Jüdisches Leben
in Bayern

Mainstockheim Synagoge

Ein erster Hinweis auf eine Synagoge in Mainstockheim liegt für das Jahr 1833 vor, in dem eine Skizze der Israelitischen Schule mit einem allerdings in der Zeichnung ausgesparten Betsaal angefertigt wurde. 

Nachdem der jüdische Weinhändler Rafael Reinhard Mendel 1828 den ehemaligen Amtssitz des Klosters Ebrach in Mainstockheim erworben hatte, ließ er oder sein Sohn David wohl auch im ehemaligen Barockgarten vor 1850 eine Mikwe anlegen.

Im Frühjahr 1835 begann das Planverfahren für den Neubau eines multifunktionalen Gemeindezentrums, das genügend Platz für Schule, Synagoge und Gemeinde bieten sollte. Da der bayerische König Ludwig I. 1829 angeordnet hatte, dass ein in München ansässiger Baukunstausschuss alle Kostenvoranschläge und Baupläne für größere öffentliche Bauvorhaben begutachten musste, wurde der Mainstockheimer Bauplan im August 1835 in die Landeshauptstadt geschickt. Da der König den Bauplan zügig ohne Änderungen genehmigte, konnte die neue Synagoge bereits am 25. und 26. September 1836 eingeweiht werden.

Das zweigeschossige Gebäude war rund 12 Meter breit und rund 19 Meter lang. Das Äußere dominierten die übereinander in zwei Reihen angeordneten Rundbogenfenster, die typisch für den von Ludwig I. bevorzugten Rundbogenstil sind und sich an Vorbildern der Romanik und der Renaissance orientieren. Die Synagoge war dadurch zwar als öffentliches Gebäude, aber nicht als jüdisches Gotteshaus kenntlich gemacht, da sich der Rundbogenstil beispielsweise auch am evangelischen Pfarramt in Kitzingen findet.

Am 10. November 1938, wurde die Synagoge von auswärtigen und örtlichen Nationalsozialisten geschändet und geplündert. Die Torarollen blieben allerdings bis auf eine erhalten und wurden in der Gemeinde Mainstockheim zusammen mit dem Inventar der Synagoge bis 1940 verwahrt.

Die Paramente der Mainstockheimer Synagoge gelangten nach dem 2. Weltkrieg in die USA. 1955 erwarb die Diözese Würzburg die ehemalige Synagoge, die 1956 zur Kirche „St. Gumbertus“ umgebaut wurde. Von 2007 bis 2012 wurde das Gotteshaus umfassend renoviert.


Literatur

  • Schlumberger, Hans / Berger-Dittscheid, Cornelia: Mainstockheim, in: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Band III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries, Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1137-1157