1657 werden erstmals im "Euerbacher Gült- und Zins- und Schatzungsbuch" Juden in "Oppach" erwähnt, die alljährlich fünf Gulden für die Benutzung des Friedhofs zu entrichten hatten. 15 Jahre später bestätigte Adam Ulrich von Steinau 1672 den Verkauf des Euerbacher Friedhofs für zehn Gulden an die vereinigten Gemeinden von Obbach, Euerbach, Niederwerrn und Westheim. Wie schon 1657 hatten die Obbacher außerdem jährlich fünf Gulden an die Herren von Steinau zu entrichten. Dazu kamen je nach Alter abgestufte Gebühren, die zusätzlich bei jedem Begräbnis anfielen.
1680 verbot die Obbacher Kirchenordnung, dass die jüdischen Frauen an Sonntagen und christlichen Feiertagen ihre Häuser mit einem Strickstrumpf verließen. Auch sämtliche anderen Handlungen waren den Obbacher Juden an diesen Tagen verboten. Seit 1708 untersagte die von der Dorfherrin Sophie Amalie von Bobenhausen erlassene Kirchenordnung erneut den Juden jeglichen Handel, vor allem mit Wein und Vieh, an den Sonn- und Feiertagen und sah für jeden Verstoß einen Gulden Strafe vor. Verboten war an diesen Tagen auch das Pflücken von Obst, das mit einem halben Gulden Strafe sanktioniert wurde.
Ende des 18. Jahrhunderts kam es zwischen den Distriktsvorgängern im Bezirk Niederwernn und den Schutzjuden der Freiherren zu Bobenhausen und dem Dorfherrn zu zahlreichen Konflikten. Beispielsweise hatte 1795 der Obbacher Jude Hohna bei einem Viehhandel angeblich den Euerbacher Juden Samson übervorteilt und wurde daraufhin vom Distriktsvorgänger Hirsch Nihm vorgeladen. Bobenhausen intervenierte zugunsten Hohnas und betonte später, dass seine Schutzjuden generell lieber dem Heidingsfelder Ortsrabbiner als Hirsch Nihm unterstellt wären, da letzterer den Bobenhausener Schutzjuden bewusst schaden wolle.
1801 berichtete das "Geographisch-Statistisch-Topographische Lexikon von Franken", dass in Obbach 30 jüdische Familien überwiegend in zwei den Freiherren von Bobenhausen gehörenden Gebäuden lebten. In diesem Jahr gründeten die jüdischen Obbacher auch einen Wohltätigkeitsverein. 1803 lebten in Obbach 40 Schutzjuden der Freiherren von Bobehausen mit ihren Familien. Rund zehn Jahre später waren insgesamt 149 Jüdinnen und Juden im Ort ansässig. Als sich die jüdischen Obbacher 1817 in die bayerische Judenmatrikel eintrugen, erfassten die Behörden 43 jüdische Haushalte, von denen einige jedoch ohne Matrikelplatz blieben. Nachdem 1813 die Familie von Bobenhausen das Schlossgut den Freiherren zu Rhein verkauft hatte, war für Rechtsangelegenheiten zuerst das Rhien'sche Patrimonalgericht und ab 1823 das königl. bay. Landgericht Werneck zuständig. Laut dem von 1804 bis 1862 geführten Oberwerrner Vieh-Protokoll-Buch" betrieben in diesem Zeitraum 22 Obbacher Juden Viehhandel. Der Unterricht in der 1820 gegründeten jüdischen Elementarschule fand rund eineinhalb Jahrzehnte in einem angemieteten Klassenzimmer statt. Nach anfänglich raschen Lehrerwechseln übte Lucas Treu das Amt von 1825 bis 1835 aus. Bereits Ende der 1820er Jahre hatte der Lokalschulinspektor den Zustand des Schulraums, in dem 74 jüdische Kinder unterrichtet wurden, als mangelhaft bezeichnet und den Bau eines Schulhauses angemahnt. Diese Forderung wurde 1836 umgesetzt, als auf einem Gartenstück der jüdischen Gemeinde ein Schulhaus mit Lehrerwohnung errichtet wurde. Rund 50 Jahrzehnte später wurde das Gebäude 1888 aufgestockt. In den 1840er Jahren wechselten sich die Lehrer Samuel Gerstle und Meier Frank ab. Ein mehrjähriger Konflikt zwischen Gerstle und dem Würzburger Oberrabbinat bahnte sich 1837 an, als dem Lehrer wegen des angeblichen Genusses von unkoscherem Alkohol die Erlaubnis verweigert wurde, in Obbach auch als Schächter tätig zu werden. Erst nachdem der Distriktsrabbiner Meier Leberecht Gerstle im Sommer 1840 ein Zeugnis über dessen einwandfreies "religiöses und sittliches Betragen" ausgestellt hatte, wurde dem Lehrer vom Oberrabbinat im April 1841 offiziell erlaubt, in Obbach zu unterrichten.
