Die Ausgrabungen auf dem Neupfarrplatz nach 1995 führten zur Entdeckung von zwei Synagogenbauten. Der Bau aus dem späten 11. Jahrhundert gehört mit den Synagogen von Köln, Worms und Speyer zu den ältesten Zeugnissen jüdischer Religionsausübung in Deutschland. Der Baukubus mit Satteldach und einem trapezförmigen Grundriss unterschied sich kaum von den umliegenden Profanbauten. In der Mitte des einfachen Saalbaus stand die Bima als verputztes Steinpodest mit einer Grundfläche von etwa 11 qm. Die Synagoge besaß zwei Portale, der Toraschrein stand an der östlichen Schmalseite. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand ein grundlegender Umbau, möglicherweise aufgrund eines früheren Stadtbrands. Die beiden von Albrecht Altdorfer 1519 angefertigten Zeichnungen bieten einen Blick in den Innenraum der frühgotischen Synagoge. Drei Pfeiler in der Mittelachse tragen einen zweischiffigen Raum. Die zweite Zeichnung zeigt die Vorhalle an der nördlichen Synagogenlängsseite. Von hier aus konnte man durch ein Säulenportal das Innere der Synagoge betreten. Bei Ausgrabungen wurde ein Fragment der steinernen Bima entdeckt, es befindet sich heute in Verwahrung der Museen der Stadt Regensburg.
Die wachsende Größe der jüdischen Gemeinde führte 1838 zum Ankauf des Anwesens Untere Bachgasse 3/5. In diesen Komplex aus zwei mittelalterlichen Patriziersitzen wurde eine Schule, eine Lehrerwohnung und möglicherweise ein Spital eingerichtet. Im Südturm, einem ehemaligen Wohnturm, wurde eine Synagoge mit 60 Männer- und 60 Frauenplätzen eingerichtet. Die angrenzende gotische Kapelle wurde als Synagogennebenraum und Mikwe genutzt. Die feierliche Einweihung erfolgte 1841.
Der Innenraum der Synagoge orientierte sich in Raumsystem und Ausstattung der Neugotik. Die Bankreihen der Männersynagoge waren auf den Toraschrein ausgerichtet, die Frauenempore erstreckte sich über drei Seiten. Am Außenbau wurden alle mittelalterlichen Elemente entfernt. Ein Okulus, zwei Rechteckfenster und die hebräischen Lettern „Das ist das Tor des Herrn“, die Anfangsworte von Psalm 118,20, prägten die Außenansicht.
Die Synagoge musste im Oktober 1938 aufgrund staatlicher Anordnung trotz Proteste der Eigentümer und des Landesamts für Denkmalpflege abgerissen werden.
Für das Anwachsen der Gemeinde Ende des 19. Jahrhunderts erwies sich die Synagoge in der Bachgasse als zu klein und zu baufällig. Der Neubau auf dem Grundstück Schäffnerstraße 2 (heute: Am Brixener Hof 2) war zunächst umstritten. Ein Entwurf eines österreichischen Architekten lehnte das Innenministerium mit der bezeichnenden Begründung ab, der monumentale Kuppelbau füge sich nicht in die einfache Bauweise der umliegenden Gebäude in der Nähe des Regensburger Doms. Der schließlich realisierte Entwurf sah einen Zentralbau mit ovalem Grundriss vor, wobei das Dach eher einem Zelt als einer Kuppel glich. Die Synagoge, eingeweiht 1912, zählte mit der Augsburger Synagoge zu den stilistisch modernsten im Königreich Bayern. Der Innenraum war auf den Almemor zentriert, über dem ein Kronleuchter hing. Der Toraschrein stand an der Ostwand. Hohe Fensterpaare sorgten für Licht oberhalb der Frauenempore, in den großen Okulus an der Ostwand war ein Davidstern eingepasst.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurde die Synagoge zerstört. Nach einer Plünderung des Innenraums vernichtet ein absichtlich gelegtes Feuer das Gebäude. Der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg ordnete am 10. November den Abbruch des Gebäudes an. Die Presse feierte diese Tat als die Beseitigung eines "Schandmals", das mit "seiner Fremdartigkeit in schreiendem Gegensatz zu den stolzen mittelalterlichen … Bauwerken" gestanden habe.
Für die zahlreichen Überlebenden der Konzentrationslager wurden in Regensburg von der amerikanischen Militärverwaltung Lager für Displaced Persons (DP-Lager) eingerichtet, die auch einen Betraum besaßen. In den ersten Nachkriegsjahren lebten zeitweise über tausend Personen in diesen Lagern. Im August 1950 gründete sich die Israelitische Kultusgemeinde neu. Sie nutzte das erhaltene Gemeindehaus, das hinter der zerstörten Synagoge stand. Wegen seiner unverfänglichen Architektur hatten es die NS-Machthaber nicht zerstört. In einem Saal im Erdgeschoss wurde ein kleinerer Betraum als Wochentagssynagoge wieder. Im Haus befand sich auch ein Kindergarten und eine hebräischerSchule. Von 1969 bis 2016 nutzte die jüdische Gemeinde am Standort des zerstörten Gotteshauses einen 1968/69 errichteten Flachbau als Mehrzwecksaal.
