Da 1736 nachweislich bereits sieben jüdische Familien in Dittlofsroda lebten, darf man davon ausgehen, dass sie sich zum gemeinsamen Gebet in einem Privathaus trafen. Über eine Synagoge gibt es erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts verlässliche Informationen. Die Brüder Hofmann schenkten der Kultusgemeinde 1795 den rückwärtigen Teil ihres Grundstücks. Darauf wurde ein Jahr später eine eingeschossige Synagoge mit massivem Sockel und Lehmfachwerk (Haus-Nr. 39, Plan-Nr. 73) errichtet. Für dieses Gebäude, über das sich weder Pläne noch historische Ansichten erhalten haben, musste die Kultusgemeinde Abgaben an ihren Schutzherrn leisten.
1871 ließ die jüdische Gemeinde mit Hilfe von Spenden eine Restaurierung ihrer Synagoge vornehmen. Laut einer Skizze der JRSO handelte es sich um einen rechteckigen Saal, der 6,70 m breit, 8,90 m lang und 5,20 m hoch war. Im Westen führte eine Vorhalle in den Betsaal, der 32 Männerstühle und auf einer Empore an der Nordseite (Zugang ebenfalls von Westen über eine Treppe) 18 Frauenplätze aufwies. Im Zuge dieser Maßnahme wurde das Gebäudefundament verstärkt und die Einrichtung modernisiert. Unter anderem wurde der reformierten Liturgie ein fest installiertes Gestühl (Subsellien) eingebaut. Im Laufe der 1870er Jahre gestaltete es sich aufgrund der vielen Abgänge jüdischer Familien immer schwieriger, die erforderliche Anzahl religionsmündiger Männer für den Gottesdienst aufzubringen. 1874 erhielt die Kultusgemeinde einen kleinen Mitgliederzuwachs aus Gräfendorf, der dabei half, den Minjan zu sichern. Ab dem frühen 20. Jahrhundert fanden nur noch selten Gottesdienste in der Synagoge statt. Trotzdem veranlasste die Kultusgemeinde 1912 die nötigsten Reparaturen an dem Gebäude, der Putz wurde ausgebessert, Wände und Gebetsstühle gestrichen. Auch 1928 hat man trotz schwieriger Finanzlage noch dringende Instandsetzungsarbeiten am Dach vorgenommen, um die Synagoge nicht völlig verfallen zu lassen. 1935 wurde sie ein letztes Mal renoviert. Mit Unterstützung durch bezahlte Minjan-Männer konnte man bis November 1938 abwechselnd in Völkersleier und in Dittlofsroda weiterhin an besonderen Feiertagen Gottesdienste feiern.
Am Abend des 10. November 1938 fielen rund 20 SA-Männer unter Leitung von Obertruppenführer Otto Weippert in Dittlofsroda ein. Sie teilten sich in mehrere Gruppen auf und zogen zu den Häusern der jüdischen Familien und zur Synagoge. Zahlreiche Schaulustige beobachteten, wie sie die Türen aufbrachen, die Fenster und die Inneneinrichtungen zerschlugen und den Hausrat sowie die Vorräte vernichteten. Das Mobiliar aus der Synagoge wurde auf dem Dorfplatz verbrannt. Wegen der engen Bebauung wagte man es nicht, auch den Sakralbau anzuzünden. Die im Innern zerstörte Synagoge konnte nicht verkauft werden, da auf ihr noch eine Hypothek lastete und sich die Besitz- und Verkehrsverhältnisse kompliziert gestalteten. Ab Juli 1942 war die Reichsvereinigung der Juden offizieller Eigentümer des Gebäudes. Ein Nachbar benutzte einen angrenzenden Raum ab Juni 1939 als Holzlager. Der Besitzer des Vorderhauses (Haus-Nr. 35a) mietete den einstigen Sakralbau ab April 1944 und nutzte ihn ebenfalls als Lager.
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die ehemalige Synagoge weiterhin als Holzlager. 1950 erwarb der Nachbar das Haus von der JRSO. Er ließ den Fachwerkbau in den 1970er Jahren abreißen. Von dem einstigen jüdischen Kultbau blieben nur noch Reste des Sockelfundaments übrig, die nun teilweise die Umfassungsmauer für einen Garten bilden. Das Grundstück, auf dem die Synagoge von Dittlofsroda stand, befindet sich heute hinter den Garagen zwischen den Häusern Zum Schondratal 2 und 8.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Dittlofsroda. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 114-129.
