Jüdisches Leben
in Bayern

Baiersdorf Synagoge

Im 1530 fertig gestellten und in einer Abschrift aus dem Jahr 1642 erhaltenen „Landbuch über das Schlos, Marckt und Ambt Bayersdorff“ wird nicht nur der Friedhof das erste Mal urkundlich erwähnt, sondern auch eine „Juden Schuel“ sowie ein Baiersdorfer Ortsbewohner namens „Izing Jud“, dem ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht gewährt wurde. Ob es sich bei dieser „Schule“ bereits um jene Synagoge gehandelt hat, die während einer Brandschatzung des Ortes im Dreißigjährigen Krieg ein Raub der Flammen wurde, ist unklar. Auch der Standort dieses frühen Gotteshauses – oder war es ein Betsaal in einem Privathaus? – bleibt im Dunklen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die Synagoge wieder aufgebaut oder gleich neu errichtet. Auch hier fehlen zwar verlässliche Quellen, aber da Baiersdorf im Jahr 1702 zum Haupt- und Verwaltungszentrum aller jüdischen Gemeinden des Fürstentums gewählt wurde, muss es bereits ein funktionstüchtiges Gotteshaus gegeben haben. Es war sicherlich in unmittelbarer Nähe des Friedhofes zu finden, vielleicht sogar an derselben Stelle wie der spätere Neubau.

Anfang des 18. Jahrhunderts kaufte die jüdische Gemeinde ein Grundstück in der heutigen Judengasse 14 und baute dort das Haus Nr. 146 als gemeinsame Wohnstätte für Rabbiner und Vorsänger. Direkt daneben wurde nach Abriss eines älteren Gebäudes eine neue Synagoge errichtet und am 14. September 1711, dem jüdischen Neujahrsfest eingeweiht. Während Hoffaktor Samson Salomon sämtliche Baukosten trug, stiftete seine Schwägerin Glikl bas Judah Leib (1645-1724, fälschlich auch als Glückel von Hameln bekannt) den kostbaren Vorhang am Toraschrein. Dieser wurde am 25. Mai 1937 in die Synagoge Bamberg verbracht, wo sich seine Spur verliert.

Der Bau wurde ganz bewusst als geistliches Zentrum des Judentums von Brandenburg-Bayreuth geplant und war entsprechend stattlich. Sein Vorbild beeinflusste die Architektur weiterer Synagogen in der Region. Von außen war die Architektur schlicht, es waren vor allem zwei Details auffallend: Das Portal mit dem Zugang zur Frauenabteilung, durch ein Giebelornament hervorhoben und am Türsturz mit dem Steinrelief einer Rose geschmückt; und ein vergoldeter Dachreiter mit Kugel und sechszackigem Stern, der das Gebäude symbolisch erhöhen sollte. Die Ostseite der Synagoge grenzte unmittelbar an den jüdischen Friedhof an. Im Inneren bildete der marmorierte Toraschrein durch sein hohes, geschwungenes Gebälk das Zentrum der Blickachse. Über dem Parochet war eine Stiftertafel angebracht, die in hebräischer Schrift an eine Renovierung der Synagoge 1802 und an die Erneuerung des Gestühls 1842 erinnerte. In Zuge dieser Sanierung wurden auch die Bima und das nebenstehende Predigerpult eingebaut. Zur Synagoge gehörte ein Ritualbad an der Westseite, das wohl aus dem 19. Jahrhundert stammte. Eine weitere Mikwe befand sich im Rabbiner- bzw. Gemeindehaus, eine dritte in Haus Nr. 70 (heute Hauptstraße 12). Nördlich der Synagoge stand das Taharahaus mit einem Betsaal im ersten Stock.

Während der Novemberpogrome wurde die Synagoge schwer beschädigt, der Dachreiter mit dem Stern herabgeholt, die Innenrichtung zerstört und das Dach beschädigt. Teile des Gebäudes wurden unmittelbar danach mit dem Hinweis auf seine Baufälligkeit abgerissen, die Reste schrittweise gesprengt und bis zum 9. Januar 1939 abgetragen.

Das Grundstück wurde nach 1945 mit einem Wohn- und Geschäftshaus neu bebaut und 1986 eine Gedenktafel angebracht. 


(Patrick Charell)

Adresse / Wegbeschreibung

Judengasse 10 (Gedenktafel), 91083 Baiersdorf

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Baiersdorf. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 29-38.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 49-57.