Die Existenz einer Synagoge in Oberwaldbehrungen ist seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nachgewiesen. Nachdem die Freiherren von der Thann bereits 1751 den Bau der Synagoge bewilligt hatten, errichtete die jüdische Gemeinde 1752 im Nordwesten des Straßendorfs ein vermutlich für den Vorsänger bestimmtes Wohnhaus und unmittelbar daran anschließend eine Synagoge, laut Theodor Harburger ein einfacher Fachwerkbau, dessen westliche Hälfte nach Süden vorsprang. Männer und Frauen betraten über getrennte Eingänge den jeweils für sie bestimmten Teil der Synagoge, die durch eine Bretterwand voneinander abgetrennt waren.
Der für die Frauen vorgesehene Bereich lag ebenfalls im Erdgeschoss der Synagoge. Im von einer Holztonne überwölbten Betsaal der Männer stand der laut Harburger stattliche Aufbau des mit geschitztem Muschel- und Akanthuswerk verzierten, von einem gebrochenen Giebel bekrönten Thoraschreins, den jeweils zwei Doppelsäulen mit korinthischem Kapitell flankierten. Das Lesepult schmückte ein "bemerkenswertes" Gitter. Zum Inventar der Synagoge gehörten auch ein um 1700 gearbeiteter Thoravorhang aus blauer Seide mit farbiger Blumenstickerei und ein um 1720 geschaffener Thoramantel mit Goldstickerei. An Ritualien führte Harburger auch einen vergoldeten, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammenden Leuchter aus Eisenguss an.
Im Jahr 1824 wurde erstmals in Oberwaldbehrungen eine Mikwe aktenkundig, als die jüdische Gemeinde ein Grundstück mit einer Kellermikwe erwarb. Dort errichtete sie eine neue Mikwe, da das alte Tauchbad den zeitgenössischen hygienischen Standards nicht mehr entsprach. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kritisierte der Bad Kissinger Distriktsrabbiner Moses Löb Bamberger, dass in der Oberwaldbehrunger Synagoge Männer und Frauen nicht durch eine Abtrennung voneinander separiert seien. Da der Oberwaldbehrunger Kultusvorsteher Alexander Reis Bamberger nicht von der religionsgesetzlichen Korrektheit des status quo überzeugen konnte, wurde schließlich noch im selben Jahr 1894 ein Gitter in der Synagoge eingebaut.
Möglicherweise existierte 1923 auf dem Gelände der jüdischen Elementarschule noch ein drittes Ritualbad, das zu einem unbekannten Zeitpunkt das zweite Ritualbad abgelöst haben könnte. Seit etwa 1928 fand in der Oberwaldbehrunger Synagoge kein Gottesdienst mehr statt, da die Gemeinde nicht mehr über die hierfür nötigen zehn religionsmündigen Männer verfügte. 1925 erwarben die Nachfahren des Dorfschmieds das Grundstück mit dem zu diesem Zeitpunkt nicht mehr verwendete Ritualbad, ließen diesen Vorgang aber erst am 4. Oktober 1933 notariell beurkunden. Diese führte zu einer Beanstandung durch den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden (VBIG), da der Verkauf ohne seine Genehmigung erfolgt sei. Nachdem die baufällige Synagoge am 3. September 1935 an einen Privatmann verkauft worden war, ließ dieser 1938 zur Hälfte auf den Fundamenten der Synagoge ein Wohnhaus errichten. Der Thoraschrein und die Ritualien wurden in die Synagoge von Mellrichstadt verbracht, wo sie während des Novemberpogroms vernichtet wurden.
An dem Wohnhaus, das teilweise auf den Fundamenten der Synagoge errichtet wurde, erinnert eine Gedenktafel an das ehemalige jüdische Gotteshaus.
(Stefan W. Römmelt)
Literatur
- Gerhard Gronauer / Cornelia Berger-Dittscheid: Oberwaldbehrungen. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 839-856.
