Jüdisches Leben
in Bayern

Horb am Main Gemeinde

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts dürften in Horb jüdische Einwohner gelebt haben. Am 16. September 1677 erhielt Isaias aus Horb vom Bamberger Fürstbischof einen Schutzbrief zur Niederlassung in Lichtenfels. Die jüdischen Einwohner Horbs unterstanden den Freiherrn von Redwitz zu Redwitz und den Freiherrn zu Künßberg-Thurnau. Im 18. Jahrhundert ist von einer stabilen und relativ wohlhabenden Gemeinde auszugehen. Zwischen 1733 und 1735 stattete der Künstler Eliezer Sussmann die Betstube mit kunstvollen Dekorationen und Malereien aus (Horber Synagoge, heute im Israel Museum Jerusalem).

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten die jüdischen Einwohner mit 45 Personen fast 30 Prozent der Gesamtzahl des Dorfes. Die Matrikelaufstellung von 1824 weist 12 Matrikelstellen aus. Haupterwerbszweige waren Handel und Metzgerei. Aber bereits zur Jahrhundertmitte reduzierte sich die Zahl der jüdischen Gemeinde auf 28 Personen.1855 wurden nur noch neun jüdische Hausbesitzer nachgewiesen. Die Gemeinde gehörte zunächst bis 1862 dem Distriktsrabbinat Redwitz, dann dem Distriktsrabbinat Burgkunstadt an. Spätestens zu Beginn der 1860er-Jahre war die jüdische Gemeinde nicht mehr in der Lage, das Synagogengebäude für den Gottesdienst zu nutzen. Das Gebäude wurde 1864 verkauft und zu diesem Zeitpunkt dürfte sich auch die Gemeinde aufgelöst haben. Einige Familien zogen in das nahe gelegene Hochstadt a.Main, darunter die Kaufmannsfamilie Reuter. Ernestine Reuter (1870-1934), Tochter des Kaufmanns Abraham Reuter, kam in Horb zur Welt, wuchs aber in Hochstadt auf und leitete in Lichtenfels als erste Frauenrechtlerin in Oberfranken ein Komitee. Sie beteiligte sich unter anderem am III. Internationalen Frauenkongress in Wien 1921. Ihre Schwester Frieda Reuter (1861-1942) wurde 1944 in Theresienstadt ermordet.

1883 beklagte ein Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" dass in Horb nur noch eine jüdische Familie lebte; im Jahr 1912 starb mit dem 81jährigen Isaak Sommerend der letzte jüdische Einwohner.

Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 4), Nürnberg 2017.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 225.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. S. 205-216.