Jüdisches Leben
in Bayern

Buttenheim Friedhof

Der jüdische Friedhof Buttenheim liegt ca. 1,5 km nördlich des Markts seitlich der Straße von Buttenheim nach Seigendorf auf freier Höhe am Waldrand. Er hat eine Fläche von fast 2200 qm. Das früheste Grabmal ist jenes von Fratel bar Jakob Reis aus dem Jahr 1819 . Es sind noch 253 Grabsteine erhalten (Hanke). Neben Buttenheim bestatteten die jüdischen Gemeinden Hirschaid und Gunzenhausen hier ihre Verstorbenen.

Lage: Der Friedhof liegt ca. 1,5 km nördlich des Markts seitlich der Straße von Buttenheim nach Seigendorf auf freier Höhe am Waldrand (Flur-Nr. 1158, Flurteil "Gratzau"). 

Größe: 2150 qm. 

Alter: 1819 stiftete Jizchak Reis, damaliger Gemeindevorstand, der Kultusgemeinde ein in seinem Besitz befindliches Grundstück am Waldrand an der Gemarkungsgrenze nach Seigendorf zur Anlage eines Friedhofs. Im gleichen Jahr beerdigte man dort die Ehefrau des Stifters, Fradel Reis, am 2. März 1819 (3. Adar 5579) in der südwestlichen Ecke. Pläne vom Ende des 18. Jahrhunderts, einen Friedhof auf dem Eggolsheimer Berg anzulegen, scheiterten am Widerstand des Freiherrn von Seefried. Die Gründung des Friedhofs erfolgte mit Hilfe der Gemeinden Hirschaid und Gunzendorf; als Eigentümerin im Grundbuch war die Israelitische Kultusgemeinde Hirschaid eingetragen. Bis 1818 hatte die Gemeinde ihre Verstorbenen auf dem Friedhof von Zeckern beigesetzt. 

Einzugsbereich: Buttenheim, Hirschaid (ab etwa 1820) und Gunzendorf.

Beerdigungen: bis 1938. 253 Grabsteine stehen in dreizehn Grabreihen mit je ca. zwanzig Gräbern. In der letzten Reihe liegen die Gräber der Kohanim. 

Besonderheiten: Kleines Leichenwaschhaus an der Ostseite beim Eingang (9 x 4,5 m). Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine Renovierung erforderlich, welche die finanziell stark überforderte Gemeinde nicht leisten konnte. Um 1900 (genaues Datum nicht mehr zu ermitteln) führte die nun juristisch verantwortliche Gemeinde Hirschaid eine Sammlung durch. Sie erbrachte 2282,71 RM. Einen beträchtlichen Teil zu dieser Summe (1028 RM) steuerte der gebürtige Buttenheimer Textilfabrikant Levi Strauß in San Francisco bei, womit Friedhof und Leichenhaus renoviert werden konnten. 

Schändungen: 1931 wurden 67 Grabsteine umgeworfen und einige entwendet; weitere Schändungen während des Dritten Reiches.

Fotodokumentation "Steinerne Zeugnisse":

Israel Schwierz hat großzügigerweise die Originalfotografien zu seiner 1988 erschienenen Dokumentation "Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern" überlassen. Dafür gilt ihm unser großer Dank. Diese Fotografien stellen gerade im Hinblick auf die in vielen Fällen in den letzten 25 Jahren sehr rasch fortgeschrittene Verwitterung der Grabsteine eine wertvolle Quelle dar.

Adresse / Wegbeschreibung

96155 Buttenheim

St2210 südliche Richtung stadtauswärts, nach Ortsausgang erste Abzweigung links.

Literatur

  • Lothar Mayer: Jüdische Friedhöfe in Mittel- und Oberfranken. Petersberg 2012, S. 60-63.
  • Michael Trüger: Jüdische Friedhöfe in Bayern (18) [Mellrichstadt, Floß, Kleinheubach, Buttenheim]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 11, Nr. 75 (Dezember 1997), S. 14-17.
  • Karl Dill: Jüdische Friedhöfe in Oberfranken. Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken Nr. 187. Bayreuth 1992, S. 29–39.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 128-135.