Jüdisches Leben
in Bayern

Spalt Gemeinde

In Spalt hat es zwar nie eine jüdische Gemeinde gegeben, trotzdem spielt die bekannte Hopfen-Stadt in der jüdischen Geschichte Frankens eine Rolle. So erinnert das Steinrelief einer "Judensau" an die judenfeindliche Politik des Hochstifts Eichstätt im Späten Mittelalter. Der Wallfahrtsort Heiligblut (heute ein Gemeindeteil von Spalt) entstand durch einen angeblichen Hostienfrevel. Ein "Judenweg" zwischen Windsbach und dem jüdischen Friedhof in Georgensgmünd führte am Gebiet des bischöflichen Kastenamts Spalt vorbei. Im 19. Jahrhundert wurde der für Spalt charakteristische Hopfenhandel vor allem durch jüdische Firmen abgewickelt, die den Hopfen landesweit handelten und über die Großmärkte von Nürnberg und Bamberg exportierten.

Seit 1314 gehörte Spalt mit seinen Zugehörungen dem Fürstbischof von Eichstätt, spätestens 1366 folgte die Erhebung zur Stadt. Das Hochstift richtete in Spalt ein Kastenamt ein und bestimmte bis zur Säkularisation 1803 die Politik der Stadt. Wohl aus dem frühen 15. Jahrhundert stammt das Relief einer "Judensau", das ursprünglich an der Bibliothek des Spalter Kollegiatstifts St. Emmeram angebracht war. Vielleicht hängt seine Entstehung auch mit einem allgemeinen Ausweisungsbefehl aller Juden aus dem Hochstift Eichstätt im Jahr 1445 zusammen, von dem auch das Kastenamt Spalt betroffen war. Der Steinquader wurde später aus unbekannten Gründen an ein klostereigenes (Kanoniker-)Haus in der Altstadt versetzt, wo er sich noch heute befindet (ehem. Herrengasse 146, heute Stiftsgasse 12).

Das stark verwitterte Steinrelief zeigt einen Juden mit spitzen "Judenhut", der unter einer Sau liegt und an einer ihrer Zitzen saugt, während er ein Vorderbein der Sau hochdrückt. Es wurde bei einer Hausrenovierung 1969 verputzt, konnte aber wieder freigelegt werden. Heute ist die judenfeindliche Darstellung unter der Nr. 20 ein Haltepunkt im "Spalter Geschichtsweg" durch die Stadt Spalt, den die Kommune zusammen mit dem Heimatverein Spalter Land e.V. angelegt hat. Eine Informationstafel stellt die "Judensau" in einen knappen soziohistorischen Kontext.

Zur Stadt Spalt gehört als Gemeindeteil auch das Dorf Heiligenblut, das ursprünglich auf fränkisch "Wolfrad" hieß. Wohl als volkstümliche Begründung für die "Ausschaffung" der Juden aus dem Hochstift Eichstätt 1445 entstand die Legende um einen angeblichen jüdischen Hostienfrevel, der dem üblichen Erzählmuster folgt:

Im Jahre 1445 soll ein reicher Jude einem armen Holzhacker dafür bezahlt haben, Hostien aus der Kirche des Örtchens Stirn zu stehlen. Die Hostien werden mit Nadelstichen geschändet, worauf sie anfangen zu bluten. Die Sache fliegt auf, der Holzhacker wird enthauptet, der Jude aber konvertiert in Spalt zum Christentum. Unmittelbar vor seiner Taufe fährt der Blitz in die Pfarrkirche St. Nikolaus und erschlägt den Juden vor dem Taufbecken...

Die Wallfahrt bekam einen regen Zulauf aus der ganzen Region. Ab 1703 übernahmen Franziskaner aus Thüringen die Betreuung der Wallfahrt und errichteten eine Niederlassung. Zuerst ein Missionsposten (Hospiz), ab 1742 Konvent, wurde sie 1808 im Zuge der Säkularisation wieder aufgelöst und die Klosterkirche mit der Bluthostie abgetragen. In der Nähe der einstigen Wallfahrt wurde 1951 von Gottfried Meyer, Stadtpfarrer von Spalt, eine neue Hl.-Blut-Kapelle errichtet. Wo ehemals das Kloster stand, hat heute ein Hopfenbauer seinen Hof und seine Felder. Auch die Wallfahrt wurde in den 1980er Jahren unter anderen Gesichtspunkten wiederbelebt, wobei die jährliche Veranstaltung für Kontroversen zwischen Historikern, Kirchenleuten, Anwohnern und nicht zuletzt der jüdischen Community sorgt.


(Patrick Charell)

Bilder

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Gemeinde Georgensgmünd / Stadt Pappenheim / Markt Thalmässing (Hg.): TACHLES - Spuren jüdischen Lebens im südlichen Mittelfranken, S.L. 2021, S. 29.
  • Lilian Harlander / Bernhard Purin: "Wegen der israelitischen Feiertage geschah gestern und heute im Hopfengeschäft nichts...". Über jüdische Hopfenhändler in Bayern. In: Lilian Harlander / Bernhard Purin / Jüdisches Museum München (Hg.), AK Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten, München 2016, S. 53-70.
  • Hermann Rusam: "Judensau"-Darstellungen in der plastischen Kunst Bayerns. In: Begegnungen. Organ des Evangelisch-Lutherischen Zentralvereins für Begegnung von Christen und Juden (März 2007), S. 28.
  • Kommission für Bayerische Landesgeschichte / Friedrich Eigler (Hg.): Historischer Atlas von Bayern, Reihe I, Hft. 28: Lkrs. Schwabach. München 1990, S. 88-117.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 179.
  • Johann Kaspar Bundschuh (Hg.): Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken [...], Bd. 1. Ulm 1799, Sp. 358 u. 547f.