Großlangheim war jahrhundertelang zwischen verschiedenen Herrschaften aufgeteilt. Juden sind erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweisbar: 1562 gehörte ein Jude namens Jakob zu den Schutzjuden des Deutschen Ordens, und 1572 taucht möglicherweise derselbe Jude in einer Schuldverschreibung auf, die im Fürstlich Castell'schen Archiv überliefert ist. Erst 1643 folgt der nächste Nachweis, dann wieder 1675. In einem Bericht der fürstbischöflichen Administration wird der mittellose Schutzjude Simon erwähnt. Weitere zwei Schutzjuden unterstanden dem Deutschen Orden und dem Markgrafen von Brandenburg-Ansbach.
1699 war die jüdische Gemeinde in Großlangheim laut einer vom Hochstift Würzburg durchgeführten Schutzjudenerhebung auf sieben Haushalte mit insgesamt 34 Personen gewachsen, von denen 15 Juden unter brandenburgisch-ansbachischem und 19 unter schwarzenbergischem Schutz standen. Wie viele brandenburgisch-ansbachische Schutzjuden in Großlangheim nach 1700 lebten, lässt sich nicht nachweisen. Die Zahl der Schwarzenberg'ischen Schutzjuden sank kurz nach 1700 erheblich: 1704 wurde nur einer und für die Jahre 1720 und 1736 die drei Hausväter Abraham, Leser und Feistlein genannt, von denen aber nur Abraham und Leser über ein nennenswertes Vermögen verfügten. Zu dieser Zeit waren die Großlangheimer Schutzjuden die ärmsten in der ganzen Landjudenschaft. Im Gegensatz zu den Schwarzenberg'ischen Schutzjuden stieg der Zahl von jenen des Hochstifts Würzburg in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts deutlich an: Waren es 1731 in Großlangheim vier Familien, stieg die Zahl bis 1746 auf sechs und 1763 auf sieben sieben.
Nach dem Ende des Hochstifts Würzburg und der Mediatisierung der Grafschaft Schwarzenberg fiel Großlangheim zuerst an Kurbayern und dann an das kurzlebige Großherzogtum Würzburg. In dieser Umbruchszeit lebten fünf vormals schwarzenbergische und wahrscheinlich sechs ehemals würzburgische Schutzjuden im Ort. 1809 unterrichtete laut einem Bericht des Landgerichts Kitzingen ein ungenannter jüdischer Lehrer, der auch als Schächter und Beschneider tätig war, in Großlangheim zehn jüdische Schulkinder. Er lebte mit seiner Familie auf engstem Raum in einer angemieteten Wohnung, deren Wohnzimmer auch als Schulzimmer diente. Angesichts der beengten Verhältnisse plädierte das Landgericht nicht nur für eine genaue Festlegung des Zeitraums der Schulpflicht und eine Erweiterung des Fächerkanons um die deutsche Schrift und um das Rechnen, sondern auch für den Bau einer Synagoge mit Schulzimmer und Lehrerwohnung. Bauplatz und Bauholz für das vorgeschlagene Mehrzweckgebäude sollte die Gemeinde Großlangheim beisteuern. Als Großlangheim 1814 nach dem Untergang des Großherzogtums Würzburg das zweite Mal und nun endgültig an Bayern fiel, war die jüdische Gemeinde bereits auf 14 Familien mit 69 Personen angewachsen. Die Gemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Mainbernheim, später Kitzingen. Die Toten der Gemeinde wurde auf dem jüdischen Friedhof in Rödelsee beigesetzt.
