Jüdisches Leben
in Bayern

Steinbach Gemeinde

Das Dorf gehörte zur Herrschaft der Freiherren von Hutten-Stolzenberg. Im Jahr 1740 lebten hier vier jüdische Familien. In den 1760er Jahren ließ die Ortsherrschaft ein Gebäude errichten, in dem sich Mietwohnungen für die jüdischen Familien sowie ein jüdischer Betsaal befanden. Die ansässigen Geschäftsleute nutzten die Nähe zur kurmainzischen Stadt Lohr, wo Juden eine Niederlassung verboten war, um dort Handel zu treiben. 

1817 wurden für Steinbach im Rahmen des bayerischen Judenedikts elf Matrikelstellen festgelegt. Diese elf hier sesshaften jüdischen Familien umfassten rund 60 Personen; 1834 waren es nur mehr 45 Personen. Für ihren Betraum im sog. "Steinbacher Judenhof" mussten sie an ihre Herrschaft Miete bezahlen. Steinbach war bis 1848 Sitz eines Hutten`schen Patrimonialgerichts und gehörte dann zum Bezirk des Landgerichts bzw. Bezirksamts Karlstadt. Der Kultusgemeinde gehörten bis 1864 auch die Juden in Lohr an, bevor diese eine Gemeinde gründeten. Steinach gehörte dem Distriktsrabbinat Aschaffenburg an und begrub die Verstorbenen in Laudenbach. Nachdem der Matrikelparagraph 1861 abgeschafft worden war, zogen viele Familien nach Lohr um. Das jüdische Leben verlagerte sich zusehends in die wirtschaftlich attraktivere Kleinstadt, 1871 lebten nur mehr 37 Jüdinnen und Juden in Steinbach. Nach dem Tod des Lehrers und Vorsängers Lazarus Eisemann 1889 konnte kein Minjan mehr am Ort gebildet werden. Die letzten jüdischen Einwohner von Steinbach wurden daher 1896 der IKG Lohr a. Main eingegliedert. Auch das Vermögen sowie einzelne Kultusgegenstände der aufgelösten Steinbacher Judengemeinde gingen an die Lohrer Gemeinde über.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Hans Schlumberger / Cornelia Berger-Dittscheid: Lohr mit Steinbach. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 257-271.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 201.