Jüdisches Leben
in Bayern

Ingolstadt Gemeinde

Eine Urkunde von Herzog Ludwig von 1312 ist der erste urkundliche Nachweis für Juden in Ingolstadt. Hier wurden ortansässige Juden bezüglich Schuldnern auf dem Land den Ingolstädter Bürgern gleichgestellt. Urkunden von 1316 und 1340 regelten die Rechtsstellung der in Ingolstadt ansässigen Juden. Ludwig der Bayer übte als Herzog, König und Kaiser eine Schutzfunktion aus. Trotzdem waren die Juden vom Pestpogrom 1349 betroffen.

Unter Herzog Stephan III. (1337-1413) wurde zunächst die wirtschaftliche Stellung der Juden zu den Ingolstädter Bürgern stark geschwächt. In der Folge der Vertreibung aus vielen Städten Frankens und Schwabens mussten 1384 die jüdischen Familien Ingolstadt verlassen.

Eine Wiederansiedelung wenige Jahrzehnte später war immer nur auf kurze Zeit befristet. 1450 konfiszierte Herzog Ludwig IX. (1417-1479) zur Deckung seiner Schulden den Besitz der jüdischen Familien in Ingolstadt. Sie mussten innerhalb von drei Tagen das Herzogtum Bayern-Landshut-Ingolstadt verlassen.

Erst nach der Möglichkeit zur freien Niederlassung nach 1861 stieg in Ingolstadt die Zahle der Gemeindemitglieder langsam an. 1892 wurde die Israelitische Kultusgemeinde Ingolstadt gegründet. Bereits seit dem Beginn der 1920er Jahre sah sich die Gemeinde den Angriffen der NSDAP-Ortsgruppe und deren Presseorganen ausgesetzt. Die Veröffentlichung eines „Ingolstädter Judenspiegels“ 1931 in eines NS-Zeitung nannte alle persönlichen Daten der in Ingolstadt ansässigen Juden. Proteste gegen diese öffentliche Anprangerung wiegelte der Ingolstädter Oberbürgermeister ab.

1933 wurden mindestens fünf Juden inhaftiert und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Repressionen und Ausgrenzung veranlassten in den nächsten Jahren viele jüdische Familien zum Wegzug. Der Novemberpogrom 1938 mit seiner Zerstörung von Wohnungen und Geschäften bedeutete die Vertreibung der verbliebenen Gemeindemitglieder. 

Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas: Ingolstadt. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine.... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, 351-359.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 2.