Jüdisches Leben
in Bayern

Altenstein Gemeinde

Bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gibt es Hinweise über jüdische Familien in Altenstein. Der Bücher und Brillenhändler Scheu Loew hatte nach seiner Einheirat nach Altenburg 1776 einen Schutzbrief erhalten. Der um 1750 geborene Handelsmann Mayer Hirsch konnte 1777 einen Schutzbrief des Gutsherren, des Freiherren von Altenstein, erwerben.

Aber erst im 19. Jahrhundert gibt es durch die Matrikelaufzeichnungen gesicherte Informationen über die kleine jüdische Gemeinde in Altenstein. Die sechzehn Familien um 1816 umfasste etwa 70 Personen und damit 13 Prozent der Ortsangehörigen. Die meisten Familienoberhäupter waren im Viehhandel, der Vermittlung von Handelsgeschäften oder als Bücherhändler tätig. Die Gemeinde besaß eine Synagoge, die Verstorbenen wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ebern bestattet.

Bereits seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte die Gemeinde die Kosten für die Unterkunft und den Lebensunterhalt eines Lehrers aufbringen. Der Vater des Viehhändlers David Kaufmann wird als "Judenschullehrer" bezeichnet, der Schutz vom Grundherren erhalten habe,

Mit etwa siebzig Personen hatte die jüdische Gemeinde bis etwa 1850 einen konstanten Stand erreicht. In diese Jahrzehnte fällt auch der Bau einer Mikwe (Pfaffendorfer Gasse 9). Sie ist im Bayerischen Denkmal-Atlas eingetragen. Sehr belastend wirkten in dieser Zeit allerdings die Abgaben für das Schutzgeld, die immer noch an die Grundherrschaft zu zahlen waren. Eine Familie entrichtete 10 Gulden, eine Witwe die Hälfte. Eine Zeitungsnotiz von 1839 in den "Israelitischen Annalen" merkte an, dass aufgrund dieser Abgaben die Aufwendungen für den Kultus und die Bildung der Kinder sehr gering seien. Trotzdem unterhielt die Gemeinde bis zu ihrer Auflösung einen Lehrer, der auch als Kantor tätig war. 1880 beschäftigte sie Salomon Anfänger, der gerade das Seminar in Würzburg absolviert hatte. Er war wohl der letzte Lehrer in Altenstein.

Das Statistische Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes führte 1892 Altenstein noch als selbständige Gemeinde auf, während sie in der Ausgabe von 1896 bereits fehlt. 1897 wurde die Gemeinde als aufgelöst bezeichnet, als der Versuch einer Witwe, Informationen über eine beträchtliche Hypothek zugunsten der Gemeinde ihres verstorbenen Mannes zu erhalten, vom Gericht abschlägig beschieden wurde,

Von den in Altenstein geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: David Kaufmann (1862), Mathilde Kaufmann (1871), Meier Kaufmann (1866), Clara Stein geb. Kaufmann (1874), Marianna Strauß geb. Kaufmann (1863). 

Literatur

  • Rosenstock, Dirk: Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg Band 13.), Würzburg 2008, S. 104-105.