Drei Jahre später wurden die jüdischen Kinder aus Großlangheim wegen der Armut der Kultusgemeinde von dem christlichen Elementarschullehrer unterrichtet. Der Religionsunterricht lag in den Händen des nicht examinierten Melamed Abraham Seligmann. Als 1822 Seligmann Fromm in Großlangheim geboren wurde, war nicht absehbar, dass sein 1900 in Frankfurt geborener und 1980 im Tessiner Muralto verstorbene Enkel Erich Fromm, ein Urenkel des "Würzburger Raw" Seligmann Bär Bamberger als Sozialpsychologe weltweite Bekanntheit erlangen würde. Da die jüdische Schule in den 1830 Jahren offensichtlich nicht mehr den Anforderungen entsprach, plante die jüdische Gemeinde nicht nur den Bau einer Synagoge, sondern auch den Neubau des Schulhauses. 1836 hatte die Kultusgemeinde laut einem Bericht des Landgerichts Kitzingen die alte Lehrerwohnung bereits verkauft und einen für Synagoge und Schule bestimmten Bauplatz erworben. Die neue Schule wurde parallel zur drei Meter entfernten Synagoge als eingeschossiger Bau auf einem hohen Sockel errichtet und bildete mit dem annähernd gleichgroßen Gotteshaus ein stilistisch einheitliches, in dieser Form sehr seltenes Ensemble. Die Fassade gliederten schmale Gesimse, auf denen große Rundbogenfenster aufsaßen, und breite Ecklisenen. Zwei Giebel mit jeweils einem kleineren Rundbogenfenster gehörten ebenfalls zum ursprünglichen Schulgebäude. Im Keller des Gebäudes befand sich wohl auch eine Mikwe.
Der kostspielige Neubau von Schule (und Synagoge) hatte zur Folge, dass sich die in den Quellen als finanzschwach bezeichnete jüdische Gemeinde Großlangheim verschulden musste und in der Folgezeit nur mit Mühe für das Gehalt des Religionslehrers aufkommen konnte. Dies führte mehrere Jahrzehnte lang zu Gehaltsstreitigkeiten zwischen Gemeinde und Lehrer. Nachdem die Kultusgemeinde 1839 aus Kostengründen einen Kooperationsvertrag mit der jüdischen Gemeinde Rödelsee geschlossen hatte, teilte sich Großlangheim 1841 befristet den Religionslehrer David Friedsam mit der IKG Wiesenfeld. Die Vereinbarung sah vor, dass Friedsam von April bis Juni 1841 jeden Mittwochnachmittag und Freitagvormittag in Großlangheim unterrichten sollte. Das Provisorium setzte sich in der zweiten Jahreshälfte 1841 fort, als Aron Frankenberger vorübergehend als Religionslehrer in Großlangheim unterrichtete. Nachdem Frankenberger aus dem Dienst ausgeschieden war, übernahm wieder David Friedsam den Religionsunterricht in Großlangheim.
Die Kreisregierung stimmte am 1. Dezember 1842 dem erneuten Provisorium zur, forderte aber zugleich die IKG Großlangheim auf, innerhalb von 14 Tagen einen vorschriftsgemäß qualifizierten Vorsänger (Chasan) zu präsentieren. Lazarus Sandinell, der vom zuständigen Distriktsrabbiner Faust Löw Thalheimer ohne Prüfung zum Vorsänger ernannte Kandidat für das Vorsängeramt, bestand die vorgeschriebene Prüfung nicht. Deswegen drohte die Kreisregierung, die Synagoge zu schließen und zu versiegeln, wenn die Gemeinde binnen 14 Tagen keinen geeigneten Vorsänger vorstellen sollte. Da dies nicht der Fall war, machte die Regierung ihre Ankündigung wahr und ließe beide Eingänge der Großlangheimer Synagoge am 22. März 1843 versperren und versiegeln. Zwei Monate später präsentierte die Großlangheimer Gemeinde den zu dieser Zeit in Reichmannsdorf bei Schlüsselfeld tätigen Aron Dessauer als Lehrer und Vorsänger. Mit der Prüfung der Personalie ließ sich die Regierung ein halbes Jahr Zeit, bis sie Dessauers Dienstvertrag am 17. August 1843 genehmigte und die Synagoge am 14. September 1843 freigab. Der Lehrer wirkte bis zu seinem Tod 1858 in Großlangheim. Nach Dessauers Tod tauchten wie schon Anfang der 1840er Jahre bei der Wiederbesetzung der schlecht dotierten Lehrer- und Vorsängerstelle Probleme auf. Die ein Dreivierteljahr dauernde Vakanz beendete die Kultusgemeinde schließlich am 3. Oktober 1859, indem sie mit dem aus Homburg am Main stammenden Religionslehrer David Federlein einen vom Landgericht Kitzingen beurkundeten Anstellungsvertrag schloss. Da die vereinbarten Nebeneinkünfte des Lehrers in den folgenden Jahren hinter den Erwartungen zurückblieben, kam es zwischen Federlein, der Gemeinde und der staatlichen Aufsichtsbehörde in Kitzingen zum Konflikt, der schließlich nach dreijährigen Verhandlungen gelöst werden konnte. Wie sein Vorgänger Dessauer wirkte auch Federlein über ein Jahrzehnt in Großlangheim. Dort war er bis 1869 als Religionslehrer tätig. In diesem Jahr lebten sieben schulpflichtige jüdische Kinder in Großlangheim, zu dessen Kultusgemeinde insgesamt 63 Juden gehörten.
