Biografien
Menschen aus Bayern

Maximilian Joseph Michelbacher Rabbiner in den USA, Militärrabbiner der Konföderation

geboren: 1810, Oettingen i.Bay.
gestorben: 26.01.1879, Richmond City (VA)

Wirkungsort: Bad Kreuznach | Philadelphia u.a. | Richmond City (VA)

Maximilian Joseph Michelbacher arbeitete zunächst als Lehrer und Handlungsvertreter im pfälzischen Kreuznach, bis er 1844 in die USA auswanderte. Dort wurde er Rabbiner der reformierten und deutschsprachigen "Beth Ahaba Congregation" in Richmond (Virginia). Trotz fehlender offizieller rabbinischer Ausbildung wurde er wegen seiner charismatischen Redekunst geschätzt. Während des US-Bürgerkriegs 1861-1864 betreute er als Militär-Oberrabiner der Südstaatenarmee die jüdischen Soldaten. Dadurch wurde er zum Gegenstück des Unionisten-Militärrabbiners Bernhard Henry Gotthelf (1816-1878), der von Präsident Lincoln eingesetzt wurde. Rabbiner Michelbacher verfasste das offizielle jüdische Kriegsgebet für die Konföderation und befürwortete auch die Sklaverei als gottgegebenes Recht. Ein Schlaganfall beendete 1868 seine Amtszeit. Rabbiner Michelbacher war zweimal verheiratet, mit Maria Rachel geb. Traub (1817-1849) und Miriam Angle (1832-1915), die Tochter des Gemeindevorstands von "Beth Ahaba". Aus beiden Ehen gingen insgesamt dreizehn Kinder hervor.

Maximilian Joseph war der Sohn des jüdischen Federnhändlers Jakob Nathan in Oettingen. Erst 1813 nahm die Familie nach der Einführung des Bayerischen Judenedikts den Nachnamen "Michelbacher" an. Maximilian verbrachte eine für das bayerische Landjudentum typische Jugend, ging in die öffentliche Volksschule (eine eigene Israelitische Elementarschule gab es erst ab 1824 im Ort) und besuchte den Religionsunterricht in der Synagoge. Um 1830 arbeitete Max Michelbacher als Lehrer, was auf eine höhere Bildung schließen lässt, später aber als Handlungsgehilfe eines Weinhändlers in Kreuznach (damals Teil der bayerischen Rheinpfalz). Da er für sich in Deutschland keine erstrebenswerten Zukunftsperspektiven sah, wanderte Michelbacher im Jahr 1844 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Zuerst ließ er sich in Philadelphia nieder, wo er 1845 Maria Rachel geb. Traub (1817-1849) heiratete, die ebenfalls aus Bayern stammte. Nach ihrem Tod heiratete Max Michelbacher in zweiter Ehe Miriam Angle (1832-1915). Aus beiden Ehen gingen insgesamt dreizehn Kinder hervor.

Auch in den USA arbeitete Maximilian Joseph Michelbacher an verschiedenen jüdischen Schulen als Lehrer, bis er 1846 von der jungen Reformgemeinde "Beth Ahaba Congregation" in Richmond (Virginia) zum Rabbiner gewählt wurde. Obwohl Michelbacher sicherlich an einer Jeschiwa studiert hatte, konnte er keine beglaubigte rabbinische Lehrerlaubnis vorweisen und sprach auch nur ein sehr rudimentäres Englisch. Weil sich die Gemeinde aber fast ausschließlich aus deutschen Migranten zusammensetzte, fiel dieses Manko nicht weiter ins Gewicht: Der neue "Reverend" machte sich als charismatischer Redner einen Namen und füllte das Amt zur allgemeinen Zufriedenheit aus. Im Jahr 1848 weihte er die neue Synagoge der Gemeinde ein, die heute noch steht, außerdem gründete er das renommierte "Richmond German, Hebrew, English Institute". Als seine Frau Mary im Wochenbett nach der Geburt des dritten Kindes starb, heiratete er 1850 mit Miriam Angle eine Tochter des Gemeindevorstands von Beth Ahabah, Myer Angle (1776-1872).

Während des US-Bürgerkriegs (Sezessionskrieg 1861-1864) trat Michelbacher für die Seelsorge der jüdischen Soldaten in der Südstaatenarmee ein. Er avancierte zum offiziellen Militär-Oberrabbiner der Konföderierten und bildete damit das Gegenstück zum ebenfalls aus Bayern stammenden Unionisten-Rabbiner Bernhard Henry Gotthelf (1816-1878). Er plädierte tatsächlich auch für die Beibehaltung der Sklaverei, die er als "gottgegeben" betrachtete. Er verfasste sogar ein offizielles Gebet für die Soldaten an der Front: "This once happy country is inflamed by the fury of war; a menacing enemy is arrayed / Against the rights, liberties, and freedom of this our / Confederacy…Our firesides are threatened; the foe is before us… Here I now stand with many sons / of the South, to face the foe, drive him back and / defend our natural rights" (Dieses einst so glückliche Land wird von der Flamme des Krieges verzehrt; ein schrecklicher Feind hat sich erhoben / gegen die Rechte, Privilegien und die Freiheit dieser unserer / Konföderation [...] unsere Linien sind bedrängt, der Feind steht vor uns [...] Hier nun stehe ich mit vielen Söhnen / des Südens, um dem Feind entgegenzustehen, ihn zurückzuwerfen und / unsere natürlichen Rechte zu verteidigen).

Nach einem Schlaganfall konnte Rabbiner Michelbacher ab 1868 nicht mehr als Rabbiner tätig sein. Er starb knapp zehn Jahre später. Die Zeit war einstweilen über ihn hinweggegangen: Die eingewanderten Jüdinnen und Juden in Nordamerika hatten sich vollkommen in ihrer neuen Heimat integriert, eigene Strukturen gebildet, sprachen Englisch als Muttersprache und hatten daher auch keinen Bedarf mehr an originär deutschen Rabbinern, deutschen Predigten und deutschen Gesangbüchern. Rabbiner Maximilian Joseph Michelbacher ruht auf dem Hebrew Cemetery in Richmond, sein Ehrengrab ziert ein Obelisk aus Granit. Auch seine beiden Ehefrauen sowie viele seiner Nachkommen sind auf diesem Friedhof begraben.


(nach Rolf Hofmann)

Literatur

  • Rolf Hofmann (Hg.): Begegnung mit bemerkenswerten Menschen. Lebensbilder jüdischer Persönlichkeiten von einst. Begleitheft zur Ausstellung im Rahmen der Rieser Kulturtage 2010. Deiningen 2010, S. 49.

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