In Schwabmünchen gab es bis in die Gegenwart nur vereinzelt jüdische Einwohner, die im Ortsbild keine Spuren hinterlassen haben. Im Zweiten Weltkrieg wurde Schwabmünchen das Ziel alliierter Fliegerangriffe, die ein Viertel des Ortes vollständig zerstörten. Am 24. April 1945 konnte die US-Armee kampflos einrücken. Im Frühjahr 1946 richtete sie gemeinsam mit der UNRRA eine Anlaufstelle für jüdische Displaced Persons aus den befreiten Arbeits- und Todeslagern ein. Dafür wurde Wohnraum im Ort beschlagnahmt, zumeist von Personen, die sich in der NS-Zeit belastet hatten. Unter dem gewählten Vorsitz Waldemar Syrkus verwalteten sich die DPs größtenteils selbstständig. Ein Gemeindezentrum befand sich in der Hindenburgstraße (heute Fuggerstraße 34). Im März 1946 bestand die Gemeinde aus 37 Personen, wuchs bis November auf 41 und hatte im Sommer 1947 etwas über 50 Mitglieder. Ihre Zahl verdoppelte sich, als die ebenfalls kleine jüdische DP-Gemeinde in Kaufbeuren mit Schwabmünchen zusammengelegt wurde. Im Mai 1948 lebten 106 jüdische DPs im Ort; nach der Gründung des Staates Israel wanderten sie jedoch nach und nach aus, die Gemeinde löste sich 1949 auf und die Wohnungen gingen an ihre ursprünglichen Besitzer zurück. Über soziale Einrichtungen wie Sport- oder Kulturvereine, ein Betsaal usw. ist derzeit nichts bekannt. Vielleicht nutzten die DPs zu besonderen Anlässen die Einrichtungen in Augsburg. Fast nahtlos ersetzten Heimatvertriebene aus den abgetrennten deutschen Ostgebieten die ausgewanderten DPs. Durch ihren Zuzug wuchs die Bevölkerung so stark an, dass Schwabmünchen 1953 vom Markt zur Stadt erhoben wurde.
Jüdisches Leben
in Bayern
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