Nach der Aufhebung des Matrikelparagraphen 1861 schrumpfte die jüdische Gemeinde in Großlangheim, bis 1875 nur noch neun jüdische Haushalte existierten. Das religiöse Leben war von der Orthodoxie bestimmt: 1885 wurde in Großlangheim eine Bruderschaft gegründet, die das "Abendgebet zu seiner Zeit" pflegte und auch im sozialen Bereich karitativ tätig war.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war laut einem Bericht des Großlangheimer Ortschronisten Anton Käsbauer wohl auch in Großlangheim ein Eruvdraht üblich, der das Dorf symbolisch zu einer Einheit verband. Innerhalb dieser Einheit war auch am Sabbat das Tragen von Gegenständen außerhalb des Hauses erlaubt.
Da 1907 in Großlangheim wie auch in Rödelsee die zum Gebet erforderlichen zehn religionsmündigen Männer nicht mehr zur Verfügung standen, schlug das Bezirksamt Kitzingen der Kreisregierung die Vereinigung der beiden jüdischen Gemeinden vor. Sitz der Gemeinde sollte Großlangheim sein. Am 12. März 1907 folgte die Regierung diesem Vorschlag und vereinigte die beiden Kultusgemeinden.
Im Mai 1920 stellte der damalige Großlangheimer Religionslehrer Moses Sonn den Religionsunterricht in der jüdischen Gemeinde ein, da er sich laut eigener Aussage von 1921 zuvor nicht mit der Gemeinde über seine Besoldung einigen konnte. Öffentlich Stellung gegen den Antisemitismus bezog im "Dritten Reich" der Großlangheimer Ortspfarrer Karl Theodor Reitz. Der 1943 verstorbene Geistliche warnte unter anderem im Religionsunterricht vor der göttlichen Strafe für die schlechte Behandlung der Juden. Auch der örtliche Lehrer Georg Spath zeigte Zivilcourage. Dass die Nationalsozialisten die Vorgänge in Großlangheim genau beobachteten, zeigen die Denunziationen "judenfreundlicher" Großlangheimer Bürger. Diese wurden entweder im antisemitischen Hetzblatt "Der Stürmer" bloßgestellt oder wie die SA-Leute bestraft, die 1935 an einer "Judendemonstration", das heißt am Begräbnis ihres jüdischen Freundes Leo Weikersheimer, teilgenommen hatten. Am 10. November 1938 wurden die Großlangheimer Karl Künstler und Leo Weikersheimer ohne Grund in "Schutzhaft" genommen und nach 14 Tagen im Kitzinger Gefängnis Ende November 1938 in das KZ Dachau gebracht. Dort wurde Künstler bis zum 12. Februar 1939 festgehalten.
Insgesamt 17 Jüdinnen und Juden, die in Großlangheim geboren wurden oder dort lebten, fielen der Shoah zum Opfer. Zu ihnen gehörten auch mehrere Mitglieder der Familie Fromm: Während Ella Emma Fromm und Ida Fromm 1942 in Treblinka ermordet wurden, starben Max Fromm im Ghetto Minsk, Hermann Fromm im Ghetto Izbica, sein gleichnamiger Verwandter in Theresienstadt und Meta Fromm im Vernichtungslager Auschwitz.
Unklar bleibt, wann die Gemeinde Großlangheim aus Privatbesitz zusammen mit der Synagoge das Schulhaus erwarb, das sie laut eigener Auskunft an das Landratsamt Kitzingen bereits zuvor von der jüdischen Gemeinde gemietet hatte. In den 1980er Jahren wurde das Schulhaus als Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr genutzt.
(Stefan W. Römmelt)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Hans Schlumberger / Hans-Christof Haas: Großlangheim mit Rödelsee, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 987-1019.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 227.
