Jüdisches Leben
in Bayern

Mönchberg Gemeinde

In Mönchberg bestand wohl seit dem späten 18. Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde; die Ursprünge sind nach aktuellem Forschungsstand nicht bekannt. Bis heute erinnern ein "Judenpfad" (ein Gehweg im alten Ortskern) sowie der Flurnamen "Judengrube" in ihre Existenz. Im Staatsarchiv Würzburg findet sich von 1807 die "Bitte der angesessenen Juden zu Mönchberg um die Erlaubnis, von den dortigen Nachbarn Losholz kaufen zu dürfen“. Bei der Erstellung der Matrikellisten im Jahr 1817 wurden drei Hausväter mit ihren Familien erfasst: Eisik Gerson Mannheimer (Viehhandel), Jacob Bonum Mannheimer (Warenhandel, Schutzbrief von 1810) und Maier Gerson Mannheimer (Viehhandlung, "seit 39 Jahren in Schutz, ohne Urkunde").   

Die Gemeinde war dem Distriktsrabbinat Aschaffenburg zugeteilt, die Verstorbenen wurden auf dem Verbundfriedhof in Reistenhausen beigesetzt. In einem der Privathäuser gab es vermutlich einen Betraum. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - gemeinsam für die in Eschau, Sommerau, Hobbach und Mönchberg lebenden jüdischen Personen - ein Lehrer angestellt, der auch als Vorbeter und Schochet tätig war. Von 1884 bis zu seiner Auswanderung 1937 wirkte Leopold Lehmann in den genannten Orten (mit Sitz in Eschau). Durch die allgemeine Tendenz der Landflucht und Abwanderung schrumpfte die Gemeinde und musste sich um die Jahrhundertwende endgültig auflösen. Im Jahr 1924 gehörten die vier letzten in Mönchberg lebenden jüdischen Mitbürger zur IKG Eschau-Sommerau. Max Fromm, 1905 in Mönchberg geboren, wurde 1942 von Frankfurt a.M. aus deportiert und 1944 ermordet.

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 102.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 209.
  • Staatsarchiv Würzburg, MRA LG 6105.