Jüdisches Leben
in Bayern

Allersheim Friedhof

Größe: 16620 qm, eingefasst durch eine Beton, bzw. Kalksteinmauer und zugänglich durch zwei Tore an der Nord- und Westseite; Einteilung in drei Areale, ca. 2000 Grabsteine erhalten. Erweiterungen 1813, 1844 und 1920.

Alter: 5. Mai 1665 (Kaufvertrag). Das 1608 angelegte Memorbuch von Aub erwähnt den Friedhof, der mehrmals erweitert wurde. Ein altes Protokollbuch des Abtes Valentin Memmel vom Kloster Bronnbach über die Jahre 1656 bis 1670 enthält die Abschrift eines Kaufvertrages vom 5. Mai 1665.  

Aus ihm geht hervor, dass die in der Umgebung von Allersheim ansässige Judenschaft einen in der Ortsgemarkung gelegenen und im Klosterbesitz befindlichen Acker von sieben Viertel Morgen Größe zur Errichtung einer Begräbnisstätte käuflich erworben hatte. Die Juden waren mit Kaufabsichten an Abt und Konvent des Klosters Bronnbach in Baden herangetreten, die wegen finanzieller Probleme infolge des Dreißigährigen Krieges auf das Geschäft eingingen. Die Zustimmung fiel deshalb nicht schwer, da es sich doch um einen „wüst liegenden ackher" handelte, der „dem Closter ohne das nichts einträgt". Als Kaufpreis vereinbarte man 20 Reichstaler fränkischer Landeswährung. Den Juden räumte man im Gegenzug das Recht ein, das Areal „zu vorhabenter begrebnus zu nutzen undt zu gebrauchen, auch eine Mauer herumb zu führen".

Die Kaufbedingungen waren mit Schikanen verbunden. Zum einen beanspruchten Pfarrer und Schultheiß von Allersheim für sich das Recht, „ein verdrahrliches Schloß darvor zu führen", was ihnen jeder Zeit die Möglichkeit bot, den Juden den Zugang zum Friedhof zu versperren. Zum anderen musste bei jeder Bestattung ein „erdten gelt" entrichtet werden. Von der jeweils fälligen Summe ging eine Hälfte an den Verwalter des Bronnbacher Hofes in Würzburg, die andere an die Gemeinde Allersheim. Seit 1670 forderte auch das Hochstift Würzburg einen Totenzoll, wenn ein jüdischer Leichenzug durch sein Hoheitsgebiet führte. Zur Betreuung und Unterhaltung der Begräbnisstätte schlossen sich die den Friedhof benützenden jüdischen Gemeinden schon früh zu einer Friedhofskorporation zusammen, deren Vorstand als Oberaufseher fungierte.

Einzugsbereich: Acholshausen, Bütthard, Dittigheim (Baden), Fuchsstadt, Gaukönigshofen, das eine Heilige Brüderschaft und eine Heilige Schwesterschaft besaß, Geroldshausen, Giebelstadt, Goßmannsdorf, Grünsfeld (Baden), Höchberg (bis 1821), Impfingen, Kirchheim, Messelhausen, Reichenberg, Rottenbauer, Sommerhausen, Winterhausen, Segnitz und zeitweilig Tauberrettersheim sowie Obernbreit. Bis zur Errichtung eines eigenen Friedhofs bestattete man auch die Toten von Würzburg und Heidingsfeld in Allersheim. 

Beerdigungen: Ca. 2000 Grabsteine aus der Zeit von 1665 bis 1967, etwa 4000 Beerdigungen. Schließung des Friedhofs 1943. 1967 fand die letzte Beisetzung statt; beerdigt wurde Otto Mannheimer aus Giebelstadt, der letzte Verwalter der Israelitischen Friedhofskorporation Allersheim e.V. 

Besonderheiten: 1844 Errichtung eines Tahara-Hauses links vom Nordtor, 1929 durch einen Neubau ersetzt. Er besteht aus einem Waschraum und einem Wartezimmer. 1983 Renovierung des Gebäudes. 

Schändungen: 1983, kurz nach der Renovierung, wurden die Fensterscheiben eingeworfen; daher mauerte man die Fenster zu.

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, 64f.
  • Sporck-Pfitzer, Jutta: Die ehemaligen jüdischen Gemeinden im Landkreis Würzburg, hrsg. vom Landkreis Würzburg. Würzburg 1988, S. 51-52
  • Trüger, Michael: Jüdische Friedhöfe in Bayern (19) [Allersheim, Ichenhausen, Wilhermsdorf]. In: Der Landesverband der Israelit. Kultusgemeinden in Bayern 13., Nr. 76 (April 1998), S. 12-14, hier S. 12
  • Wamsler, Peter: Bezirksjudenfriedhof Allersheim. Bedeutung, Geschichte, Brauchtum, religiöse Pflichten. Hrsg. Markt Giebelstadt. Giebelstadt 2007.)