Nachdem Juden ab Mitte des 18. Jahrhunderts mit besonderem Privilegium wieder in größerer Zahl in München ansässig waren, feierten sie ab 1763 ihre Gottesdienste in der Wohnstätte der Familie Wertheimer. Es lag im Rückgebäude der respektablen Weinwirtschaft "Zum Weiserwirt" (Plan-Nr. 161, heute Tal 13 bzw. ab 1875 Lederergasse 5). Neben den Wertheimers lebten hier auch die Hoffaktorenfamilien Mändle und Isaak. Im Volksmund setzte sich der Hausname "Zum Judenbranntweiner" durch, der spätestens 1778 in städtischen Unterlagen auftaucht. In seiner um 1800 entstandenen Stadtbeschreibung erwähnt Hofkaplan Johann Stimmelmayer das "Judenbranntweiners und Weisers Haus, worin schon immer [sic] Juden wohnten". Der laut einem Bericht aus dem Jahr 1837 recht lange und schlichte Betsaal der Männer mit einem Thoraschrein, sowie der gleich lange abgetrennte Frauenbereich waren im zweiten Stock des Gebäudes untergebracht. Der Kaltenbach könnte eine Mikwe gespeist haben. (Stefan W. Römmelt | Patrick Charell)
Bilder
Literatur
- Angela Hager / Frank Purrmann: München. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm uns Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. I: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 360-385.
- Stadtarchiv München (Hg.) / Andreas Burgmaier / Gustav Schneider (Illustrationen): Häuserbuch der Stadt München, Bd. I: Graggenauer Viertel. München 1958, S. 360.
- Joseph Consoni / Thomas Green / Johann Carl Schleich: Plan der Haupt und Residenzstadt München. München 1806 (BSB Mapp. XI,443).
