Jüdisches Leben
in Bayern

Küps Synagoge

Von einer 1694 erwähnten Synagoge fehlt bislang jede Spur. Die Größe der Gemeinde zu dieser Zeit macht zwar die Existenz wahrscheinlich. Wahrscheinlich ist sie der Vorgängerbau des Neubaus von 1796. Der 1796 aus Stein errichtete Neubau trug die alte Hausnummer 100 (heute: Am Hirtengraben 1). Das Gebäude ist in den Bayerischen Denkmal-Atlas aufgenommen. Ursprünglich war es ein zweistöckiger Sandsteinbau mit einem Walmdach. Im Südteil des Erdgeschoßes lag die Rabbinerwohnung, während sich im Obergeschoß der Synagogenraum befand.

Seit 1823 kam es zu längeren Auseinandersetzung der jüdischen Gemeinde in Küps mit den staatlichen Aufsichtsbehörden. Das Bezirksamt zog die Qualifikation des Küpser Rabbiners Emanuel Rosenbaum in Zweifel. Dieser hat an der bedeutenden jüdischen Hochschule in Fürth studiert, konnte aber keinen Abschluß nachweisen, wie nach dem Judenedikt von 1813 eigentlich erforderlich. Die Behörde schloss die Synagoge, da sich die Küpser Juden weigerten, einen staatlich geprüften Rabbiner aufzunehmen. Rosenbaum wurde außerdem untersagt, die Tätigkeit des Schächters auszuüben. Seinen Lebensunterhalt verdiente der Rabbiner als Lotterie-Einnehmer. Erst 1842, als die IKG Küps nachgab, wurde die Synagoge wieder geöffnet.

Aufgrund des starken Rückgang der Gemeinde seit den 1830 Jahren fand aber der letzte Gottesdienst in der Gemeinde 1870 statt. 1899 erfolgte die Versteigerung des Synagogengebäudes, den Zuschlag erhielt der örtliche Turnverein. Ein evangelischer Pfarrer schrieb 1908, es sei ein schmerzlicher Anblick, "wenn die alte Synagoge nach hundertjährigem Dienst kalt gestellt, zu einem Streu- und Heumagazin jahrelang herabgesunken war. So ganz vertrauert blickte der ehrwürdige '10-Gebot-Schrein' darein, dass er nun ganz und gar so vergessen und verachtet war und in einer so wüsten Umgebung trotz Butzenscheiben und Logengitter sich befand". Nach einem Teilabriss wurde eine Turnhalle gebaut und wenige Inschriften eingebaut. Das Gebäude ist heute der Martin-Luther-Saal der evangelischen Kirchengemeinde.


(Patrick Charell)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Am Hirtengraben 1, 96328 Küps

Literatur

  • Christian Ebertsch: Das Projekt Jüdische Landgemeinde Küps. Küps 2015.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 226f.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1). S. 225f.