1719 gründeten die jüdischen Gemeinden von Aschaffenburg, Goldbach, Mömmlingen, Großwallstadt, Niedernberg, Hausen und Hofstetten eine "Wohltätigkeits- und Beerdigungsvereinigung", die ihren Sitz in Aschaffenburg hatte. Damit dürfte die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Hofstetten in die letzten Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts bzw. in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zurückgehen. Die Toten der Gemeinde wurden im jüdischen Friedhof in Schweinheim beigesetzt. Die Ortsherrschaft wurde von den Grafen von Erbach ausgeübt.
Zahlen zur Größe der jüdischen Gemeinde liegen erst aus dem 19. Jahrhundert vor. Die Matrikel von 1817 nennen acht Familienvorständen. Dies dürfte etwa den 48 jüdischen Einwohnern entsprechen, die 1831 gezählt wurden. Zumindest bis in die 1860/1870er Jahre war die Gemeinde so stabil, dass sie einen eigenen Melamed beschäftigte, der auch als Schochet und Vorbeter tätig war. Noch 1894/1897 lebten in Hofstetten zwölf jüdische Familien mit gesamt 73 Personen. Zu dieser Zeit war die Gemeinde schon in engerer Verbindung mit der jüdischen Gemeinde des benachbarten Kleinwallstadt, da um 1888 der Lehrer aus Kleinwallstatt auch den Kindern in Hofstetten Religionsunterricht erteilte.1899 beschlossen die Gemeinden in Klingenberg am Main, Wörth am Main und Hofstetten, die Stelle eines Religionslehrers, Schächters und Kantors auszuschreiben, der für diese Orte zuständig sein sollte. Der Dienstsitz sollte in Klingenberg sein. Nach Angaben bei Israel Schwierz (*1943) bestand die jüdische Gemeinde Hofstetten bereits 1864 nicht mehr. Ab 1887 zählte das "Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" Hofstetten zusammen mit Großwallstadt als der jüdischen Gemeinde Kleinwallstadt zugehörig, obwohl in manchen Jahren teilweise mehr Jüdinnen und Juden in Hofstetten als in Kleinwallstadt lebten. 1892 fusionierte Hofstetten dann mit Großwallstadt in die IKG Kleinwallstadt. Bereits 1899 lebten nur noch 46 jüdische Einwohner in zehn Haushalten am Ort. Erst 1931 kam es zum offiziellen Beschluss des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, dass das Gebiet der IKG Kleinwallstadt auf das Gebiet der Gemeinde Hofstetten ausgedehnt wird.
1903 zählte Hofstetten noch 73 jüdische Einwohner, im Vergleich zu den 87 jüdischen Einwohnern von Kleinwallstadt. 1905 war dann mit den 38 jüdischen Einwohnern von Hofstetten der Rückgang deutlich zu sehen. Trotzdem erfolgte die offizielle Auflösung der Gemeinde erst 1931. Von den in Hofstetten geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Elias Grünebaum (1855), Leopold Grünebaum (1878), Samuel Grünebaum (1875), Simon Grünebaum (1880), Johanna Hirsch geb. Grünebaum (1882), Fanny Mannheimer geb. Reis (1873), Irma Metzger geb. Grünebaum (1900), Malchen Nathan geb. Reis (1877), Babette Steinhardt geb. Reis (1880), Sara Wolf geb. Grünebaum (1876).
Alemannia Judaica (Joachim Hahn)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 181.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 73f.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 238.
- Deutsch-Israelitischer Gemeindebund (Hg.): Statistisches Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes 7. Berlin 1892, S. 52.