Nachdem bis in die 1970er-Jahre die Zahl der Gemeindemitglieder stark zurück gegangen war, wuchs ihre Zahl seit den 1990er-Jahre durch Zuwanderung stark an und umfasste 2017 über tausend Personen. Die ohnehin als Provisorium gedachten Einrichtungen der Kultusgemeinde waren nicht mehr zeitgemäß und zu klein. Ein 2013 gegründeter Förderverein brachte insgesamt rund 1 Millionen Euro zusammen.
Im Jahr 2015 schrieb die IKG Regensburg einen Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Gemeindezentrums aus, das auf dem gleichen Bauplatz wie der Vorgänger entstehen sollte. Schon bei den Planungen blieb die zentrale Lage in der UNESCO-geschützten Altstadt von Regensburg eine Herausforderung. Der Siegerentwurf des Architektenbüros Staab aus Berlin sah einen kompakten und modernen, aber dennoch lichten Komplex vor, der sich in die kleinteilige Architektur der Umgebung einfügte. Der Neubau besteht aus einem Fest- und Veranstaltungssaal, Mikwe, Gemeindebibliothek, Verwaltungsräumen und der Synagoge. Das historische Gemeindehaus von 1912 wurde saniert und an der Nordseite des Gevierts integriert, wodurch ein geschützter Innenhof entstand. Fördermittel der EU und der Stadt unterstützten das Bauvorhaben, das pünktlich am 27. Februar 2019 eingeweiht, 80 Jahre nach der Zerstörung der Neuen Synagoge und genau 500 Jahre nach der Vertreibung der Juden aus der Reichsstadt Regensburg.
Der kubusförmge Betsaal der Synagoge überragt die benachbarten Dächer. Seine Kuppel, von außen durch eine Kuppel aus Leichtmetall überwölbt, setzt vor allem bei einer abendlichen Beleuchtung einen weithin sichtbaren Akzent. Von Innen besteht die Kuppel (Durchmesser 25 m) aus einer kleinteiligen, hellen Konstruktion, die durch ihre Gestaltung an das biblische Stiftszelt erinnern soll. Der Betsaal selbst ist geostet, woraus sich eine leichte Drehung der inneren Raumschale zu den Außenwänden ergibt. Der Saal ist mit kleinteiligen Lamellen aus Hemlocktanne verkleidet, die das Auge beruhigen und trotz der strengen Formen eine meditative Stimmung schaffen. Sie verleihen dem Raum eine sakrale Schwerelosigkeit.
Die Synagoge bietet Platz für 96 Männer und 64 Frauen. Sie richtet sich in ihrem Aufbau an konservativ-jüdische Vorgaben: Eine erhöhte Frauenempore, keine Orgel, Bima im Zentrum des Saals, die Sitzreihen durch individuelle Pulte unterteilt. Dadurch will die (nach eigener Aussage) "orthodox geführte" Kultusgemeinde grundsätzlich allen Ausrichtungen des Judentums offenstehen. An der Ostwand (Misrach) ist der Toraschrein (Aron ha-kodesch) eingelassen. Die geschlossenen Flügeltüren tragen die Zehn Gebote (Dekalog) in goldenen hebräischen Lettern. Wird der Schrein geöffnet, stehen auf den Innenseiten Zitate aus dem jüdischen Gebetbuch "Unser Vater, unser König öffne die Himmelspforte für unsere Gebete" / "Und empfange mit Gnade und Wohlwollen unsere Gebete". Dahinter hängt der Toravorhang (Parochet) aus blauem Samt. Er trägt ein Zitat aus den Psalmen: "Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit, dass ich komme und Gott danke" (Psalm 118,19). Dahinter steht der eigentliche Toraschrein, der mit feuervergoldetem Kupfer verkleidet ist und an die Bundeslade im Jerusalemer Tempel gemahnt.
Die Synagoge kann nach einer vorherigen Terminvereinbarung besichtigt werden, zudem werden regelmäßig bei Veranstaltungen auch Führungen angeboten. Die Teilnahme an Gottesdiensten ist nach vorheriger Anmeldung möglich.
(Christine Riedel-Valder | Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Am Brixener Hof 2, 93047 Regensburg
Literatur
- Yehuda Shenef: OT 094: Fragment der Brüstung einer Bima [der 1519 zerstörten Synagoge von Regensburg]. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Peter Wolf u.a. (Hg.): Stadt befreit. Wittelsbacher Gründerstädte. Katalog zur Bayerischen Landesausstellung 2020. Augsburg /Regensburg 2020 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 69), S. 106.
- Claudia Fuchs: Jüdisches Gemeindezentrum mit Synagoge in Regensburg. Regensburg 2019 (= Die Neuen Architekturführer 191).
- Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Regensburg. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 261-285.
- Siegfried Wittmer: Jüdisches leben in Regensburg. Vom frühen Mittelalter bis 1519. Regensburg 2001.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 3. Fürth 1998, S. 663-672.
- Andreas Angerstorfer: Von der Judensiedlung zum Ghetto in der mittelalterlichen Reichsstadt Regensburg. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Manfred Treml / Josef Kirmaier / Evamaria Brockhoff (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Bayern – Aufsätze. München 1988 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 17), S. 161-172.
Weiterführende Links
- Synagoge Regensburg (Alemannia Judaica)
- Rede, am 25. August 1839, dem Geburts- und Namensfeste ... des Königs Ludwig von Bayern ( 1839 )
- Rede bei dem Trauergottesdienste ... Königin von Bayern Friederike Wilhelmine Caroline (1841)
- Programm der gottesdienstlichen Feier bei Einweihung der Synagoge in Regensburg, 1841
