Da Aub am Schnittpunkt der beiden Fernhandelswege von Italien in den Norden und von Nürnberg nach Frankfurt und in die Niederlande lag, entwickelte sich hier im Mittelalter rasch eine größere Siedlung. Der Ort bot dafür mit seiner verkehrsgünstigen Lage gute Voraussetzungen. Der erste Hinweis auf ihre Anwesenheit findet sich im Martyrologium des Nürnberger Memorbuch, das in der Rintfleisch-Verfolgung 1298 auch Opfer aus Aub verzeichnet. 1327 nennen Gerichtsakten in Nürnberg und 1333 in Köln jeweils einen Juden, der aus Aub stammte. Die wohl nur kleine jüdische Gemeinde wurde in der Armleder-Verfolgung in Franken 1336 ausgelöscht.
Das Auber Memorbuch, vom Toraschreiber Chajim ben Nathan Levi am 15. Juni 1608 anlegt und bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt, verzeichnete bereits ab der Mitte des 16. Jahrhundert wieder jüdisches Leben in Aub. Dieses Memorbuch wurde in der NS-Diktatur vernichtet, zuvor jedoch vom Regensburger Rabbiner Magnus Weinberg in mehreren Publikationen ausgewertet. Es zählt zu den wichtigsten Quellen jüdischen Lebens in Bayern.
Die obere und Untere Judengasse (heute: Juden- und Neuertgasse) lagen im sogenannten "Rosenbergviertel" der Stadt, das seit 1668 dem Deutschen Orden gehörte. Neben den Schutzjuden des Deutschen Ordens lebten auch Schutzjuden des Würzburger Hochstifts im Ort (im sog. Truchsessviertel). Diese bis 1810 zweigeteilte Gemeinde unterstand dem Landesrabbinat in Mergentheim (heute Baden-Württemberg) und dem Landesrabbiner des Hochstifts Würzburg. Das Auber Memorbuch verzeichnet bis ins 18. Jahrhundert auch mehrere Rabbiner, darunter bedeutende Gelehrte, die in der Stadt lebten oder mit ihr in enger Verbindung standen. Den Eintragungen zufolge war z.B. Chassid Ahron Sebulun ben Isaak Kohen (gest. 1661) lange Zeit in der Lehre tätig. Anfang der 1660er Jahre ist ein Rabbiner Samuel Lazarus vor Ort erwähnt, der gewisse juristische Vollmachten ausübte. Einer Auber Familie entstammte auch der spätere Mannheimer Landesrabbiner Lippmann (gest. 1680).
Verzeichnissen des Hochstifts Würzburgs zufolge wohnten 1623 zehn jüdische Familien mit insgesamt 70 Personen in Aub. Sie lebten v.a. vom Handel mit Krämer- und Tuchwaren; in geringerem Umfang vom Viehhandel und Geldverleih. Ab 1630 existierte ein jüdischer Friedhof im östlichen Stadtgraben, dem sog. Judengraben. Auch die Israeliten aus den benachbarten Ortschaften Gollachostheim, Walkershofen und Waldmannshofen bestatteten hier bis ins 19. Jh. ihre Toten. Ein jüdisches Ritualbad lag einst an der nördlichen Stadtmauer (nicht mehr vorhanden).
Die Verlegung der Fernstraße von Nürnberg nach Frankfurt im späten 18. Jahrhundert wirkte sich sehr negativ auf die Erwerbstätigkeit der in Aub ansässigen Juden aus. Um einen gewissen Ausgleich zu schaffen, wurden in der Stadt 1790 zwei neue Viehmärkte eingeführt. Um 1800 gab es im Ort 15 jüdische Haushalte; davon waren zehn Schutzjuden des Deutschen Ordens und fünf unterstanden dem Würzburger Hochstift.
Bis 1810 wuchs die jüdische Gemeinde der Stadt auf 21 Haushalte an. 1814 verzeichnete man 107 Jüdinnen und Juden in 29 Familien bei einer Gesamtbevölkerung von 1.100 Personen. Nachdem Aub 1817 dem Untermainkreis im Königreich Bayern eingegliedert worden war, bekam es 23 Matrikel zugeteilt. Die meisten Juden verdienten sich damals ihren Lebensunterhalt durch Vieh- und Warenhandel. Da die Oberrabbiner in Heidingsfeld bzw. Würzburg weit entfernt residierten, durfte die Auber Kultusgemeinde einen eigenen Ortsrabbiner als Stellvertreter (hebr. Dajan) einsetzen. Diese Unterrabbiner fungierten zur Aufbesserung ihrer Bezüge öfters auch als Schächer, Religionslehrer und Vorsänger. Die Keller-Mikwe auf dem östlichen Nachbargrundstück zur Synagoge wurde 1828 durch den Gerichtsarzt für ungeeignet erklärt. Die Kultusgemeinde musste deshalb ein Grundstück für den Neubau eines Ritualbades erwerben. Das Vorhaben verzögerte sich lange. Erst 1848 konnte die neue Mikwe an der nördlichen Stadtmauer (heute: Mühlstraße 31) eröffnet werden. Sie erhielt ihr Wasser von der vorbeifließenden Gollach.
