Jüdisches Leben
in Bayern

Steppach Synagoge

Obwohl bereits seit dem 16. Jahrhundert jüdische Familien in Steppach wohnten gibt es erst seit dem 17. Jahrhundert erste Hinweise auf ein Bethaus oder eine Synagoge. Bereits seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts gab es ein rituelles Bad, am Anfang nicht überdacht, dann mit einem Holzhaus geschützt. Auch wurde bei Hausverkäufen manchmal ein Gebetsstand in der Synagoge mit verkauft. 1753 war ein Neu- oder eher ein Erweiterungsbau der Synagoge vorgesehen, der für eine Gebühr von 5 Gulden "Konsensgeld" genehmigt wurde. Die jüdische Gemeinde Steppach gehörte mit Pfersee zum Rabbinatsbezirk Augsburg-Kriegshaber.

Der Rabbiner war verpflichtet, innerhalb von 14 Tagen in jede der drei Synagogen "vorschriftsmäßig eine in rein religiösen und gesetzlichen Stihle erbauend verfaßte Rede feierlich abzuhalten". Dem Rabbiner stand der erste Stuhl zu, er hatte über die Kirchenordnung zu entscheiden, er war für die Gottesdienstzeiten zuständig sowie für die Anweisung der ordentlichen und außerordentlichen Gebete und Andachten. Mit der Trennung des Volkschulunterrichts 1847 zwischen Katholiken und Juden wurde im Erdgeschoß der Synagoge ein neuer Schulraum eingerichtet. Im Häuserverzeichnis von 1835/40 wird unter alten Hausnummer 35 und der Plannummer 52 mit der Adresse Alte Reichsstraße zwischen Haus Nr. 14 und Haus Nr. 16 als Eigentum der Gemeinde die Synagoge aufgeführt. Das Synagogengebäude ging 1873 bei der Vereinigung der beiden Kultusgemeinden in Augsburger Besitz über.

Bereits im Jahr 1876 wurde das Gebäude und die Schule abgebrochen, als der Eigentümer des benachbarten Gebäudes dieses Grundstück dazu erwarb und einen landwirtschaftlichen Neubau errichtete. Einen Hängelüster der Synagoge hatte die Kultusgemeinde Augsburg der Steppacher St. Gallus-Kirche überlassen.


(Patrick Charell)

Literatur

  • Gerhard Hetzer: Anmerkungen zur Geschichte der Judensiedlungen in Steppach und Schlipsheim. In: Neusäß. Die Geschichte von acht Dörfern auf dem langen Weg zu einer Stadt. Neusäß 1988, S. 239-260.
  • Reinhard H. Seitz: Die einstige jüdische Religionsgemeinde zu Steppach. In: Gemeinde Steppach (Hg.): Steppach bei Augsburg. Beiträge zur Ortsgeschichte. Steppach 1978, S. 107-112.
  • Peter Fassl (Hg.) / Doris Pfister (Bearb.): Dokumentation zur Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben, Bd. II. Hausbesitz um 1835/40. Augsburg 1993, S. 181-184.