In Friesenhausen bestand im 19. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde. Obwohl über die Größe der Gemeinde nichts bekannt ist, war sich doch in der Lage, eine Synagoge zu errichten. Die Geburt des Mathematikers und Talmudisten David Friesenhauen 1750 im gleichnamigen Ort zeigt, dass zu dieser Zeit bereits eine etablierte jüdische Gemeinschaft, wohl auch eine Kultusgemeinde in Friesenhausen gelebt hat. Auch Einträge in den Kirchenbüchern der evangelischen Pastoren verweisen 1811 auf die Anwesenheit von jüdischen Familien.
Bei der Erstellung der Matrikellisten 1817 wurden auf insgesamt 14 Matrikelstellen die folgenden jüdischen Haushaltsvorstände (mit neuem Familiennamen und Erwerbszweig) genannt: Abraham Seligmann Friedländer (Schnitthandel), Baruch Männlein Reichsapfel (Schlachten und Viehhandel), Jacob David Nussbaum (Feder- und Lederhandel; 1825 geht die Matrikelstelle an Aron Wallenberg, Weber), Joseph Seligmann Straus (Schnitthandel), Levi Maennlein Brückner (Viehhandel und Schlachten), Löw Ber Rosenberg (Unterricht der Kinder), Mannes Isaac Hessberg (Schnitthandel; diese Stelle ging 1825 an Maier Silbermann, Wollentuchmacher), Witwe von Margam Löw Silbermann (Schnitt- und Spezereihandel), Moises Baruch Hamburger (Unterhandel), Beitel Isaac Hessberg (Schnitthandel), Wolf Jacob Stern (Haut- und Federhandel), Moses Lazarus Blumenthal, Hermann Hessberg (Rothgerberei). Keine Matrikelstelle wurde Braunla, der Witwe von Lippmann Rautendorfer eingeräumt, die einen Schutzbrief von 1791 hatte. Nach der Gemeindebeschreibung von 1839 lebten damals 18 jüdische Familien mit zusammen 80 Personen im Ort. Von den Haushaltsvorständen hatten neun einen Handwerksberuf.
An Einrichtungen hatte die Gemeinde eine Synagoge, eine Schule (Religionsschule) sowie ein rituelles Bad. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Kleinsteinach beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war noch in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. So wird bei der Erstellung der Matrikelliste als der für den "Unterricht der Kinder" zuständige Löw Ber Rosenberg genannt, der 1816 einen Schutzbrief erhalten hatte. Keine Matrikelstelle wurde Schullehrer Marcus Kohn eingeräumt, der einen Schutzbrief von 1805 besaß und bereits 60 Jahre alt war. Als Lehrer benötigte er auch keine Matrikelstelle. Nach der Gemeindebeschreibung von 1839 hatte die jüdische Gemeinde in diesem Jahr an Auslagen "für Religionsschule und Kultus" (damit auch für die Besoldung des Lehrers) Auslagen in Höhe von 250 Gulden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten die jüdischen Familien aus Friesenhausen abgewandert oder emigrierten ins Ausland. Um 1870/71 wurde die Gemeinde bereits aufgelöst. Der letzte jüdische Einwohner Friesenhausens starb 1880.
In Friesenhausen in noch die wahrscheinlich im 19. Jahrhundert angelegte Mikwe erhalten. Das Wohngebäude befindet sich heute in Privatbesitz (Dalbergstraße 19, ursprünglich Ortsstraße 62). Das Haus selbst ist aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und damit sicher jünger als das Ritualbad im Kellergewölbe. Im Jahr 1988 war das Tauchbecken noch mit Grundwasser gefüllt und mit Brettern abgedeckt. Es ist ein steinerner Rundbogen und Treppe vorhanden. An zwei Türpfosten befinden sich Spuren einer Mesusa. Die Mikwe von Friesenhausen ist in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen mit folgendem Eintrag: "Dalbergstraße 9. Ehem. Mikwe, Gewölbekeller, 1.Hälfte 19. Jh.; mit Zugang von Haus Dalbergstraße 7".
(Patrick Charell)
Bilder
Bevölkerung 1875
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 58.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 200.