In den 1830er Jahren versuchte die Kultusgemeinde zusammen mit ihrem Unterrabbiner David Weiskopf im Ort ein Distriktsrabbinat zu installieren. Das Vorhaben scheiterte jedoch und die Auber Kultusgemeinde wurde 1839 in das neu gegründete Distriktsrabbinat Marktsteft eingegliedert, das kurze Zeit später nach Mainbernheim und 1871 nach Kitzingen umzog. Aufgrund der angewachsenen Kultusgemeinde musste der im östlichen Stadtgraben gelegene jüdische Friedhof erweitert werden. 1835 kaufte die Kultusgemeinde einen angrenzenden Baumgarten und eröffnete im Folgejahr den neuen Friedhof, der 20 Jahre später an der Süd- und Nordseite ummauert wurde. Unheil drohte hier ab Anfang des 20. Jh., als die Stadtverwaltung dazu überging, immer mehr Schutt im Stadtgraben abzuladen, um ihn nach und nach aufzufüllen. Auch nachdem das Landesamt für Denkmalpflege 1909 und das Bezirksamt 1928 erneut diese Praxis untersagt hatten, wurde damit fortgefahren und der Großteil des Grabens eingeebnet. Ab den 1880er Jahren waren die Juden auch im Stadtrat vertreten und zunehmend in den örtlichen Vereinen aktiv. 1897 erreichte die Kultusgemeinde durch den Zuzug weiterer Familien ihren Höchststand mit 122 Mitgliedern. Florierende Handelsgeschäfte führten dazu, dass sie 1911 als die "mit Abstand reichste Gemeinde im Landkreis Ochsenfurt" galt. Das Ritualbad der Gemeinde an der nördlichen Stadtmauer konnte aufgrund massiver Schäden ab 1910 nicht mehr benutzt werden. Nach einem ab 1927 erfolgten Umbau war es wieder in Betrieb. Seit den 1920er Jahren nahm die jüdische Bevölkerung aufgrund der schlechten Wirtschaftslage kontinuierlich ab.
Bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 umfasste die Kultusgemeinde Aub nurmehr 75 Mitglieder, die mit dem wirtschaftlichen Boykott-Aufruf der neuen Machthaber konfrontiert wurden. Ab Oktober 1933 wurden daher erste Hebräischkurse zur Vorbereitung auf eine Auswanderung angeboten; ab 1936 auch Englischkurse. Vorerst hielten sich die Einschnitte im Erwerbsleben der im Vieh- und Warenhandel tätigen Juden aber noch in Grenzen, weil die staatlichen Behörden auf deren Erfahrung und Kontakte angewiesen waren. Da sich jedoch auch in Aub die antisemitischen Hetzkampagnen häuften (u.a. platzierten die Nationalsozialisten eine als Juden verkleidete Puppe am ehemaligen Pranger des Rathauses), entschlossen sich mehr und mehr Jüdinnen und Juden zur Emigration. Nachdem vor allem wohlhabende Gemeindemitglieder die Stadt verlassen hatten, war der finanzielle Spielraum der geschrumpften Kultusgemeinde stark eingeschränkt.
Während des Novemberpogroms 1938 fuhren SS- und SA-Verbände aus Ochsenfurt durch die Region, plünderten und verwüsteten die Synagogen, die Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürger, verprügelten einzelne Personen und verschleppten viele Israeliten ins Gefängnis. In Aub kam der Mob am Abend des 10. November 1938 an und wütete die ganze Nacht in der Stadt. Sie stahlen die Wertgegenstände, demolierten die Einrichtungen, schlugen einzelne Bewohner und führten ganze Familien ab. Am 8. Dezember 1938 beschlossen Vertreter von Industrie- und Handelskammer sowie Parteidienststellen "Entjudungsmaßnahmen im Einzelhandel" ("Arisierung"). Damit war der jüdischen Bevölkerung in Aub die Lebensgrundlage entzogen. Am 1. Januar 1939 lebten noch 23 Jüdinnen und Juden in der Stadt; bis zum 21. Juli 1939 waren sie entweder ins Ausland geflohen oder in größere Städte umgezogen. Insgesamt wurden 46 Juden, die aus Aub stammten oder dort lange gelebt hatten, Opfer der Shoah.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man am Landgericht Würzburg mehrere Strafprozesse zur Ahndung der Ausschreitungen während des Novemberpogroms 1938 im Landkreis Ochsenfurt geführt. Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, da kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 viele Akten vernichtet worden waren und Zeitzeugen oft keine Täter benennen wollten. Im Sommer 1946 verurteilte das Landgericht Würzburg sechs Angeklagte wegen schweren Landfriedensbruch in Aub zu Haftstrafen von zwei Monaten bis zu einem Jahr.
1988 stellte die Stadt Aub in der Nähe des ehemaligen "Judengrabens" schräg gegenüber dem jüdischen Friedhof einen Gedenkstein auf, der an die während der NS-Zeit verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger erinnert. 2010 wurden in Aub durch den Künstler Gunter Demnig (*1947) bislang 20 Stolpersteine zum Gedenken an die jüdischen Opfer verlegt. In einer Kooperation mit den Central Archives for the History of the Jewish People (CAHJP) in Jerusalem werden von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns nach und nach die erhaltenen jüdischen Gemeindearchive – darunter das Gemeindearchiv aus Aub – digitalisiert, um sie erstmals und vollständig online zugänglich zu machen.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Aub. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 561-584.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 24-28.
- Magnus Weinberg: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern, Bd. 1. Frankfurt am Main 1937, S. 19-34.
- Aubrey Pomerance: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Franken. In: Michael Brenner / Daniela F. Eisenstein (Hg.): Die Juden in Franken. München 2012, S. 95-113.
- Georg Pfeuffer: Wirtschaftliche, soziale und religiöse Untersuchungen über
die jüdische Gemeinde Aub im Zeitalter der Emanzipatiosgesetzgebung.
Würzburg 1991. - K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 240.
