philadelphia
Jacob Fränkel stammte aus einer angesehenen jüdischen Musikerfamilie in der damaligen bayerischen Rheinpfalz. Er wirkte bereits als Vorsänger in Grünstadt und Mainz, eher er in die USA auswanderte. In Philadelphia wurde Fränkel zunächst Vorsänger und dann Rabbiner der deutschsprachigen Reformgemeinde "Rodeph Shalom". Nachdem Präsident Lincoln am 17. Juli 1862 durchsetzen konnte, dass auch jüdische Feldgeistliche in der Nordstaatenarmee (Amerikanischer Sezessionskrieg 1861-1865) zugelassen wurden, überreichte er persönlich Rabbiner Fränkel am 18. September 1862 die Bestallungsurkunde zum erstem offiziellen US-Militärrabbiner. Schon bald stand ihm mit Baruch Hirsch Gotthelf (1816-1878) ein weiterer bayerischer Migrant zur Seite. Fränkel diente drei Jahre lang als Feldgeistlicher; nach dem Krieg betreute er weiterhin die Potomac-Armee, widmete aber wieder den Großteil seiner Zeit der Kultusgemeinde in Philadelphia. Für das jüdische Selbstbewusstsein der USA bleibt er bis heute eine bedeutsame historische Persönlichkeit.
Jacob Fränkel entstammte einer alteingesessenen und gebildeten jüdischen Musikerfamilie, die schon lange in der damals bayerischen Rheinpfalz lebte. Mit seinen zwei Brüdern unternahm er Konzertreisen, unter anderem ins benachbarte Elsass. Später wurde Fränkel der Vorsänger (Chasan) seiner Grünstadter Heimat-Synagoge, 1844 wechselte er kurzzeitig nach Mainz. Schließlich wanderte er in die USA aus, weil er in den deutschen Staaten keine erstrebenswerten Zukunftsaussichten für sich und seine Familie erkannte. Er wurde zunächst Vorsänger und dann Rabbiner der überwiegend deutschsprachigen Reformgemeinde "Rodeph Shalom" in Philadelphia, der Hauptstadt von Pennsylvania.
An der Frage der Sklaverei sowie weiteren unüberbrückbaren politischen Differenzen entzündete sich im Frühjahr 1861 der US-amerikanische Bürgerkrieg, auch Sezessionskrieg genannt. Die jüdische Bevölkerung in den Nordstaaten (Union) und Südstaaten (Konföderation) zeigte in diesem Konflikt keine einheitliche Haltung. Als zahlenmäßig schwächste Minderheit blieb sie entweder neutral oder übernahm die jeweils vorherrschende Meinung. Der Oberbefehlshaber der Unionsarmee, General Ulysses S. Grant (1822-1885) plante sogar die Deportation aller jüdischen Einwohner aus den frontnahen Grenzstaaten, was jedoch Präsident Lincoln (1809-1865) energisch verhinderte. Lincoln wollte die vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in einer geeinten Nation zusammenzuschmieden, weshalb ihm auch die Emanzipation der jüdischen Staatsbürger besonders am Herzen lag. Rund die 7000 Juden kämpften zudem in der Nordstaatenarmee. Bislang hatte die Regierung nur christliche Feldgeistliche zugelassen. Der Kongress folgte nun einem Vorschlag des Präsidenten und ermöglichte mit einer Gesetzesänderung am 17. Juli 1862 "die Bestallung von Brigadeseelsorgern der katholischen, protestantischen und jüdischen Religionen". Der erste offizielle Rabbiner im Dienst der US-Armee war Jacob Fränkel, der am 18. September 1862 seine Bestallung von Lincoln persönlich erhielt und die Verwundeten in den großen Militärhospitälern von Philadelphia betreute. Ihm stand schon bald Rabbiner Baruch Hirsch Gotthelf (1816-1878) zur Seite, der seinen Vornamen zu "Bernhard Henry" anglisiert hatte und ebenfalls aus Bayern stammte. Fränkel war das Gegenstück zu Maximilian Joseph Michelbacher (1810-1879), der ebenfalls aus Bayern stammte und die jüdischen Soldaten der Konföderierten betreute.
Jacob Fränkel war drei Jahre lang Feldgeistlicher. Der Bürgerkrieg endete mit dem Fall der Südstaaten-Hauptstadt Richmond am 9. April 1865. Am Ende hatten 600.000 Menschen ihr Leben verloren, zehntausende blieben an Leib und Seele verstümmelt. Präsident Lincoln hatte den Krieg zwar gewonnen, doch den tiefen Hass zwischen den beiden Landesteilen konnte er nicht mehr überwinden: Er wurde am 15. April 1865 durch die Kugeln eines fanatischen Südstaatlers ermordet. Fränkel diente weiterhin als Feldgeistlicher der Potomac-Armee, widmete aber die meiste Zeit seiner Gemeinde in Philadelphia. Für das jüdische Selbstbewusstsein der USA bleibt er bis heute eine bedeutsame historische Persönlichkeit. Auf dem monumentalen "Memorial Mosaic", das im Mount Sinai Memorial Park bei Los Angeles der jüdischen Geschichte der USA gewidmet ist, steht er direkt hinter Präsident Lincoln. 2014 widmete die Jewish-American Society ihm sowie weiteren vier Militärrabbinern aus dem Zweiten Weltkrieg eine Gedenkmedaille.
Bilder
Literatur
- Jonathan D. Sarna / Benjamin Shapell: Lincoln and the Jews. A History. New York 2015.
- Jacob Rader Marcus / Jeffrey S. Gurock (Hg): The American Rabbinate. A Century of Continuity and Change 1883-1983. Hobocken 1985.
Weiterführende Links
- Bethanne Kelly Patrick / Jennifer Brody / David B. Green: Jacob Frankel: US Army’s First Jewish Military Chaplain (Hunti
- Biografisches zu Jacob Fränkel (Museum im Alten Rathaus Grünstadt)
- Chaplains Rabbi Jacob Frankel 1808-1887 & Rabbi Alexander Goode 1911-1943 (Jewish American Hall of Fame - Engl.)
- Informationen zum Heritage Mosaic mit jacob Fränkel (Mount Sinai Memorial Park - Engl.)
Quellen
GND: nicht verfügbar