Der jüdische Friedhof liegt an einem Bergrücken über Laudenbach. Er wurde nach neuesten Erkenntnissen bereits um 1600 angelegt. Ein Totengräber ist für 1655 belegt. 1873/74 wurde eine Friedhofsmauer errichtet. Neben dem Eingang befindet sich ein Schutzunterstand in Fachwerkausführung. Ein Tahararaum befand sich in der Laudenbacher Synagoge. Friedhofserweiterungen fanden in den Jahren 1831, 1850, 1873 und 1908 statt. Mit einer Größe von über 16.000 qm ist der Laudenbacher Friedhof die zweitgrößte historische jüdische Begräbnisstätte in Unterfranken. Nach mehrfachen Schändungen, die erste bereits 1865, sind heute noch insgesamt 2447 Grabsteine erhalten. 1941 kam es zur letzten Beisetzung. Eine digitale Bestandsaufnahme wurde in den Jahren 2022-2023 vom Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege erarbeitet. Eine Gräberkarte und alle Grabsteinfotos sind auf https://bet-olam-bayern.de abrufbar.
Lage: Bergrücken über Laudenbach.
Größe: 16.140 qm; 2447 erhaltenen Grabsteine, umlaufende Mauer mit 645 Meter Länge, vier Tore. Der Friedhof ist in verschiedene „Abteilungen“ gegliedert.
Alter: Um 1600. Erste schriftliche Erwähnung im Jahr 1630 (Staatsarchiv Wertheim G-Rep. 57/1 Laudenbach Nr. 13). Ein Totengräber ist im Jahr 1655 bezeugt (Staatsarchiv Würzburg Admin 416 / 8318). 1873/74 wurde der Friedhof mit einer Steinmauer umgeben. Eine erste schriftlich belegte Erweiterung erfolgte im Jahr 1831, eine zweite im Jahr 1850, die dritte Vergrößerung wurde im Zuge der Ummauerung des Friedhofsgeländes im Jahr 1873 durchgeführt. Bei der vierten und letzten Erweiterung im Jahr 1908 bekam der Verbandsfriedhof seinen heutigen Umfang.
Einzugsbereich: Als Verbandsfriedhof von über 25 Gemeinden belegt. Als Eigentümer waren zeitweise 16 Gemeinden eingetragen, unter anderen die Israelitischen Kultusgemeinden Adelsberg, Hessdorf, Lohr, Urspringen, Gössenheim, Veitshöchheim und Laudenbach im Grundbuch.
Beerdigungen: Auf den unterschiedlich großen Grabfeldern stehen die meist erheblich verwitterten Sandstein-Mazzewot in durchgehenden Reihen und zum Teil auch verstreut. Auffallend ist eine Gräberreihe im alten Teil des Friedhofs in einem abgelegenen Waldstück, auf dem während der Nazizeit Beerdigungen stattfanden, wohl um die Gräber vor Schändungen zu schützen. Die letzte Beisetzung fand im Januar 1941 statt (Julius Rotfeld aus Urspringen).
Besonderheiten: Bei dem Fachwerkhaus auf dem Gelände des Friedhofs handelt es sich nicht um ein Taharahaus, sondern um eine im Jahr 1900 gebaute Schutzhütte, in die sich Besucher des Friedhofs bei Sprengungen im nahegelegenen Steinbruch zurückziehen konnten (Stadtarchiv Karlstadt Kar-LB 028/16 1892 – 1907).
In der Gemeinde existierte eine Chewra Kaddischa.
Schändungen: Juni 1865. Während der Zeit des Nationalsozialismus und nach Kriegsende wurde der Friedhof schwer beschädigt. Die Wiederaufstellung der Grabsteine und die würdige Wiederherstellung des Friedhofs dauerte mehrere Jahrzehnte bis ca. 1980, unterbrochen von wiederholten Schändungen.
Dokumentation: Eine Grabsteinliste und eine Fotodokumentation des Friedhofs Laudenbach wurde im Jahr 2022 bis 2024 vom Förderkreis ehemalige Synagoge Laudenbach e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege erarbeitet. (digital abrufbar unter https://bet-olam-bayern.de)
Fotodokumentation "Steinerne Zeugnisse":
Israel Schwierz hat uns großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation "Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern" überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
97753 Karlstadt
Von Karlstadt kommend die Hauptstraße rechts vor der Kirche verlassen, bergauf Richtung "Schützenhaus", ca. 200m nach Abzweigung zum Schützenhaus, an der man links vorbei fährt, befindet sich der Eingang zum Friedhof.
Literatur
- Christoph Sabatzki: Für alle Zeiten. Aktuelle Konservierungsstrategien zu Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen in Bayern. In: Denkmal Information Bayern 181 (2023), S. 20-25.
- Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Unterfranken. Petersberg 2010, S. 106-111.
- Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (20) [Neumarkt, Karbach, Laudenbach, Reistenhausen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 13, Nr. 77 (September 1998), S. 29-31.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 90-92.
- Landkreis Main-Spessart (Hg.): "… auf höhere Weisung abgewandert". Leben und Leiden der Juden im Landkreis Main-Spessart. Karlstadt 1990, S. 35-38.
- Schirmer, Georg: Streiflichter zum jüdischen Friedhof in Laudenbach. In: Nöth, G., Schaupp, M., Pulverich, M. (Hrsg.): Erforschen und Gestalten. Festschrift für Leonhard Scherg, Marktheidenfeld 2024, S. 321-338.
Weiterführende Links
- Fotodokumentation von Gerd Brander und Walter Hörnig 2013
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern)
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (Alemannia Judaica)
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)
- Dokumentation des jüdischen Friedhofs Laudenbach (BR 18.11.2020)
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (TV Mainfranken 13.1.2021)
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (Stadt Karlstadt)
- Jüdischer Friedhof Laudenbach (Bayerischer Denkmal-Atlas)
