Jahrhundertelang wurde der größere Teil des zentralen Viehmarkts in der Altstadt von Pfaffenhofen a. d. Ilm traditionell als "Judengasse" bezeichnet. Es gibt jedoch bislang keinen Beleg für jüdisches Leben in der Stadt vor der Neuzeit. Die Judengasse wird - vergleichbar mit der Situation in Babenhausen - der Handelsplatz reisender jüdischer Viehhändler gewesen sein, die in den anliegenden Gaststätten ihr Geschäft betrieben. Erst ab 1867 sind wenige jüdische Bewohner nachgewiesen, die wohl schon um 1900, spätestens aber von 1927 bis 1938 der IKG Ingolstadt angehörten. In der NS-Diktatur wurde die Judengasse in eine neue "Löwenstraße" eingegliedert, seit 2020 erinnert eine zusätzliche Hinweistafel an den alten Namen.
Bevölkerung 1910
Literatur
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 28.
- Heinrich Streidl / Franz Rutsch: 550 Jahre Stadt Pfaffenhofen a.d.Ilm. Pfaffenhofen 1988, S. 202.
