Die ersten jüdischen Familien wohnten 1597 unter dem Schutz der Herren von Redwitz in Trunstadt. Die Namen werden mit Abraham Jud, Jacob Jud und Schmol Jud angegeben. Weitere drei Namen sind in dieser Quelle von späterer Hand nachgetragen. Aus einer Pfarreibeschreibung von 1760 geht hervor, dass es neun jüdische Familien mit einer Synagoge in Trunstadt gab. Die nächste Notiz stammt von 1779, als sich die Trunstadter Juden mit anderen umliegenden Gemeinden an Fürstbischof von Würzburg und Bamberg wandten. Sie baten um Handelsfreiheiten in Bamberg, allerdings ohne sich dem dortigen Landesrabbinat anschließen zu müssen.
Die volle Handelsfreiheit in Bamberg konnten sie allerdings erst 1780 durch den geforderten Anschluss an das Rabbinat Bamberg erreichen. Trunstadt gehörte nach der Neuordnung im Königreich Bayern dem Distriktsrabbinat Burgebrach an und beteiligte sich an den Kosten für den Rabbiner. Da der Gottesdienst zwischen Trunstadt und Viereth wöchentlich wechselte, übernahm meist ein Lehrer auch das Vorsängeramt. Der Religionsunterricht wechselte bereits seit 1835 vierteljährlich zwischen den beiden Orten. Die Schule selbst lag im ersten Stock des Synagogengebäudes. Die Judenmatrikel vom Beginn des 19. Jahrhunderts wiesen fünfzehn Stellen aus. Die meisten waren im Handel mit Vieh, Hausiergüter und Spezereien tätig. Auffallend ist in der Folgezeit eine Abwendung von der Handelstätigkeit und eine Hinwendung zum Handwerk. 1816 konnte der Bankier Jakob Hirsch aus Würzburg von der Familie Aretin das Schloss in Trunstadt erwerben. 1818 erreichte Hirsch gegen viele Widerstände die Nobilitierung. Die letzten Besitzer Nathan Stern und Sußmann Silbermann verkauften schließlich das Schloss an die Kommune Trunstadt.
Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war auch die zahlenmäßig stärkste Zeit der jüdischen Gemeinde. 1824 machte sie mit 80 Mitgliedern etwa 14 Prozent der Einwohner von Trunstadt aus. Wie viele andere Landgemeinden war auch sie in den nächsten Jahrzehnten von der großen Aus- und Abwanderungswelle betroffen. Deshalb schlossen sich 1891 die drei Gemeinden Trunstadt, Viereth und Bischberg zusammen. Der Sitz der Gesamtgemeinde sollte in Trunstadt sein. Geplant war, dass der Gottesdienst abwechselnd in den drei Synagogen stattfinden, der Unterricht jedoch in jeder Gemeinde separat stattfinden sollte. Angesichts der stark zurückgehenden Schülerzahlen war dies jedoch eine illusionäre Vorstellung. Folgerichtig wurde 1907 der verbliebene Immobilienbesitz der Gemeinde, also das Synagogengebäude und die Mikwe, nach Bamberg übertragen. 1925 ergab die Volkszählung, dass kein Jude mehr in Trunstadt wohnte.
Von den in Trunstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Leo Brand (1875), Jonathan (Jonas) Hess (1871), Ida Stein geb. Punfud (1878), Isaak Traub (1881).
Bilder
Bevölkerung 1875
Literatur
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 237.
- Klaus Guth : Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 308-318.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 127.
