Eine kleine jüdische Gemeinde bestand in Unterleichtersbach schon im späten 18. Jahrhundert. 1792 wird eine "Judenschule" erwähnt. Im Jahr 1806 gab es nur drei jüdische Familien: Moses Joseph mit Frau und vier Kindern, Moses Isaak mit Frau und fünf Kindern, Abraham Isack mit Frau und acht Kindern. Mit Einführung des Bayerischen Judenedikts 1813 erfassten die Beamten sieben jüdische Haushalte. Mit neu angenommenen Familiennamen waren dies Abraham Isaak Strauß (privilegierter Makler), Israel Abraham Strauß (Handel mit Schnittwaren und Mobilien), Feibel Abraham Strauß (Handel mit Schnittwaren), Beierle die Witwe von Joseph Kaufmann (Handel mit Schnittwaren), Viktor Moses Kaufmann (Handel mit Schnittwaren), Joseph Moses Kaufmann (Handel mit Schnittwaren) und Moses Isaac Kahn (kleiner Warenhandel).
Im benachbarten Oberleichtersbach wird auf einer Matrikelstelle Gelle, die Witwe von Koppel Hahn genannt, die sich durch Betteln ihren Lebensunterhalt besorgen musste. Bei dieser Liste fällt auf, dass der Handel mit Textilien überwiegt und im kleinen Dorf wohl ausschließlich von Juden betrieben wurde. Bis 1832 wuchs die Gemeinschaft (Jischuw) auf 36 Personen an, 1840 waren es 40. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen die jüdischen Familien nach und nach in größere Ortschaften oder wanderten ins Ausland ab. 1871 löste sich die Gemeinde schließlich auf, die wenigen verbliebenen Mitglieder schlossen sich der IKG Bad Brückenau an. Bereits im Jahr 1875 lebten keine Jüdinnen und Juden mehr im Ort.
Für die jüdischen Viehhändler in der Umgebung blieb aber bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das "Gasthaus zum Hirschen" ein geschäftlicher Treffpunkt. Das Gasthaus lag an der Hauptstraße zwischen Hammelburg und Bad Brückenau mit den Abzweigungen nach Schondra und Detter. Unterleichtersbach gehörte bis 1892/93 zum Bezirksrabbinat Gersfeld, danach zum Distriktsrabbinat Bad Kissingen. Die Toten wurden auf dem jüdischen Friedhof Friedhof in Pfaffenhausen beigesetzt. Von den in Unterleichtersbach geborenen oder längere Zeit am Ort wohnhaften Jüdinnen und Juden starben Wilhelmine Binheim geb. Kaufmann (München), Ida Kaufmann (München) und Joseph Kaufmann (Brückenau) in der Shoah.
Bevölkerung 1840
Literatur
- Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 97 u. 264.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 128.
- Max Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt. München 1840, S. 426.
