Spalt, Heiligenblut


 

GESCHICHTE

Zum Heiligenblut bei Spalt ? eine blühende Wallfahrt aus düsterem Ursprung

Der Legende nach entstand die Wallfahrt Heiligenblut bei Spalt aufgrund eines angeblichen Hostienfrevels, wie er bis in das Spätmittelalter in zahlreichen zeitgenössischen Beispielen behauptet wurde. Diese Überlieferungen sind als Ausfluss antijüdischer Haltungen ihrer Zeit zu sehen. Im Fall von Spalt ist die Beteiligung eines christlichen Mittäters außergewöhnlich: Als ein Holzhacker aus Unterbreitenlohe einem Juden Geld schuldete und nicht zahlen konnte, forderte dieser anstatt der Bezahlung eine geweihte Hostie. Der Handwerker verübte den Raub in der Pfarrkirche von Stirn. Bei der Übergabe der Hostie an den Juden kamen Zweifel auf, ob die Oblate geweiht sei. Zum Beweis legte sie der Holzhacker auf einen Holzstock und durchstach sie dreimal mit einem Messer. Da traten bei jedem Stich Blutstropfen aus der Hostie aus. Die beiden erschraken zutiefst und warfen die Hostie in einen hohlen Baumstrunk. Die Tat wurde aufgedeckt, der Holzhacker zum Tode verurteilt, der Jude aber verschont, weil er versprach, zum katholischen Glauben überzutreten. Noch bevor er getauft werden konnte, traf ihn jedoch der Schlag. Über dem Baumstrunk mit der Hostie wurde eine Martersäule errichtet. Man nannte den Ort von nun an ?Zum Heiligen Blut?. Seit dem Jahr 1444 kamen die Wallfahrer immer zahlreicher und es sollen sich auch wundersame Heilungen an dieser Stelle ereignet haben. Bald schon wurde eine Kapelle errichtet.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte die Wallfahrt in einer Zeit neu erblühender katholischer Volksfrömmigkeit einen enormen Aufschwung. Von Spalt aus wurden Prozessionen veranstaltet und ein Weg mit sieben Säulen zu Ehren der sieben Blutvergießungen Christi errichtet. Ein erster Klausner namens Georg Polz ließ sich im Jahr 1667 bei der Wallfahrtskapelle nieder. Mit Erlaubnis des Fürstbischofs von Eichstätt lebte er dort über 30 Jahre, wurde von den Wallfahrern mit Lebensmitteln versorgt und erhielt aus dem Opferstock der Kapelle ein Almosen. 1672 verlieh Papst Clemens X. für das Kreuzauffindungsfest einen vollkommenen Ablass für Heiligenblut. Da die Gläubigen der Gegend ihr Geld vor allem der Wallfahrt Heiligblut spendeten, beklagte sich der Pfarrer von Spalt beim Eichstätter Bischof und erhielt fortan ein Drittel der Einkünfte. Der Spalter Stiftsherr Oberndorfer ließ 1697 die alte, baufällig gewordene Kapelle aus eigenen Mitteln erneuern und einen Altar aus der Spalter Stiftskirche dort aufstellen. Auch die Einsiedelei wurde um 1700 gründlich renoviert. Dem zweiten Eremiten Jörg Schmitt gelang es dann mit Unterstützung von Pater Pius Schreiber, dem Vikar des Klosters Schillingsfürst, in Heiligenblut eine Missionsstation der Franziskaner zu errichten. Der Einsiedler besuchte das Noviziat in Limburg und kehrte als Pater Emmeram zur Wallfahrtsstätte zurück. Währenddessen hatte Pater Pius zusammen mit zwei weiteren Mönchen die Anlage tatkräftig mit Küche, Gastzimmer und Wirtschaftsgarten ausgebaut. 1703 wurde das Hospiz der Franziskaner eingerichtet. Jedoch erst drei Jahre später erteilte der Eichstätter Bischof auch die förmliche Genehmigung, da umliegende Ordensniederlassungen und Pfarreien (die Dominikaner in Eichstätt, die Franziskaner in Ellingen, die Pfarrei Hagsbronn bei Spalt u. a.) um ihre Kollekten fürchteten. Schon weit über 10000 Kommunikanten registrierte die Klosterstatistik in dieser Zeit.

