Der jüdische Friedhof Buttenwiesen liegt mitten im Ort neben dem christlichen Friedhof und ist mit diesem durch einen Zugang verbunden. Er wurde zu Beginn der 1630er Jahre angelegt und hat eine Fläche von fast 2000 qm. Bemerkenswert ist seine Lage neben der ehemaligen Synagoge.
Lage: Mitten im Ort neben dem christlichen Friedhof und mit diesem durch einen Zugang verbunden.
Größe: 1904 qm; L-förmige Fläche, dreiseitig von einer 1988 sanierten Mauer umgeben, mehrfach vergrößert.
Alter: 1632 oder 1633 angelegt. Zuvor begrub man die Toten auf dem heute nicht mehr existierenden Friedhof von Burgau. Ein Bericht des Untervogts Mathes Jaser in Lautenbach an die Deutsch-Ordens Kommende in Donauwörth vom 10. Februar 1632 erwähnt ein verstorbenes Kind, das wegen der Kriegszeiten nicht nach Burgau gebracht werden könne. Ein Grundstück für den Friedhof sei bereits vorhanden, allerdings fordere die christliche Gemeinde 150 Gulden für das Begräbnisrecht oder zwei Gulden für jede künftige Grabstätte. Man einigte sich schließlich auf einen Gulden pro Grab. Auch später stellte man immer wieder Ansprüche an die Juden; so nahm die Gemeinde Buttenwiesen für sich das Recht in Anspruch, das auf dem Friedhof wachsende Gras mähen zu dürfen. Am 24. April 1803 zahlten die Juden 60 Gulden und 2 Reichstafel „Leihkauf zum Vertrinken“ als Abfindung für dieses Recht. Dem Ortspfarrer hatten sie für jede Leiche, die am Pfarrhaus vorbeigetragen wurde, einen silbernen Löffel zu überlassen, so ein Bericht im Kreisintelligenzblatt von Schwaben und Neuburg vom 9. Januar 1839.
Beerdigungen: Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert fehlen. Viele Grabdenkmäler waren aus Holz angefertigt. Drei Grabfelder; im südlichen Teil des Friedhofs befinden sich Grabsteine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im östlichen Drittel Steine der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im nordwestlichen Teil Gräber jüngeren Datums.
Besonderheiten: Neben der Chewra Kaddischa war seit 1843 in Buttenwiesen auch eine Heilige Schwesternschaft tätig. Das Tahara-Haus wurde in den 1950er/60er-Jahren abgerissen. An seiner Stelle befindet sich heute eine zum Anwesen Marktplatz 8 gehörige Garage, deren Außenmaße in etwa dem früheren Tahara-Haus entsprechen. 1919/20 hatte die Israelitische Kultusgemeinde Buttenwiesen die Auffüllung des östlichen Friedhofsteils veranlasst. In diesem bis dahin nicht genutzten Teilareal richtete die Gemeinde Buttenwiesen 1950 einen Friedhof ein.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Kapellenstraße 4, 86647 Buttenwiesen
Literatur
- Franz Xaver Neuner: Das jüdische Begräbnis in Buttenwiesen. In: Jahrbuch des Historischen Verein Dillingen 98 (1996), S. 359-384.
- Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (9) [Obernzenn-Egenhausen, Treuchtlingen, Schopfloch, Buttenwiesen]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 10, Nr. 65 (März 1995), S. 18-20.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 236-237.
- Louis Lamm: Die jüdischen Friedhöfe in Kriegshaber, Buttenwiesen und Binswangen. Ein Beitrag zur Geschichte der Juden in der ehemaligen Grafschaft Burgau. Berlin 1912 (= Zur Geschichte der Juden im bayerischen Schwaben 1), S. 14-16.
Weiterführende Links
- Der jüdische Friedhof in Buttenwiesen (Alemannia Judaica)
- Jüdischer Friedhof Buttenwiesen (Landesverband Israelitischer Kultusgemeinden in Bayern)
- Jüdischer Friedhof Buttenwiesen (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland)
- Jüdischer Friedhof Buttenwiesen (Jüdisch Historischer Verein Augsburg)
- Jüdischer Friedhof Buttenwiesen (Bayerischer Denkmal-Atlas)
