Jüdisches Leben
in Bayern

Schnaittach Synagoge

Dank einer ausführlichen Bauforschung im Jahr 1991 ist viel über das erste jüdische Gotteshaus in der Judengasse (heute Museumsgasse 18) bekannt. Es war wesentlich kleiner als sein Nachfolgerbau und hatte mit ihm nur die West- und Nordwand gemein: Der massive Ursprungsbau war auf einem unregelmäßig viereckigen Grundriss auf circa 10 x 10 Metern errichtet und besaß – vielleicht aus Gründen der Wehrhaftigkeit – eine Mauerstärke von gut einem Meter. Der Toraschrein war an der Ostwand in einem hervorspringenden Standerker untergebracht. In der Tradition mittelalterlicher Synagogen, die nicht nur Bet- sondern auch Lehrhaus waren, befanden sich an der Nordwand Nischen mit Regalbrettern, die Bücher und Schriften verwahrten. Eine massive Wand trennte den südlichen Gebäudeteil ab und diente wahrscheinlich als Frauenabteilung. Nach der hebräischen Widmung hatten 1734/35 der Beerdigungs- und Wohltätigkeitsverein 14 kleine und einen großen Hängeleuchter gespendet.

1738 wurde die bestehende Synagoge um vier Meter nach Osten und fünf Meter nach Süden erweitert, wodurch sie die noch heute bestehenden Ausmaße erreichte. Zumindest die Leuchter wurden von der alten Ausstattung übernommen. Ein großes Satteldach überfing jetzt den ganzen Bau, der mit seiner Traufseite zur Straße stand. Die alte Südwand bildete jetzt die Trennung zur Frauenabteilung. Von der Straße her führten zwei nebeneinanderliegende Eingänge in die Abteilungen. Drei rundbogige Fenster erhellten den Betsaal, eines im Norden und zwei im Osten, mit dem Toraschrein mittig in einem Erker. Darüber befand sich das Misrachfenster in der Form eines Ochsenauges. Die Männerabteilung wurde von einem aufwendigen Spiegelgewölbe mit Stuckmedaillons überwölbt. Von der Frauenabteilung, die mit fünf Fenstern deutlich lichter war als der Rest der Synagoge, gaben drei breite Öffnungen den Blick auf den Gottesdienst frei. Ein Guckloch ganz im Osten erlaubte es wohl „verdienstvollen Frauen“ der Beschneidung ihrer Söhne beizuwohnen. Die neue Synagoge war mit einem Chanukka-Leuchter aus Messing und mehreren Toravorhängen ausgestattet, die weitere Einrichtung ist nur fragmentarisch nachvollziehbar, weil sie bei einer großen Renovierung im Jahr 1858 komplett erneuert wurde. Sie ist durch eine Inschrift am inneren Eingang belegt: Die neue Bima stand nun unmittelbar vor dem Toraschrein, dafür ersetzten fest installierte Sitzbänke (Subsellien) die alten Stände. Der ornamentale, schmiedeeiserne Aufsatz der alten Bima wurde sekundär in die Öffnungen zur Frauenabteilung eingesetzt. Die Synagoge wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert zunehmend zum Sanierungsfall, vor allem die Decke bereitete der Kultusgemeinde viele Sorgen.

Der lokale jüdische Theaterverein stiftete im Jahr 1927 eine neue Uhr. Im Jahr darauf wurde das Schulgebäude verkauft, um genügend Mittel für eine fachgerechte Instandsetzung des Gotteshauses zu gewinnen. Die entsprechenden Pläne wurden jedoch nicht mehr ausgeführt. Im Novemberpogrom 1938 wurde das Gotteshaus durch einen Brandanschlag schwer beschädigt, aber nicht zerstört. Das Gebäude wurde dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt und bis 1939 umgebaut; unter anderem wurde eine Treppe aus jüdischen Grabsteinen angelegt. In den letzten Kriegstagen hatte eine Nürnberger Militärapotheke den Synagogenraum gemietet und dort über 600 Schubkästen untergebracht.

1949 wurde das Heimatmuseum im ehemaligen Komplex von Synagoge, Rabbiner- und Vorsängerhaus eingeweiht. Es ging aber erst 1953 nach einem Vergleich mit der JRSO offiziell in den Besitz der Marktgemeinde über. Einige Judaica aus der Sammlung des Heimatmuseums befinden sich heute im Israel Museum in Jerusalem, im Jewish Museum New York, dem Skirball Cultural Center in Los Angeles, sowie den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem. Im Herbst 1996 wurde eine Außenstelle des Jüdischen Museums Franken im ehemaligen Rabbinerhaus und in der ehemaligen Synagoge eröffnet, das Heimatmuseum ist seitdem dieser Ausstellung angegliedert. 2006 kamen zwei der alten Synagogenleuchter zurück in das Jüdische Museum.


(Patrick Charell)

Adresse / Wegbeschreibung

Museumsgasse 12-18, 91220 Schnaittach

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Schnaittach. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Kartin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 575-596.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 677-687.