Jüdisches Leben
in Bayern

Burgebrach Synagoge

Der Betsaal beziehungsweise die Synagoge der jüdischen Gemeinde lag wohl spätestens im 18. Jahrhundert im Obergeschoss des Anwesens Nr. 20 an der Ecke zur Zipfelgasse (heute Hauptstraße 23). Das Gebäude stammt im Kern vom Ende des 17. Jahrhunderts. Nach dem Eintrag im Grundsteuerkataster von 1848 war diese Synagoge "unfürdenklicher Besitz" der jüdischen Gemeinde. Sie bestand "aus zwey Zimmern hinten hinaus" (Guth), wobei ein kleiner, mit einem Holzgitter abgetrennter Nebenraum als Frauenabteilung diente. Der Hauptraum soll ein blaues Gewölbe gehabt haben, an der Ostwand befand sich in einer Nische der Aron ha-Kodesch. Diese Informationen basieren jedoch nur auf einer mündlichen Überlieferung.

Die jüdische Gemeinde besaß am Gebäude nur ein Drittel. Der Rest gehörte einem jüdischen Privatmann, und erst 1858 ging das Anwesen für 600 Gulden vollständig in Gemeindebesitz über. Obwohl Burgebrach seit 1826 der Sitz eines Distriktsrabbiners war, wurde diese Ehre wohl eher als Last empfunden: Die Gemeinde stellte weder eine angemessene Rabbinerwohnung zur Verfügung, noch ist von einem Synagogenumbau, geschweige denn von einem Neubau die Rede. Ein Hauptgrund war wohl auch die schwierige finanzielle Situation der Burgebracher Juden. Die Zusammenlegung mit der Gemeinde Reichmannsdorf im Jahr 1907 konnte den durch Wegzug und Auswanderung beschleunigten Niedergang der Gemeinde Burgebrach nicht aufhalten. Als 1926 der Verkauf der Räumlichkeiten zur Sprache kam, waren diese schon "seit langer Zeit" nicht mehr als Betsaal genutzt worden, Tora-Rollen und -Vorhänge sowie Bücher jedoch noch vorhanden. Der Versuch, die Synagogeneinrichtung dem Bamberger Museum zu übertragen, scheiterte am Widerstand des Bamberger Rabbiners [sic!], der ihr jeden historischen oder künstlerischen Wert absprach. Im März 1927 wurde das Synagogengebäude für 6000 Mark verkauft und umgebaut. Von der ursprünglichen Verwendung ist heute nichts mehr erhalten.


(Patrick Charell)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Hauptstraße 23, 96138 Burgebrach

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 211.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 122f.