In Diespeck führen die ersten Spuren jüdischen Lebens bis in das 17. Jahrhundert. 1616 wird ein jüdischer Hausbesitzer am Ort genannt. 1709 wurden neun jüdische Familien gezählt, 1729 21 und 1771 27 Familien. Diese Zahlen lassen für das 18. Jahrhundert auf eine stabile Gemeindeentwicklung schließen. Ob es zu dieser Zeit bereits Gemeindeeinrichtungen wie z.B. eine Schule gab, ist nur zu vermuten. Diespeck gehörte bis 1792 zur Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth, dann kurzzeitig zum Königreich Preußen, bis es endgültig an Bayern fiel. Bereits 1786 hatte die jüdische Gemeinde auf einer Anhöhe außerhalb von Diespeck einen Friedhof angelegt.
In der ersten des 19. Jahrhunderts ist ein beträchtlicher, wenn auch kurzzeitiger Anstieg der Gemeindezahlen festzustellen: 1811/12 lebten 203 jüdische Einwohner im Ort (28,6 Prozent von insgesamt 710) im Ort, 1837 wurde mit 270 Personen (32,9 Prozent) der Höchststand erreicht. Nachrichten über das Schulwesen liegen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor.
Als 1864 die vakante Elementar- und Religionslehrerstelle wieder besetzt werden sollte, wurde im Ausschreibungstext eine kostenfreie Wohnung, 300 Gulden Gehalt und 38 Gulden staatlicher Gehaltszuschuss angegeben. Gewünscht war dabei auch die Ausübung des Vorsängeramtes mit einer zusätzlichen Vergütung von 100 Gulden. Noch bis 1911 beschäftigte die Gemeinde einen eigenen Lehrer und Vorsänger, der teilweise auch als Schächter fungierte. Von der allgemeinen Aus- und Abwanderungstendenz war jedoch auch Diespeck betroffen, wie ein Zeitungsbericht von 1853 erwähnt. Die Folge war ein spürbarer Rückgang der Mitgliederzahlen und eine merkliche Überalterung, außerdem wurde es immer schwieriger, die Gemeindefunktionen aufrechtzuerhalten. 1880 zählte man noch 106 Gemeindemitglieder (10,6 Prozent von 996), 1910 lebten nur noch 33 Jüdinnen und Juden in Diespeck.
Karriere war aber nur außerhalb des Ortes zu machen, wie etwa Dr. David Einhorn (1809-1879), der spätere Landesrabbiner in Mecklenburg-Schwerin. 1840 wanderte er in die USA aus, wo er zu einer der wichtigsten Figuren der jüdischen Geschichte Nordamerikas wurde.
Ein Schlaglicht auf den alltäglichen Antisemitismus, dem eine kleine Gemeinde wie Diespeck ausgesetzt war, wirft ein Artikel von 1881 in der Zeitschrift "Der Israelit": "Auch die hiesige Gegend hat einen Judenhetzer in der Person des Pfarrers Brügel von Gutenstetten aufzuweisen. Der Tätigkeit dieses Predigers ist es bereits gelungen, in dem nahen Dorfe Diespeck, wo derselbe wegen Krankheit des dortigen Pfarrers die Verwesung (= Vertretung) führt, die christlichen Bewohner derart gegen die Juden aufzuhetzen, dass in einer Nacht an der Behausung des Zigarrenhändlers Bauers sämtliche Fenster eingeworfen wurden. Größere Exzesse von Seiten der erregten rohen Gemüter sollen nach offener Aussage Einzelner in sicherer Aussicht stehen."
Der zahlenmäßige Rückgang der Gemeindemitglieder führte 1915 zu einer Zusammenlegung mit der Gemeinde Neustadt a.d.Aisch. Der neue Name lautete "Israelitische Kultusgemeinde Neustadt-Diespeck". Die letzten beiden jüdischen Einwohner zogen 1937 nach Bamberg um.
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 156f.
