Jüdisches Leben
in Bayern

Leopold Ullstein Verleger

geb. 06.09.1826, Fürth
gest. 04.12.1899, Berlin (?)

Wirkungsort: Fürth | Berlin

Leopold Ullstein startete seine Karriere mit einer kaufmännischen Lehre in der väterlichen Papiergroßhandlung, die in Nachbarschaft zur Synagoge in Fürth, dem "fränkischen Jerusalem", lag. Danach führte er zusammen mit seinen beiden Brüdern den Familienbetrieb erfolgreich weiter. 1855 machte er sich in Berlin mit einer eigenen Firma selbständig.Er begann sich politisch zu engagieren und wurde 1872 als Liberaler in die Stadtverordnetenversammlung der neuen Reichshauptstadt gewählt. 1877 ging er unter die Zeitungsverleger und baute in den Folgejahren ein einflussreiches und bedeutendes Verlagsimperium auf. Ullstein hatte das Ziel, politisch unabhängige Zeitungen herauszugeben, die die Macht des preußischen Obrigkeitsstaates beschränken sollten. Reichskanzler Otto von Bismarck versuchte mit zahlreichen Strafanträgen den Einfluss der liberalen Presse zu schmälern; Leopold Ullstein wusste sich aber zu behaupten. Der Ullstein-Verlag war ab den 1890er Jahren das wichtigste Sprachrohr bürgerlich-liberaler Politik. Neue Ideen trugen sehr zum Umsatz der Firma bei. Mit "Der heitere Fridolin" erschien im Verlag die erste deutsche Kinderzeitschrift. Sehr gefragt waren auch Modezeitschriften, zum Beispiel unter dem Slogan "Sei sparsam Brigitte, nimm Ullstein-Schnitte". Beim Tode des Gründers 1899 beschäftigte das Unternehmen bereits 1600 Menschen. Mit Leopold Ullstein starb 1899 ein Unternehmer, dem es gelang, im preußischen Obrigkeitsstaat liberale Gesinnung und Meinungsvielfalt unter die Leute zu bringen. Seine fünf Söhne führten den Verlag erfolgreich fort.

GND: 12463589X
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