Jüdisches Leben
in Bayern

Donauwörth Gemeinde

Eine jüdische Gemeinde lässt sich in das 13. Jahrhundert, vielleicht sogar bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen: Rabbiner Jehuda ben Schmuel Kalonymos ("Jehuda der Chasside") aus Regensburg hielt sich 1195 oder 1198 zur Schlichtung eines Rechtsstreits in Donauwörth auf. Im Jahr 1241 zahlte eine wohl nur kleine jüdische Gemeinde in der Stadt zwei Mark Silber an ihren Schutzherren, den römisch-deutschen König. Bis 1493 wohnten jüdische Familien in einem Haus neben dem Rathaus, "darin über 16 Wohnungen waren". Anschließend wurden sie nahe der Stadtmauer in die "Judengasse" und den "Judenberg" umgesiedelt (heute Ölgasse und Ölberg). Die Gemeinde bestand bis 1517, anschließend bildete sich kein neues jüdisches Leben mehr.

Bereits im Jahr 1326 zahlten die in Donauwörth ansässigen Juden 20 Silbermark als Steuer an Kaiser Ludwig IV. den Bayern (reg. 1314-1347). Die Stadt war mehrfach verpfändet, unter anderem an die Wittelsbacher Herzöge, und wurde erst 1434 vom Kaiser wieder ausgelöst. So nahm Herzog Ludwig 1292 zwei jüdische Einwohner in Donauwörth gefangen und erpresste eine hohe Zahlung, um verpfändete Wertgegenstände auszulösen. Auch andere Mitglieder der Gemeinde, die vergeblich versucht hatten, die Stadt zu verlassen, wurden zu Zahlungen gezwungen. Im Anschluss an die Pestpogrome musste die Gemeinde 1351 die Stadt verlassen. Eine Wiederansiedelung war erst in den 1380er-Jahren möglich. In den Jahren darauf erfolgte ein Zuzug jüdischer Personen/Familien u.a. aus Regensburg, Augsburg, Nürnberg und Nördlingen. Haupterwerbsquelle war der Geldhandel und der Handel mit verschiedenen Waren (Textilien, Getreide).

Eine Synagoge wird 1384 erwähnt. Die Toten der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde wurden zunächst in Nördlingen beigesetzt, spätestens nach Ausweisung der Juden aus jener Stadt (1506) wurde ein eigener jüdischer Friedhof in Donauwörth angelegt, dessen Lage jedoch unbekannt ist. Um 1480 wohnten jüdische Familien in einem Gebäudekomplex namens "Judenhaus", der aus mehr als 16 Wohnungen bestand und in der Nähe der Schrannengasse und dem Marktplatz lag (heute Rathausgasse 1 / Ecke Sonnenstraße). 1493 erzwang der Stadtrat eine Umsiedelung in eine "unsaubere" Straße bei der Stadtmauer. Die damals als "Judengasse" und "Judenberg" heißen heute Ölgasse und Ölberg, noch 1606 standen hier 31 Häuser.

Die Umsiedelung hing wahrscheinlich mit einer neuen diskriminierenden Judenordnung des Rates zusammen. Diese Ordnung verbot unter anderem den jüdischen Männern das Verlassen der Judengasse an Sonntagen und weiteren christlichen Festen, nur Frauen konnten dann Notwendiges einkaufen. Eine besondere Kappe und der Gelbe Ring wurden zur Pflicht. In Donauwörth erworbene Waren durften nur außerhalb eines Umkreises von zwei Meilen verkauft werden; zudem war der Handel mit Getreide und Textil stark eingeschränkt. Der Grund für diese judenfeindlichen Restriktionen waren Vorwürfe über einen wucherischen Getreidehandel, der Warenverteuerung, der Nichtachtung der christlichen Sakramente und das Tragen von Kleidung, ohne als Juden kenntlich zu sein. Die Donauwörther Gemeindemitglieder waren aber trotz allen Einschränkungen weiterhin zur Zahlung von Krönungssteuern, der städtischen Jahressteuer und zur Leistung von Wachdienst auf der Stadtmauer verpflichtet.

Im Jahr 1517 ergriff der Stadtrat die Initiative zur Vertreibung der jüdischen Einwohner. Er erreichte bei Kaiser Maximilian I. (reg. 1486-1519) am 5. November einen Ausweisungsbeschluss; gleichzeitig konnte der Rat die jüdischen Häuser vom Kaiser ankaufen. Die Vertreibung erfolgte am 23. Juli 1518. Die Stadt Donauwörth ließ sich 1521 das Privileg "De non tolerandis Judaeis" durch Kaiser Karl V. bestätigen. Der jüdische Friedhof von Donauwörth wurde eingeebnet, bislang ist sein Standort nicht genau bekannt.

Neues jüdisches Leben entstand nicht mehr. Auch im 19. und 20. Jahrhundert lebten nur vereinzelt Juden in Donauwört. Im Jahr 1905 gehörte die Stadt zu den Filialen der IKG Augsburg. An die jüdische Geschichte der Stadt erinnern heute hauptsächlich Archivalien im Stadtarchiv Donauwörth sowie als bedeutendes materielles Zeugnis die beschlagene Eisentür einer Synagoge mit dem zentralen Motiv eines Chanukkaleuchters, die nur ein einziges Vergleichsbeispiel im österreichischen Mödlingen kennt. Die ehemalige Gemeinde ist Teil der digitalen Bavarikon-Sammlung Das jüdische Erbe Bayerisch-Schwabens. Kultur und Alltag des Landjudentums von 1560-1945, die 2025 mit einem Festakt in der Augsburger Synagoge online gegangen ist.


(Patrick Charell)

Bilder

Literatur

  • Germania Judaica. Bd. III: 1350-1519, Teilband 1. Tübingen 1987, S. 237-240.
  • Heins Veitshans: Die Judensiedlungen der schwäbischen Reichsstädte und württembergischen Landstädte im Mittelalter (Dissertation). Stuttgart 1970 (= Arbeiten zum Historischen Atlas von Süddeutschland 5), S. 38f.
  • Germania Judaica. Bd. II: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Teilband 1. Tübingen 1968, S. 167-169.