Jüdisches Leben
in Bayern

Großostheim Synagoge

Die jüdische Gemeinde traf sich anfangs in Privathäusern zum Gottesdienst. 1758 wird ein Betraum im Haus des Marx Isac genannt. Sein Standort ist nicht bekannt. Die Judenschaft von Großostheim wurde aber bereits zuvor, Ende des Jahre 1753, im Auftrag des Mainzer Landesrabbiners zur Einhaltung der gesetzmäßigen Bestimmungen für die Toralesungen ermahnt. Ab 1779 wird ein Gottesdienstraum im Hausanbau des jüdischen Bürgers "Mordge" erwähnt. 

Der Mainzer Kurfürst Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal (1774‒1802) erlaubte der Kultusgemeinde Großostheim 1779 die Errichtung einer neuen Synagoge. Deren Realisierung war jedoch mit großen Schwierigkeiten verbunden. Mehrere ins Auge gefasste Objekte und Grundstücke erwiesen sich als nicht geeignet. Erst nachdem der Synagogenvorsteher Herz Mordge das Haus seines Bruders Jakob Mordge mit dem daran anschließenden Betsaal erworben hatte, kam das Bauvorhaben 1787 in Gang. Der alte Betsaal wurde abgerissen und an seiner Stelle das neue jüdische Gotteshaus als Fachwerkbau auf quadratischem Grundriss errichtet (Plan-Nr. 300a, heute Rückgebäude Breite Straße 53). Im einstigen Anwesen des Bruders wurde im Erdgeschoss die Wohnung des Vorsängers eingerichtet. Als im jüdischen Gotteshaus im Jahr 1868 Reparaturen notwendig geworden waren, konnte die finanziell sehr schlecht gestellte Kultusgemeinde die Kosten dafür nicht aufbringen. Erst die Einnahmen aus einer Kreiskollekte bei den Kultusgemeinden in Unterfranken und Aschaffenburg ermöglichten die Maßnahme.

Im Zuge des Novemberpogroms 1938 wurde das Innere der Synagoge völlig demoliert; ein jüdischer Gottesdienst konnte danach nicht mehr stattfinden. 1943/44 hat man im Gebäudekomplex von Gemeindehaus und Synagoge Kriegsgefangene untergebracht. 1946 befand sich die Synagoge laut Aussage des damaligen Bürgermeisters in "baulich gutem Zustand". Für eine neue Nutzung als Kultstätte hätte der Innenraum allerdings renoviert werden müssen. Über die weitere Geschichte des Gebäudes gibt es keine Nachrichten. Heute werden das ehemalige jüdische Gemeindehaus in stark modernisiertem Zustand als Wohnhaus genutzt.

 

(Christine Riedl-Valder)

Adresse / Wegbeschreibung

Hinterhof des Gebäudes Breite Straße 53,

Das ehemalige Synagogengebäude ist nur durch das Tor des Hauses Breite Straße 53 zu erreichen.

Literatur

  • Axel Töllner / Cornelia Berger-Dittscheid: Großostheim. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade, Lindenberg im Allgäu 2015, S. 83-91.