Jüdisches Leben
in Bayern

Kützberg Gemeinde

Für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist eine jüdische Gemeinde in Kützberg (heute ein Ortsteil von Poppenhausen) zu vermuten, da für die Zeit um 1777 schon die Einrichtung eines "Bethzimmers" überliefert ist. Für 1803 wird berichtet, dass sechs jüdische Familien im Ort lebten. Seit 1806 gehörte der Ort zum Großherzogtum Würzburg. Bei der Einberufung zum Militärdienst wurde 1813 ein David Süßmann aus Kützberg aufgefordert, sich innerhalb von vier Wochen zum Dienst zu melden, so die Anzeige im Würzburger Intelligenzblatt vom Februar 1813. In der 1817 erstellten Matrikelliste ist allerdings eine Familie Süßmann nicht zu finden.

In dieser Aufstellung werden sechs jüdische Familien aufgeführt. Mayer Löb Lack war Viehhändler und Schlachter und mit Reiz Lack verheiratet. Oscher David Rund war Schmuser und hatte mit seiner Frau Behla drei minderjährige Töchter. Auch Joachim David Rund war Schmuser und mit Terz Rund verheiratet. Getsch Löb Lack war Viehhändler und Schmuser und hatte mit seiner Frau vier minderjährige Töchter. Josel oder Joseph Löb Lack war Viehhändler und mit Jitla Lack verheiratet. 1833 erhielt noch Joseph Abraham Rug, ein Schmuser, mit seiner Frau Fradel eine Matrikelstelle. Weitere gebürtige Kützberger waren der Viehhändler Abraham Löb Bildstein und seine Frau Rahel Lämmlein, die 1809 einen Schutzbrief in Obbach erhielten und 1817 in der dortigen Matrikelliste aufgeführt werden. Diese kleine jüdische Gemeinde dürfte um die zwanzig Personen umfasst haben. Aufgrund dieser geringen Zahl war es der Gemeinde sicher nicht möglich, einen eigenen Lehrer zu beschäftigen. Aufgrund der Bayerischen Judenedikts von 1813 war die Gemeinde auch für einen offiziellen Synagogenbau zu klein. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Euerbach bestattet.

Bei der politischen Diskussion um die Emanzipation der jüdischen Mitbürger in Bayern gab aus Kützberg eine ablehnende Meinungsäußerung dazu, die an die Kammer der Reichsräte geschickt wurde. Die Aschaffenburger Zeitung berichtete von über hundert Petionen aus dem unterfränkischen Raum gegen die Emanzipationsbestrebungen. Trotzdem wurde 1861 endlich auch den jüdischen Familien die freie Wahl des Wohnorts zugestanden. Im Jahr 1855 wurde die ledige Dienstmagd Theresia Rund aus Kützberg vor dem Kreisgericht Würzburg wegen Diebstahls angeklagt und zu einer zweijährigen Arbeitshausstrafe verurteilt. Eventuell war sie ein Mitglied einer der beiden Familien Rund, die in der Matrikelaufstellen genannt werden. Fradel Rug, die Ehefrau von Joseph Abraham Rug starb verwitwet 1860. Sie war inzwischen nach Obbach gezogen. Eine jüdische Gemeinde hat es zu dieser Zeit nicht mehr gegeben. 1875 zählte in Kützberg bei 507 Einwohner noch drei Personen jüdischen Glaubens, die bis 1910 endgültig verzogen bzw. verstorben waren.

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 244 u. 250
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 90.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 188.