Kreszentia Grodl spricht im hier gezeigten Ausschnitt über ihre Tätigkeit als Spulerin bei der Firma Dierig und ihre Versetzung in die Weberei in den 1950er- und 60er-Jahren.
Dieser Clip ist Teil des folgenden Interviews:
Lebensgeschichtliches Zeitzeugeninterview mit Kreszentia Grodl, aufgenommen am 23.11.2005 in Klingen bei Aichach, im Rahmen des Projekts Textilindustrie, über ihre Tätigkeit als Textilarbeiterin bei der Augsburger Firma Dierig.
Biogramm
Kreszentia Grodl wurde 1940 geboren. Sie war fast 40 Jahre als Spulerin und in der Webereibei bei der Firma Dierig in Augsburg tätig. Während dieser Zeit lernte sie alle Facetten dieser anstrengenden Fabrikarbeit an den Webstühlen kennen. Schließlich erlebte sie den Niedergang der Textilindustrie in Augsburg.
Inhalte
Geboren in Klingen bei Aichach, Familie Bayersdorfer, viertes Kind, drei Jahre ältere Schwester, später zusammen zu Dierig zur Arbeit, Landwirtschaft, nie Hunger, Schulzeit und Arbeitssuche: Volksschule, wollte Schneiderin werden, keine Lehrstelle, Kindermädchen bei Kriegskameraden des Vaters in Oberstdorf, Heimweh, Arbeit in Aichach bei den Engelskindern, Gummibälle hergestellt, Schwester allein nach Augsburg zu Dierig, Vater holte Töchter nachts vom Bahnhof ab, daher Wechsel zu Dierig, zusammen gefahren - Anstellung bei der Firma Dierig: morgens um 4 Uhr, im Winter manchmal schon um 3 Uhr aufgestanden, nach Aichach mit dem Rad und dann mit dem Zug nach Augsburg, zu Fuß zum Pfersee, Stechuhr, andere Schwester zuerst in der Schweiz, dann zuhause mit Kindern, Bruder Maurer, zwei Stunden unterwegs, Arbeit von 6 bis um 14 Uhr, 15:15 Uhr daheim, angefangen in der Spulerei, neun Jahre dort, Spulmaschinen - Die Arbeit an den Webstühlen, Weberei, vier Wochen angelernt, erst 18 Webstühle, später ganze Partie mit 30 Webstühlen, später bis zu 35, gebrochene Fäden wieder verbinden, Stühle wieder in Gang setzen, Akkord, über 30°C im Websaal, Unterschiede je nach Stoff, Damaste, früher viel Bettwäsche, Tischwäsche hergestellt, farbige Stoffe, Hemdenstoffe, Kleiderstoffe, alte Webstühle blieben stehen wenn etwas zu tun war, moderne hatten farbige Lichter, Werkmeister für Reparaturen, Kontrolle der Ware, Zweite Wahl, dementsprechend Prämie - Lohnentwicklung, am Anfang Lohntüte, 1958 400 Mark, gut verdient, Mann auf dem Bau nicht viel mehr verdient - Arbeit als Spulerin: lange Maschinen, Fäden anknüpfen, Spulen wechseln, Lärm, Staub, Zettelei, Schlichterei, 15 Frauen in einem Saal, halbe Stunde Pause, anfangs in der Kantine, Weg zu weit, Vesper mitgenommen, Ratschen - Ausländische Arbeitnehmer, in den 1970ern Spanier, Italiener, Griechen, Pakistani nur kurz, Türken, niedere Arbeiten, angelernt - Der Saalmeister, Reparaturen, Urlaub, Kontrolldurchgänge von Dierig, nur Mitarbeiter angesprochen wenn ihm was nicht gepasst hat, Kontrolle der Computer gesteuerten Webstühle vom Büro aus - Die Werke der Firma Dierig und deren Schließung: im Werk Mühlbach gearbeitet, Stadtbach, Sindelbach, Fichtelbach, Haunstetten, schleichende Schließung, 1997 Werk Mühlbach geschlossen, Betriebsleiter bot Abfindung an, Arbeitslosengeld, dann noch einmal ein halbes Jahr Restaufträge aufgearbeitet, moderne Webstühle gerade zwei Jahre alt, ins Ausland verkauft, stets Tariflohn pünktlich - Betriebsausflüge mit dem Sonderzug, Weihnachtsfeiern, Ehrung, Betriebsrente - Die Einteilung der Schichten, Fußballclub, Anzahl der Webstühle 30 pro Arbeiterin - Verkehrsanbindung, Führerschein gemacht, Schienenbus, schlechtere Verbindung, ab 1961 mit dem Auto gefahren, nur ein Unfall in der ganzen Zeit auf der Autobahn - Bekanntschaft mit dem späteren Ehemann, Mann aus Sielenbach, beim Spaziergang gesehen, Fastenpredigt, Einladung ins Kino, Schwester als Anstandsdame dabei, Mann bei der Bundeswehr, danach zusammen, Müller gelernt, Kraftfahrer in einem Baugeschäft, Haus gebaut - Die Geburt der Kinder, Sohn (1960), Tochter (1971), schulische und berufliche Laufbahn des Sohnes, finanziell beim Hausbau unterstützt, Lebenslauf der Tochter - Freizeitaktivitäten, Skifahren, Naturfreunde, Gartenbauverein - Gewerkschaft, Pflicht, nie am Streik beteiligt, Abfindung, Betriebsrat, alles selbst geregelt - Verbesserung des Lebensstils, Auto VW Käfer, Fernseher - bis heute gutes Verhältnis mit der Schwester, Tod der Mutter, Familienzusammenhalt - Urlaubsreisen, 17 Jahre ins Zellertal, sechs Jahre nach Jugoslawien, Cattolica, später Mallorca, Griechenland, Südtirol, Bulgarien, Türkei, im Winter Skifahren in den Alpen und im Bayerischen Wald - Stellenwert der Fabrikarbeit, Dierig, Produktion eingestellt, nur noch Handel, Kündigungen, Abfindungen.
Daten
Interview: Dr. Ludwig Eiber
Kamera: Georg Schmidbauer M.A.