Jüdisches Leben
in Bayern

München Friedhof

Von einem mittelalterlichen Friedhof der jüdischen Gemeinde in München gibt es keine Spuren mehr, obwohl mehrere Quellen seine Existenz belegen. Als sich im 18. Jahrhundert einige kleine Gemeinde aus Hoffaktoren und deren Familien bildete, bestatteten sie ihre Verstorbenen auf dem Friedhof in Augsburg-Kriegshaber. Erst 1816 konnte der reformorientierte Vorstand Israel Hirsch Pappenheimer (1777–1837) die Anlage einer neuen Begräbnisstätte in Thalkirchen erwirken, der heutige Alte Israelitische Friedhof. Wegen des anhaltenden Wachstums der Kultusgemeinde wurde 1904 im Stadtteil Schwabing ein weiterer Friedhof eröffnet, der Neue Israelitische Friedhof. Er wird bis heute genutzt.

Die erste urkundliche Erwähnung einer jüdischen Gemeinde stammt von 1229. Sie besaß neben einer Synagoge und einer Mikwa seit 1416 auch einen Friedhof; zuvor hatte man die Verstorbenen in Regensburg beigesetzt. Laut Urkunde vom 29. März 1416 überließen die Herzöge Ernst und Wilhelm den Juden ein Grundstück „bei dem perg“ zwischen Moosach und Rennweg, wahrscheinlich auf dem Gelände des heutigen Maßmannparks. Nach der Vertreibung der Juden 1442 wurde der Friedhof zerstört.

Lage: Der Alte Israelitische Friedhof liegt im Stadtteil Sendling im Süden an der Thalkirchner Straße. 

Größe: Hohe massive Mauer mit einer Gesamtlänge von 575 Metern rund um den Friedhof. 

Alter: Anlage durch die Vermittlung des liberalen Gemeindevorstands Israel Hirsch Pappenheimer (1777–1837). Einweihung am 24. März 1816. Zuvor wurden die Verstorbenen in Kriegshaber beigesetzt. Die Kosten für den Erwerb des Grundstücks und für den Bau des Tahara-Hauses beliefen sich auf 12.000 Gulden. Erweiterungen 1854, 1871 und 1881. 

Beerdigungen: Der älteste Grabstein stammt aus dem Jahr 1816. Der Friedhof ist in mehrere Abteilungen eingeteilt; ca. 6000 Grabsteine sind vorhanden, darunter die bedeutender Rabbiner, Künstler und Prominenter; mehrere Soldatengräber. Leo von Klenze entwarf das Grabmal des Dramatikers Michael Beer (gest. 1833), des Bruders des Komponisten Giacomo Meyerbeer. Bestattungen finden in seltenen Fällen bis zum heutigen Tag statt. 

Besonderheiten: Erstes Tahara-Haus von 1816, neues Leichenhaus von 1892 mit Tahara- und Begräbnisraum sowie Wohnung des Friedhofswärters. 

Schändungen: 1980.

Im Juni 2008 wurde im Eingangsbereich des Friedhofs ein Denkmal zur Erinnerung an die auf dem Friedhof begrabenen Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung eingeweiht. Das aus mehreren Granitblöcken bestehende Denkmal wurde von dem Münchener Bildhauer Nikolaus Gerhart geschaffen und aus dem Vermächtnis des Sohnes von Bernhard Haas, eines der Opfer, finanziert.


Lage: Norden der Stadt München im Stadtteil Schwabing. 

Größe: Ca. 50.000 qm; massive Steinmauer von 966,50 m Länge rund um den Friedhof, zwei große Tore. 

Alter: 1904 fand die Kultusgemeinde gegen Tausch ein geeignetes Grundstück an der Ungerer Straße; Eröffnung im Mai 1908 durch Oberrabbiner Cosman Werner; der Friedhof konnte ab dem 1. Juli 1908 belegt werden. 

Beerdigungen: 22 Gräberabteilungen, die ältesten Gräber stammen aus dem Jahr 1908. Auf dem Friedhof befinden sich die Grabmäler zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten des jüdischen Lebens in München aus der Zeit von 1907 bis heute, darunter das des Politikers Kurt Eisner (1867-1919), des Schriftstellers Gustav Landauer (1870-1919) oder des Politikers Eugen Leviné (1883-1919). Viele sehr schlichte Gräber aus der NS-Zeit und für ermordete NS-Opfer, große Abteilung mit Kindergräbern und Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. 

Besonderheiten: Links vom Eingangstor Friedhofswärterhaus mit Wohnung, Büro- und Verwaltungsräumen. Einige Meter weiter steht das große Friedhofsgebäude, das von 1905 bis 1907 vom Architekten Hans Grässel) errichtet wurde. Es enthält die Tahara- und die Trauerhalle, mehrere andere Räume sowie das Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

Adresse / Wegbeschreibung

Thalkirchner Str. 240 / Garchinger Str. 37, 81371/-80 München

Literatur

  • Constanze Werner (Bearb.): KZ-Friedhöfe und Gedenkstätten in Bayern. „Wenn das neue Geschlecht erkennt, was das alte verschuldet …". Regensburg 2011, S. 39-42.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern. Hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 608-615.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 326f.
  • Karl W. Schubsky: Jüdische Friedhöfe. In: Wolfram Selig: Synagogen und Jüdische Friedhöfe in München. München 1988, S. 149-188.
  • Theodor Harburger: Ein Gang durch Münchens jüdische Friedhöfe. In: Bayerische Israelitische Gemeinde-Zeitung Jg. 8 (1932), S. 129-132.