Jüdisches Leben
in Bayern

Reckendorf Friedhof

Der jüdische Friedhof Reckendorf liegt am Lußberg etwa einen Kilometer südwestlich des Ortes. Er hat eine Grüße von über 2500 qm und wurde 1798 angelegt. Es sind fast 400 Grabsteine erhalten.

Lage: Am Lußberg ca. 1 km südwestlich des Ortes. 

Größe: 2510 qm; Einfriedung durch eine massive Steinmauer. 

Alter: Nachdem die Reckendorfer Juden zuvor ihre Verstorbenen in Ebern bestattet hatten, erhielten die Juden 1762 die Erlaubnis zur Anlage eines Friedhofs am Lußberg. Doch erst 1798 erwarben sie für 300 Gulden an den Weinbergen (Plan-Nr. 430) von den Grundherren von Gereuth „ein Plätzchen, welches 1/2 Acker beträgt“. Aus diesem Jahr (1798) stammt auch der älteste Grabstein. 

Beerdigungen: Heute sind 394, darunter sehr schöne alte Grabsteine erhalten. Im neueren Teil befinden sich die Gräber der Familie Walter, die der Gemeinde ein Kinderheim gestiftet hatte. 

Besonderheiten: Der Friedhof ist nach Westen orientiert. Am Eingang des Friedhofs an der Nordseite fallen zwei weiße Marmorgrabsteine in Form von Torarollen auf; der eine wurde für das Ehepaar Hellmann, der andere für das Ehepaar Walter errichtet. Die Inschrift lautet: „Den geliebten Eltern die dankbaren Kinder“. Die Kinder der Familien waren in die USA ausgewandert. 1716 wurden in Reckendorf die Vereine „Bihur Chaulim“ und „Gemiluth cha sadim dek barnim“ gegründet, die sich der Versorgung der Kranken und Sterbenden der Gemeinde widmeten. Sie lösten sich 1828 auf.

Adresse / Wegbeschreibung

96182 Reckendorf

Von Bamberg kommend durch den Ort fahren und an der sog. Lourdes-Kapelle von der Hauptstraße in den Weg links abbiegen. Dem Straßenverlauf folgen bis zum Waldrand, der Weg geht in eine Schotterpiste über. Vor dem Schlagbaum parken und ca. 20m aufwärts gehen (Hinweisschild "Zum israelitischen Friedhof").

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 156-159.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (5) [Höchberg, Reckendorf, Pappenheim, Rothenburg o.d.T.]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 9, Nr. 61 (März 1994), S. 19-20.
  • Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen
    Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), 233f.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 282-289.