In der geschichtsträchtigen Stadt Neunburg vorm Wald gab es nach derzeitigem Wissenstand niemals eine jüdische Gemeinde oder eine nennenswerte jüdische Geschichte; erst ab dem späten 19. Jahrhundert erfasst die amtliche Statistik wenige jüdische Einzelpersonen/Familien, die im 20. Jahrhundert wieder abwanderten oder auch von der NS-Diktatur vertrieben wurden. Von einem Todesmarsch befreite KZ-Häftlinge aus Flossenbürg waren die Gründer der jüdischen Gemeinde Neunburg. Auf Befehl der US-Armee musste die deutsche Zivilbevölkerung die zahlreichen ermordeten Juden in Särgen würdig bestatten.
Die US-Militärverwaltung und die UNRRA richteten im Stadtgebiet von Neunburg eine Sammelstelle mit Unterkünften für jüdische "Displaced Persons" (DPs) ein, die aus den befreiten Lagern der NS-Diktatur kamen. Dafür beschlagnahmten sie privaten Wohnraum und den Gasthof "Goldener Adler" (Hauptstraße 129), wo sich der Verwaltungssitz der DP-Gemeinde mit Sozialräumen und einem Betraum befand. Eine Berufsschule in der Kirchenstraße 171 ermöglichte es den DPs, sich auf ein neues Leben in Palästina oder in Übersee vorzubereiten. Die Gemeinde verwaltete sich nach dem üblichen Muster in weiten Teilen selbstständig und wurde durch die UNRRA versorgt. Die Gemeindemitglieder wählten dafür ein Komitee unter dem Vorsitz von B. Krzywanowski und D. Gruenblatt. Bereits im November 1945 lebten 168 Jüdinnen und Juden in Neunburg, im Juli 1947 wurde nach leichten Schwankungen mit 182 der Höchststand erreicht. Ab diesem Zeitpunkt wurden es wieder weniger, und diese Tendenz verstärkte sich mit der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948. Zwar wurde ab 1948 auch die DP-Gemeinde in Bruck von Neunburg aus mit verwaltet, dennoch sanken die Mitgliederzahlen durch Auswanderung und Umverteilungen immer weiter. Im Lauf des Jahres 1951 wurde die Gemeinde aufgelöst, die Gebäude gingen an ihre Besitzer zurück.
Bevölkerung 1910
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 289f.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 116.