Während Elias Eldod und Juda Löw Lissauer jeweils nur einige Jahre in Obbach als Lehrer tätig waren, unterrichtete Joseph Grünebaum dort von 1859 bis 1872. 20 Jahre später trat der spätere Oberlehrer Nathan Blatt 1892 seinen Dienst in Obbach an, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1930 lehrte. In der Zeitschrift "Der Israelit" plädierte Blatt 1900 dafür, dass sich die jüdischen Lehrer wie ihre christlichen Kollegen mit Landwirtschaft und Gartenbau beschäftigen sollten. Blatt engagierte sich auch überregional und wirkte ab 1912 mehr als zehn Jahre in der Verwaltung des "Jüdischen Lehrervereins für Bayern" mit. 1930 wurde er zum ersten Ehrenbürger Obbachs ernannt. Die Gemeinde Obbach war 1840 kurzzeitig Sitz eines Distriktsrabbinates. Nachdem die Gemeinde Niederwerrn jedoch bereit war, zur Finanzierung des Distriktsrabbinatsfonds 30 Jahre lang pro Jahr von jedem Familienhaupt 1/2 Gulden abzuführen, wenn der Rabbinatssitz nach Niederwerrn verlegt würde, gab die Königliche Regierung dem zugleich günstiger gelegenen Niederwerrn den Vorzug. Seitdem gehörte Obbach zum Distriktsrabbinat Niederwerrn, nach dessen erneuter Verlegung 1864 zum Distriktsrabbinat in Schweinfurt. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof Euerbach beigesetzt.
Zu den erfolgreichen Obbacher Familien gehörte die Frankenburgers. Während der 1821 verstorbene Hona Benjamin Frankenburger die Finanzen des Dorfherrn Freiherr Friedrich Wilhelm von Bobenhausen verwaltet hatte, überlebte sein als Bankier tätiger Enkel Abraham Frankenburger zwei von Bauern verübte Mordversuche. Wolf Frankenburger eröffnete nach seinem Jurastudium eine Rechtsanwaltskanzlei in Nürnberg und gehörte von 1869 bis 1889 dem Bayerischen Landtag an. Dort vertrat er von 1874 bis 1878 die zentralistisch ausgerichtete "Deutsche Fortschrittspartei" und setzte sich für das Recht der Gewissensfreiheit ein.
Das Zusammenleben zwischen jüdischen und christlichen Obbachern führte beispielsweise dazu, dass der lokale Dialekt zahlreiche Ausdrücke aus dem Jiddischen übernahm. Anekdoten, die der Obbacher Max Hutter überlieferte, belegen ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Integriert waren die Obbacher Juden auch in das Gemeindeleben des Dorfs: 1869 gehörten acht der 51 Gründungsmitglieder der Freiwilligen Feuerwehr der jüdischen Gemeinde an.
Jüdische Obbacher ließen sich häufig in der am nördlichen Rand des Schlossguts gelegenen Straße nieder. Dort befanden sich Anfang des 20. Jahrhundert auch die Metzgerei Abraham Fleischmanns, der Eisenhandel David Blumenthals, das Bekleidungs- und Schuhgeschäft von Michael Schloß und der von Hieronymus Blank betriebene Kolonialwarenhandel.
