1675 werden in einem Verzeichnis des Hochstifts Würzburg mit dem Schutzjuden Hohnlein, seiner Ehefrau und drei Kindern erstmals in Hohenfeld ansässige Juden erwähnt. 1699 listet eine "Judenerhebung" des Kitzinger Amtskellers drei unter markgräflichem Schutz stehende Judenfamilien im Ort auf. Als 1763 zwanzig jüdische Familien aus dem benachbarten Kitzingen wegen einer Auseinandersetzung mit dem Würzburger Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779) um die Konversion eines jüdischen Mädchens zum Katholizismus vertrieben wurden, fand eine der Familien in Hohenfeld Zuflucht.
1817 schrieben sich in Hohenfeld bei der Erstellung der Matrikellisten acht jüdische Familienvorstände ein. Während Seckel Lehmann vom Pfannenflicken und sonstiger Handarbeit lebte, betätigte sich Mendlein Jacob Traugott als Schächter und Schmuser. Vom Schmusen lebten Abraham Samuel Dreyfuß, Benjamin Sußmann Huchtberger und Moses Alexander Ehrlich. Als Händler waren auch Joel Nathan Traugott, der Ellenwarenhandel betrieb, der Viehhändler Jeremias Sußmann Huchtberger und der Warenhändler Laemlein Alexander Hecht tätig. 1829 hatte sich die jüdische Kultusgemeinde Hohenfeld mit den umliegenden Schwestergemeinden erfolglos darum bemüht, die anderen Gemeinden der Region davon zu überzeugen, sich für Mainstockheim als Dienstsitz des gemeinsamen Distriktsrabbiners zu entscheiden. Die Verstorbenen wurden in Rödelsee beigesetzt.
1835 fungierte Baruch Forchheimer teilweise als Melamed und Chasan der Gemeinde, der diese Ämter auch in Marktbreit und Sickershausen ausübte. Im Jahr 1840 lebten noch 48 Juden im Ort. Weil aber die Zahl der Hohenfelder Gemeindemitglieder durch die allgemeine Abwanderungswelle deutlich zurückgingen, wurde die jüdische Kultusgemeinde nach 1864 aufgelöst. Genauere Informationen hierzu liegen bisher nicht vor.
Aus Hohenfeld stammten die am 21. Mai 1873 in Hohenfeld geborene Lina Hichberger und ihr am 30.Oktober 1874 ebenfalls in Hohenfeld geborener Bruder Moritz Hichberger. Die ledigen Kinder von Felix Fälklein Hichberger und der aus Kirchheim stammenden Philippine Hichberger, geborene Lichtenfeld lebten zusammen in einer Wohnung in der Oberen Bachgasse 26. Moritz Hichberger hatte das Schneiderhandwerk erlernt und wurde als Junggeselle oft von Kitzinger Familien zum Schabbat eingeladen. Bei dieser geselligen Anlässen sorgte seine Begeisterung für das Militär, die Hichbergers recht unsoldatischem Auftreten weniger entsprach, gelegentlich für Heiterkeit. Nachdem die Nationalsozialisten Hichberger zum Abschluss eines "Heimeinkaufsvertrags" gezwungen hatten, wurde sein Hausrat versteigert. Die Auktion erbrachte nur 105 Reichsmark. Am 23. September 1942 wurden die Geschwister von Würzburg nach Theresienstadt deportiert. Dort starben Moritz am 27. Dezember 1942 und seine Schwester Lina am 4. Februar 1943.
Am 25. Januar 2010 wurden für Moriz und Lina Hichberger in der Kitzinger Oberen Bachgasse 26 zwei Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus der Geschwister verlegt.
(Stefan W. Römmelt)
Bevölkerung 1840
Literatur
- Elmar Schwinger / Hans-Christoph Dittscheid / Hans Schlumberger: Kitzingen mit Hohenfeld und Sickershausen. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1039-1102.
- Max Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt. München 1840, S. 417.