Die Wallfahrt erhielt immer größeren Zulauf. 1715 wurde in Heiligenblut die Barbara-Bruderschaft zur Erlangung einer guten Sterbestunde eingeführt. Die Kapelle musste vergrößert werden; 1720 weihte der Eichstätter Weihbischof Johann Adam von Nieberlein die neue Kirche mit drei Altären ein. Die Kosten für den Bau konnten durch Spenden aus dem Volk und Klerus aufgebracht werden. Für die Wallfahrer wurde in unmittelbarer Nähe ein Gasthaus errichtet. Nachdem aber die Zahl der Priester und Fratres weiter vermehrt werden musste, ? ?denn man wurde mit dem Beichtstuhl nicht mehr fertig? ? (1720 zählte man 14000 beichtende Wallfahrer!) brauchte man auch größere Konventgebäude. Ab 1721 entstand eine zweiflügelige Anlage. In diesen Jahren gab es immer wieder Proteste der markgräflich ansbachischen Regierung gegen das Kloster und die Wallfahrten. Denn die Franziskaner in Heiligenblut waren allseits von lutherischen Gemeinden umgeben. Aber das Pfarramt Spalt konnte nachweisen, dass das Kloster auf Eichstätter und nicht auf Ansbacher Grund lag und die Wallfahrer kein lutherisches Dorf berührten.

Mit Zustimmung des Eichstätter Fürstbischofs Johann Anton von Freiberg wurde das bisherige Hospiz Heiligenblut schließlich 1742 in einen Konvent umgewandelt. Das Kloster erhielt den Titel ?ad Sanctam Crucem? ? ?Zum Heiligen Kreuz?. 13 Franziskaner lebten damals in Heiligenblut. Die Wallfahrt lockte Pilger von nah und fern, sodass der Klosterwirt zeitweilig an einem Tag bis zu 5000 Menschen aus seiner Bäckerei und Brauerei zu versorgen hatte. Um diese Zeit konnte auch der Reliquienschatz beträchtlich vermehrt werden: Ein Neuburger Hofrat schenkte ?den Leib des hl. Märtyrers Severin?, ein Domdekan ?einen Partikel vom hl. Blut Jesu?, Kloster Plankstetten trat einen Kreuzpartikel ab, ebenso der Fürstabt von Fulda. Wieder protestierte die Spalter Pfarrei, die um ihre Einnahmen fürchtete ? aber vergeblich. Auch interne Streitigkeiten kamen während der größten Blütezeit des Klosters auf. Es brach ein ?Bruderkrieg? zwischen ?Inländern? (Fratres aus der näheren Umgebung) und ?Ausländern? (von weiterher Zugezogenen) aus, den der Bischof schlichten musste. Kurz darauf erfolgte von Staats wegen die Auflösung des Klosters.

1806 hat man das Kreuzauffindungs- und Annafest zum letzten Mal in Heiligenblut gefeiert, dann war das Ende des Wallfahrtsortes besiegelt. Das katholisch-religiöse Leben wurde heftig gebremst. Unter Truppenaufgebot und bei Festnahme der Teilnehmer wurden die Wallfahrten allerorts eingeschränkt, auch die nach Heiligenblut. 1808 musste die Kirche geschlossen werden. 1818 hat man sie vollständig abgerissen. Einige Patres kamen im Pfarrdienst unter; jeder von ihnen nahm einen alten Bruder zu sich. Das Kloster wurde nach und nach verkauft. Über 600 Morgen gehörten zum Besitz. Die beachtliche Bücherei hat man der Regierungsbibliothek in Ansbach einverleibt. In der Nähe der einstigen Wallfahrt wurde 1951 von Gottfried Meyer, Stadtpfarrer von Spalt, eine neue Hl.-Blut-Kapelle errichtet. Wo ehemals das Kloster stand, hat heute ein Hopfenbauer seinen Hof und seine Felder.

(Christine Riedl-Valder)



 

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