Für das Vertrauensverhältnis zwischen jüdischen und christlichen Obbachern spricht, dass der Dorfarzt bis etwa 1920 jüdischen Glaubens war. Nachdem Isidor Fleischmann und Max Sommer im Ersten Weltkrieg gefallen waren, ließ der lokale Kriegerverein, dessen Vorstand Nathan Blatt und David Blumenthal gehörten, auch die Namen der beiden jüdischen Kriegstoten auf dem 1926 errichteten Gefallenendenkmal festhalten. Kurz nach der Errichtung des Kriegerdenkmals finden sich allerdings antisemitische Töne in der 1927 vom Obbacher Lehrer Eduard Röß verfassten Dorfchronik, die auch die jüdische Beteiligung an der Gründung der freiwilligen Feuerwehr und der Siegesfeier 1871 verschwieg. Nachdem 1929 die jüdische Volksschule wegen Schülermangels geschlossen wurde, besuchten die jüdischen Schulkinder die christliche Volksschule in Obbach. Den jüdischen Religionsunterricht im Dorf erteilte bis zu seinem Wechsel nach Prichsenstadt im Jahr 1935 Alfred Grünbaum, der Nachfolger Nathan Blatts.
Wegen der Zuwendungen des Schweinfurter Industriellen Georg Schäfer und der dort stattfindenden Veranstaltungen entwickelte sich Obbach zu einer gut besuchten Anlaufstelle für die regionalen NS-Funktionäre.
Um die Mittagszeit des 10. November 1938 wurden rund 15 Juden aus Obbach von SA-Männern in ein winziges Waschhaus gesperrt. Dabei blieb es nicht: Am Nachmittag wurden neun jüdische Männer im Obbacher Rathaus misshandelt, nach Schweinfurt gebracht und dort in der Stadthalle festgehalten. Zu den Obbachern, die anschließend in das Konzentrationslager Dachau gebracht wurden, gehörte auch Max Ramsfelder, der im Frühjahr 1940 in die USA emigrierte. Abends setzten SA-Männer aus Obbach und anderen Orten das Pogrom fort und verwüsteten die Wohnungen der Obbacher Juden, deren Mobiliar sie zum Teil verbrannten. Die Gelegenheit nutzten einige Dorfbewohner, um jüdisches Eigentum wie noch brauchbare Einrichtungsgegenstände, Getreide und Geld an sich zu bringen. Die Häuser der emigrierten Obbacher Juden wurden teils unter anderem an die Schweinfurter Industriellen Georg und Otto Schäfer verkauft, teils abgerissen.
Am 7. Februar 1942 lebten laut einer Erhebung der Gestapo-Außendienststelle Würzburg in Obbach und Euerbach noch 40 Juden. 30 von ihnen wurden Ende April 1942 nach Würzburg gebracht und am 25. April in das Durchgangslager Krasniczyn deportiert, wo alle ermordet wurden. Der Deportation vom 9. November 1942 fielen fünf Obbacher Juden zum Opfer.
Bei einem Prozess vor dem Landgericht Schweinfurt wurden sieben Personen freigesprochen, die an den Obbacher Novemberpogromen beteiligt waren. Fünf Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen sechs und 18 Monaten verurteilt.
Zu den wenigen Deportierten, die nach Kriegsende wieder in ihre Heimat zurückkehrten, gehörte der 1904 geborene und 1964 verstorbene Siegfried Ramsfelder, der sich 1945 allerdings nicht in Obbach, sondern in Würzburg niederließ. Von 1956 bis 1958 war er Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde und emigrierte anschließend in die USA. 1981 drehte der Fernsehjournalist über Ramsfelders Leben den Dokumentarfilm "Die enthemmte Bürokratie". Bereits in den 1960er Jahren begann die Aufarbeitung der Geschichte der Obbacher Juden. Das ehem. Schlachthaus und das Schulhaus sind erhalten. Gegenüber dem Standort der Synagoge hängt eine Gedenk- und Informationstafel (Gegenüber Greßtaler Straße 5).
(Stefan W. Römmelt)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Gerhard Gronauer / Johannes Sander: Obbach mit Euerbach, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1444-1465.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 241.
