Jüdisches Leben
in Bayern

Heidenheim Synagoge

Im Jahre 1736/37 wurde südlich des ehemaligen Klostermeierhofs eine Synagoge gebaut (Haus Nr. 151/2). Von diesem ersten Gotteshaus sind keine Ansichten oder Pläne erhalten. In der Nacht auf den 31. März 1851 brach in einem Ziegenstall nahe der Synagoge ein Feuer aus. Die Flammen erfassten das Gotteshaus und richteten irreparable Schäden an. Bereits einen Monat später reichte das Landgericht Heidenheim bei der mittelfränkischen Regierung die Pläne für einen Neubau ein: Der Standort blieb derselbe, die ersten Pläne sahen jedoch eine neugotische Architektur vor, was wegen seiner zu großen Ähnlichkeit mit christlichen Kirchen abgelehnt wurde.

Im Sinne des königlich-bayerischen Baukunstausschusses unter Leo von Klenze sollte die neue Synagoge im orientalisierender Stil mit Hufeisen-Fenstern entstehen. Der zweite Entwurf des Zivilbauingenieurs Eduard Bürklein (1816-1871) wurde am 23. Juni 1851 genehmigt. Vor dem eigentlichen Baubeginn machte der sumpfige Untergrund eine aufwendige Pfahlgründung nötig. Die Gemeinde unter Vorsteher David Theilhaber konnte all diese Kosten nicht alleine tragen und hielt noch im selben Jahr eine deutschlandweite Kollekte ab; unter anderen finanzierte Freiherr Salomon von Rothschild (1774-1855) den Bau. Der Grundstein wurde am 17. März 1852 gelegt; „Der Israelit“ berichtete etwas pikiert: „Der Wiederaufbau der Synagoge in Heidenheim, wozu Herr Emanuel in London fünf Pfund und sein Schwiegersohn Herr Bergtheil ein Pfund beigesteuert haben – beide geborene Bayern – wird demnächst beginnen und soll schon bei der Grundsteinlegung große Feierlichkeit stattfinden und ein auswärtiger Rabbiner herbeigerufen werden. [...] Zuerst bettelt man das Land auf und ab um einiger Taler und dann will man doch in Nichts Anderen nachstehen und meidet überflüssige Kosten nicht".

An der Einweihung der neuen Synagoge am 28. Oktober 1853 nahmen viele christliche Ehrengäste teil, die Festrede hielt der Ansbacher Distriktsrabbiner Aaron Bär Grünbaum (1812-1893). Das streng nach Osten ausgerichtete, rechteckige Gotteshaus bestand aus einem Betsaal für die Männer, dem ein schmaler Vorsaal im Westen vorgelagert war. Zwei Treppenhäuser links und rechts erschlossen die Frauenempore im Obergeschoss, die den Saal an drei Seiten umzog. Trotz des engen Budgets und die Beschränkung auf lokales Baumaterial blieb die Ausstattung sorgfältig aufeinander abgestimmt. Bürklein war es wichtig, wie er selbst schrieb, dass sich die orientalische Gestaltung an der Fassade auch im Inneren fortsetzte: Aufgemalte Intarsien, teppichartige Muster in den Farben Violett, Grün und Gelb sowie filigrane Holzarbeiten im maurischen Stil machten aus der Synagoge Heidenheim ein einzigartiges Gesamtkunstwerk.

Von ihr blieb nach der Pogromnacht 1938 nur eine ausgebrannte Ruine. Sie kam in den Besitz der Ortsgemeinde und wurde an die bayerische Zentral-Darlehenskasse veräußert. Mit dem abgeschlagenem Fassadenschmuck füllte man einen Hohlweg im Staatswald bei Kreuthof. Nach 1945 ließ die Darlehenskasse das Gebäude wiederherstellen, welches dann als Lagerhaus für die BayWa diente. 1988 wurde das Gebäude endgültig abgerissen und an seiner Stelle ein Parkplatz der örtlichen Raiffeisenbank angelegt.

Literatur

  • Cornelia Berger-Dittscheid: Heidenheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 372-382.
  • Bürklein Eduard: Synagoge Heidenheim - Pläne, in: Allgemeine Bauzeitung 17 (1854), S. 636-638.