Wahrscheinlich traf sich die jüdische Gemeinschaft von Hürben anfangs in einem oder mehreren Privathäusern zum Gebet. Graf Maximilian von Lichtenstein zu Krumbach genehmigte 1675 den Bau eines jüdischen Gotteshauses mit einem Nebenhaus, in dem der Rabbiner und der Vorsänger wohnten. Dafür war eine jährliche Steuer von sechs Gulden zu entrichten. Die Gebäude wurden auf einem zuvor von Isack Welsch erworbenen Grundstück in der Gemeindegasse (heute: Synagogengasse) errichtet. Bei dem Sakralbau handelte es sich laut einer kurzen Beschreibung aus dem Jahr 1759 um einen eingeschossigen Backsteinbau mit "einer Art von Kirchenfenstern".
Da die jüdische Kultusgemeinde in den folgenden Jahrzehnten stark anwuchs, musste die Synagoge 1710 und 1765 durch Anbauen erweitert werden. Bei einem Einbruch im Jahr 1757 kamen wertvolle Vorhänge und Decken aus ihrem Bestand abhanden. Aufgrund der Baufälligkeit der alten Synagoge wäre schon Ende des 18. Jahrhundert entweder eine umfassende Sanierung oder ein Neubau dringend notwendig gewesen. Um 1818 genehmigte die Kreisbauleitung des Illerkreises endlich die Baumaßnahme. Der Auftrag zur Planung des neuen jüdischen Gotteshauses ging an den Maurermeister Johann Nepomuk Salzgeber aus Buch bei Illertissen. Er hatte zuvor schon zahlreiche jüdische Wohnhäuser und die Synagoge in Altenstadt entworfen. Anstelle des alten Gebäudes (alte Haus-Nr. 172, Pl.-Nr. 113a) entstand ein massiver Rechteckbau mit schmalen hohen Rundbogenfenstern, einer westlichen Vorhalle und einer Uhr in der Ostwand. Salzgebers Fassadenentwurf, der noch der schwäbischen Tradition des Spätbarocks verpflichtet war, wurde in der Ausführung klassizistischen Tendenzen unterworfen. Im Innenraum war der Zopfstil vorherrschend; Wand- und Gewölbemalereien zeigten illusionistische Ausblicke, Pflanzenmotive und Embleme mit den Symbolen der hohen jüdischen Feiertage. Während einer fünfjährigen Renovierung, die 1872 ihren Abschluss fand, wurde die Ausstattung vollständig erneuert und die Malereien im Betsaal übertüncht.
Bei einer weiteren Renovierung des Sakralbaus, die im September 1908 mit einer neuen Einweihung des Gotteshauses feierlich zum Abschluss kam, legte man u.a. die alten Ornamente wieder frei und erneuerte die prächtigen Farben. Nachdem die jüdische Gemeinde in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts sehr viele Mitglieder verloren hatte, ging man dazu über, im Winter den Gottesdienst im Unterrichtsraum abzuhalten, um Heizkosten zu sparen.
Direkt nach der Reichspogromnacht, am 11. November 1938, wurde die Judenschaft von Hürben gezwungen, ihre am Tag zuvor demolierte Synagoge auszuräumen. Sie mussten unter Demütigungen und Misshandlungen die Ritualien, Gebetbücher und sakralen Gegenstände bis spät in die Nacht auf Lastwagen laden. Zum Teil wurden diese Dinge dann vernichtet, zum Teil nach Augsburg geschafft. Die NS-Stadtverwaltung beschlagnahmte anschließend die leere Synagoge und nutzte sie in der Folgezeit als Heulager für die Wehrmacht. Am 26. November 1939 wurde Feuer an das Gotteshaus gelegt, es brannte vollständig nieder. 1940 erwarb die Stadt Krumbach das Grundstück mit der Ruine. Auf dem Platz war ein neues Feuerwehrhaus geplant, nachdem französische Kriegsgefangene die Gebäudereste abgetragen hatten. Doch dazu kam es durch den weiteren Kriegsverlauf nicht mehr.
Auf dem Platz der einstigen Synagoge erinnert seit 2004 ein großes Mahnmal an die jüdische Geschichte der Stadt und rufen zu einem toleranten Zusammenleben aller Menschen auf. Mauerfragmente und Steine deuten den Grundriss des vernichteten jüdischen Sakralbaus an. Im Heimatmuseum Krumbach kann man u.a. die rekonstruierte Laubhütte der ehemaligen jüdischen Kultusgemeinde besichtigen.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Literatur
- Benigna Schönhagen (Hg.): "Ma tovu ... Wie schön sind deine Zelte, Jakob ..." Synagogen in Schwaben. München 2014, S. 77-83.
- Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Hürben/Krumbach. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg i. Allgäu 2007, S. 468-477.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 357-370.
