Zur jüdischen Gemeinde vor dem 18. Jahrhundert ist lediglich eine Episode bekannt: Im Jahr 1599 lebten in Burgambach zwei Pappenheimische Schutzjuden namens Jakob und "Manua". Nun forderte Graf Wolf Jakob von Schwarzenberg (1560-1618), zu dessen Herrschaft Burgambach zählte, dass diese Juden seinem Gericht unterstehen sollten und nicht jenem der Pappenheimer. Zur Durchsetzung seines Anspruchs ließ er die beiden Juden inhaftieren und tagelang festsetzen. Prompt wurde er dafür vor dem Reichskammergericht verklagt, allerdings ohne weitere Konsequenzen. Die überlieferte Matrikelliste des fürstlich-Schwarzenbergischen Herrschaftsgericht zeigt, dass schon im 18. Jahrhundert mehrere jüdische Familien in Burgambach lebten.
Amson Meier Weismann (geb. 1757) war der älteste namentlich greifbare Jude der Neuzeit, der am 6. April 1789 einen Schutzbrief erhalten hatte. Er gab den Handel mit Schnittwaren als Beruf an. Der Schmuser Simon Samuel Fiedler (geb. 1763) wurde am 1. Mai 1787 aufgenommen, der Schmuser Amson Abraham Tannenbaum (geb. 1761) erhielt 1797 seinen Schutzbrief. Nach seinem Tod und dem Ableben seiner Witwe rückte 1845 der Metzger Bernhard Ortheiler in die freie Stelle nach. Auf die ursprüngliche Matrikelstelle von Lazarus Löw Löwenthaler, rückte bis 1854 zunächst seine Witwe, dann Sondel Nürnberger, Abraham Kohlmann und Löw Michel nach. Die insgesamt um 1813 angelegten neun Matrikelstellen wurden bis nach 1850 meist mehrfach belegt, wie aus den Aufzeichnungen des Schwarzenbergschen Gerichts hervorgeht.
Als Burgambach endgültig an das Königreich Bayern fiel und 1813 das Bayerische Judenedikt eingeführt wurde, bestätigten die bayerischen Beamten neun Artikelstellen: Nr.1: Eißig Löw Flintenfeld (geb. 1763), Benedict Ortheiler (geb. 1819 in Burgambach); Nr. 2: Hajum Löw Gutmann (geb. 1790 in Burgambach); Nr. 3: Hona Jacob Haberfaßer, Witwer (geb. 1751), Jüdlein Flintenfelder (geb. 1803); Nr. 4: Samuel Meier Liebermann (geb. 1752), dessen Schwiegersohn Benjamin Nachtigall (geb. 1792); Nr. 5: Lazarus Löw Löwenthaler (geb. 1756), dessen Witwe Frommel, Sondel Nürnberger (geb. 1795 in Scheinfeld), Abraham Kohlmann (geb. 1797 in Diespeck), Löw Michel (geb. 1805 in Schnodsenbach); Nr. 6: Simon Bärlein Ortheiler (geb. 1791); Nr. 7: Amson Abraham Tannenbaum (geb. 1761), Bernhard Ortheiler (geb. 1818 in Burgambach); Nr. 8: Simon Samuel Fiedler (geb. 1763), Isaac Hellmuth (geb. 1840); Nr. 9: Amson Meier Weismann (geb. 1757) und dann dessen Witwe Baierlein.
Das "Topogeographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern" (1840) gibt für Unter- und Ober-Ambach an: "175 Einwohner, 33 Juden". Im ältesten Ortsteil Burgambach selbst lebten keine jüdischen Mitbürger. Es ist zu vermuten, dass bei dieser Gemeindegröße eine Synagoge und eine Religionsschule und damit in Personalunion ein Melamed / Chasan vorhanden war. Allerdings fehlen dazu Nachrichten. Die Verstorbenen wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ullstadt beigesetzt. Für 1868 werden noch vier Familien in Burgambach angegeben. Die Auflösung der Gemeinde dürfte endgültig um 1890 erfolgt sein: Noch 1889 führte das Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelischen Gemeindebunds Burgambach auf, allerdings ohne weitere Angaben. In der Ausgabe von 1892 fehlt der Name bereits, die Kultusgemeinde hatte sich aufgelöst. 1910 lebten gar keine Juden mehr im Ort.
(Patrick Charell)
Bevölkerung 1875
Literatur
- Nathanja Hüttenmeister: Alltägliches Miteinander oder getrennte Gemeinden: Das Leben im Dorf am Beispiel der pappenheimischen Herrschaften. In: Rolf Kießling, Peter Rauscher, Stefan Rohrbacher, Barbara Staudinger (Hg.): Räume und Wege Jüdische Geschichte im Alten Reich 1300-1800. Berlin 2007 (= Colloquia Augustana 25), S. 107-120.
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Nürnberg - Die Judenmatrikel 1813-1861 für Mittelfranken. Nürnberg 2003. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen, 1 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 1).
- Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns / Thomas Engelke (Hg.): Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichskammergericht / Band 20: Nr. 8430-8976 (Buchstaben P und Q): München 2019 (= Bayerische Archivinventare: Inventar der Akten des Reichskammergerichts 20), Nr. 8579, S. 137f.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 177.
